Oldtimer: Zwei Brüder vom Rohrdorferberg organisieren die Oldtimer-Show auf der Offenen Radrennbahn in Zürich-Oerlikon mit 6500 Besuchern
66 historische Rennfahrzeuge machten am Dienstagabend die altehrwürdige Offene Radrennbahn in Oerlikon unsicher. Auch zahlreiche ...
Oldtimer: Zwei Brüder vom Rohrdorferberg organisieren die Oldtimer-Show auf der Offenen Radrennbahn in Zürich-Oerlikon mit 6500 Besuchern
66 historische Rennfahrzeuge machten am Dienstagabend die altehrwürdige Offene Radrennbahn in Oerlikon unsicher. Auch zahlreiche Fahrerinnen und Fahrer aus der Region gingen an den Start.
Es gibt sie noch, die angefressenen Fans des gepflegten Motorsports – so wie er früher einmal war. Ein bisschen laut, ein bisschen dreckig. Denn wer im Gewühl inmitten des Renn-Ovals, das bei «Indianapolis in Oerlikon», auch als Fahrerlager dient, die Nase rümpft oder die Finger in den Ohren hat, ist hier definitiv falsch. Von allen Seiten dröhnen die Motoren, es riecht nach Benzin und verbranntem Gummi. Frei nach dem Werbe-Slogan: «Chli stinke muess es». Wo sonst die Radrennfahrer beinahe lautlos ihre Bahnen ziehen, hält, wie seit 2002 jedes Jahr wieder, der Schweizer Oldtimer-Rennzirkus seinen Einzug. Man kennt sich in der Szene: «Wir haben nur Fahrer, die übers Jahr auch Rennen fahren», erklärt Georg Kaufmann aus Niederrohrdorf. Er hob den Oldtimer-Event 2002 mit aus der Taufe und organisiert ihn heute gemeinsam mit seinem Bruder Jo aus Remetschwil. Wie seine beiden Brüder ist auch der dritte Kaufmann-Bruder, Kurt Kaufmann aus Neuenhof, als Fahrer in seinem Morgan Three Wheeler von 1930 wieder mit von der Partie. Während Bruder Jo mit einem historischen Töff die Strecke unsicher macht, bevorzugt Georg Kaufmann Boliden mit vier Rädern. Mit über 80 Jahren fährt er noch in seinem Lagonda M45 Typ Le Mans Baujahr 1934 in der Kategorie «Indy Cars» mit. Neun Mal bestritt er mit dem Vorkriegs-Renner das berühmte italienische Oldtimer-Rennen «Mille Miglia». «Mit einem Fahrzeug des gleichen Typs haben sie 1935 das 24-Stunden-Rennen von Les Mans gewonnen», berichtet er stolz. Es sind nicht zuletzt die kleinen Geschichten und Mythen, die sich um die historischen Rennfahrzeuge ranken, welche die Besucherinnen und Besucher faszinieren. Eine Besonderheit von «Indianapolis» ist, dass man zwischen den verschiedenen Show-Läufen ganz nah an die Fahrzeuge herankommt. Ein Blick unter die Motorhaube ist ebenso erlaubt, wie das fast schon obligatorische Fachsimpeln mit den Eigentümern.
Kurvenneigung von 44,5 Grad
Die zweite Besonderheit: Die bis zu hundert Jahre alten Renner sind nicht etwa auf flachem Asphalt unterwegs, sondern auf der selbst schon über hundert Jahre alten, historischen Radrennbahn. Deren Steilwandkurven weisen bis zu 44,5 Grad Neigung auf. Fahrerisch nicht ganz ohne, schon wegen der herrschenden Fliehkräfte. «Mit der Solomaschine drückt es dich mit einigen G in die Kurve», weiss Guido Hufschmid aus Nesselnbach, der letztes Jahr mit dem Töff ins «Rennen» ging und seit 30 Jahren Oldtimer-Rennen bestreitet. In diesem Jahr lässt er es mit Rolf Fäh im Motorrad-Gespann etwas langsamer angehen. Sein französischer Töff der Marke Terrot von 1939 hat er selbst restauriert und den Beiwagen aufgebaut. «Mir geht es um den Spass und dass die Leute sehen, wie so alte Gespanne fahren», erklärt er. Und das Interesse an den historischen Fahrzeugen wächst. Mit 6500 Zuschauerinnen und Zuschauern stellte man in diesem Jahr sogar einen Besucherrekord auf, erzählt Georg Kaufmann. Das liegt nicht nur an Publikumsmagneten wie dem Schweizer Rennfahrer Fredy Lienhard, der 2002 das 24-Stunden-Rennen von Daytona (USA) gewann, sondern an der einzigartigen Atmosphäre: «Chli stinke muess es!»
Michael Lux