Birretholz: Förster Markus Lüthy bekämpfte Waldbrände in Südafrika. Auch deshalb will er kein Risiko eingehen
Erde, Gras, Laub und Mais – alles ist dürr. Die ersten Bäume tragen Ende Juli schon Herbstfarben in ihren Blätterkronen. ...
Birretholz: Förster Markus Lüthy bekämpfte Waldbrände in Südafrika. Auch deshalb will er kein Risiko eingehen
Erde, Gras, Laub und Mais – alles ist dürr. Die ersten Bäume tragen Ende Juli schon Herbstfarben in ihren Blätterkronen. – Leider ist das kein gutes Zeichen. Der Förster erklärt warum.
Der Wald leidet», sagt Markus Lüthy. «Ganz klar», fügt er an, um jegliche Zweifel auszuräumen. Lüthy ist Revierförster und Betriebsleiter im Forstbetrieb Birretholz. Als ihn die kantonale Abteilung Wald fragte, wie er die Brandgefahr im Wald einschätze, erklärte er, dass die Gefahrenstufe von Stufe 4 «gross» auf Stufe 5 «sehr gross» erhöht werden muss. Schon bei der zuvor geltenden Gefahrenstufe 4 war es verboten, im Wald ein Feuer zu entfachen.
Zur Begründung kann Lüthy genügend Anschauungsmaterial im über 1000 Hektaren grossen Forst Birretholz liefern. Er zeigt einen Übergang mit Feld, Wiese und Wald: Auf staubtrockener Erde steht neben dürrem Mais ein schmaler Streifen strohtrockenes Gras. Daran grenzt der Wald mit ausgedörrten Brombeeren im Unterholz. – Alles trocken wie Zunder.
Markus Lüthy hat Erfahrung mit Waldbränden. Regelmässig unterstützt er die gemeinnützige Organisation «22nd Wildlife», die sich weltweit für Wälder und natürliche Lebensräume engagiert und diese vor den verheerenden Auswirkungen von Waldbränden schützt. Als Freiwilliger war Lüthy für diese Organisation in Südafrika und bekämpfte Busch- und Waldbrände. Im Zentrum steht dabei die Hilfe. Aber dieses Engagement dient auch als Übungsfeld, um Erfahrungen zu sammeln.
«Das Feuer beginnt am Boden», erklärt Lüthy – in der Schweiz häufig an Feuerstellen. Wenn die Bodenvegetation, so wie jetzt, sehr trocken ist, braucht es wenig, bis auch Bäume und der Wald brennen. Und weil es den Bäumen an Wasser mangelt, ist die Brandgefahr so hoch wie selten. «Die Bäume schaffen es nicht mehr, Wasser über den Stamm in die Baumkronen zu transportieren», erklärt der Förster. In der Folge verdorrt das Laub an den obersten Ästen.
Schon jetzt, Ende Juli, wird es in den Wäldern bunt, als wäre bereits Herbst. Von einer «Schutzreaktion des Baumes» spricht Lüthy. Die Bäume stossen ihr Laub ab und sparen dadurch Energie für den Stamm. Dennoch können Zellen im Holz geschädigt werden. «Solche Schäden im Holz erkennen wir erst nächstes Jahr», so der Förster. Dann werde man sehen, welcher Baum die Trockenperiode überlebte.
Längere Regenperiode wäre nötig
In der andauernden Hitzephase ist ein Gewitter zwar «besser als nichts», meint Markus Lüthy. Nötig wäre aber eine längere Regenperiode, damit sich die Natur erholen könnte.
Und als langfristige Massnahme braucht es mehr Diversität, auch im Wald: Bäume, die der Trockenheit zu trotzen vermögen. Eichen beispielsweise, auch Douglasien, Nussbäume oder Winterlinden. «Die Mischung macht es aus», sagt Lüthy. Dichte Wälder, die unterschiedlich hoch bewachsen sind. «Pflanzen und Unterholz helfen, den Wald feucht zu halten.» Die Zeit der früheren Hochwälder, durch welche der Wind pfeife, sei vorbei. Passé die Monokulturen. Der Umbau zum Mischwald mit unterschiedlich hoher Vegetation geht voran.
Heidi Hess