Edith Nielsen wuchs auf am Zürichsee, arbeitete im Buchhandel in Neuchâtel, London, Zürich und Davos, ferner als Sekretärin von Zirkus Knie, bei BBC und Sterk-Kinos, und war tätig für Terre des Hommes und Helvetas. Sie wohnt beim Hexenturm in Mellingen.
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Edith Nielsen wuchs auf am Zürichsee, arbeitete im Buchhandel in Neuchâtel, London, Zürich und Davos, ferner als Sekretärin von Zirkus Knie, bei BBC und Sterk-Kinos, und war tätig für Terre des Hommes und Helvetas. Sie wohnt beim Hexenturm in Mellingen.
Immer schon lebte der Mensch gefährlich! Zwar sind die Zeiten der Wegelagerer und Seeräuber vorbei, dafür geht es heute um Code-Betrug, Enkeltricks, E-Mail-Phishing; es sind Kabeldurchschneider, Cyberkriminelle und Hacker, und statt wenige Menschen in einer Kutsche werden heute Viele aufs mal geschädigt. Zudem werden im Gegensatz zu früher, wo man das Alter noch ehrte, jetzt oft ältere Menschen reingelegt. Traurig!
Aber dann gibt es ja noch die Taschendiebe. Meist schnappen sie einfach die ganze Tasche. Kein Meisterstück, wenn Sie mich fragen. Aufpassen muss man eben! Andererseits aber gibt es raffinierte Typen, die Männern die Rolex vom Handgelenk nehmen oder feinen Damen das Collier vom Hals ziehen, ohne dass die Geprellten es merken. Das ist Kunst! Sagen Sie es niemandem, aber einer, der sowas in Sekunden vollbringt, wäre eigentlich genauso zu bewundern wie ein Spitzensportler: Ehrgeiz, Mut und Training! (Allerdings, zugegeben, falls mir die eigenen Diamanten auf offener Strasse abhanden kämen, könnte meine Bewunderung kippen).
Was ich aber eigentlich fragen wollte, ist das Gegenteil: Wenn Sie 20 Franken finden, was machen Sie damit? In einem Dorf hätte ich sie zum Fundbüro gebracht. Aber ich fand sie in der Stadt. Das Verzwickte war, genau an diesem Tag hatte ich weder Geld noch Karten dabei! Vergessen auf dem Küchentisch! – Und jetzt? Fröhlich einsacken? … Hm – nein! Das Geld gehört mir eigentlich nicht! Also wechsle ich es bei der UBS in vier Fünfliber. Einen bekam der Musikant in der Unterführung, einen die Surprise-Verkäuferin, ohne dass ich eine Zeitung nahm, und einen gab ich dem Arbeiter bei der Baustelle für ein Bier. Mit dem vierten aber wollte ich mir einen Badener-Stein gönnen. Immerhin! – Doch da bemerkte ich diese Frau mit dem Kind beim Karussell und musste ausgerechnet mitbekommen, wie sie traurig sagte: «Schatz, Mami hat kein Geld, komm lass uns gehen!» Ein Fingerzeig von oben, oder? - Nichts zu haben ist echt befreiend, sinnierte ich, genoss das Jauchzen und Winken des Kindes auf dem Pferdchen, und ging dann wieder ohne einen Rappen im Sack weiter.
Soweit alles beglückend! – Wenn da nicht plötzlich dieser Bub aufgetaucht und mir nachgerannt wäre: «Papa, komm schnell, das ist die Frau, welche deine Zwanzigernote auf der Strasse gepackt hatte, während wir zum Zug rennen mussten, um Omi abzuholen!»
Und jetzt? – Woher nehmen und nicht stehlen?