Inside Gstaad Palace: Dekadenz Reviewed
Ende des vergangenen Jahres strahlte SRF die Doc-Serie «Inside Gstaad Palace» aus, bei der ein Blick hinter die Kulissen des Betriebs des absoluten Luxushotels Gstaad Palace geworfen wurde. Dem ganzen haftet für mich ...
Inside Gstaad Palace: Dekadenz Reviewed
Ende des vergangenen Jahres strahlte SRF die Doc-Serie «Inside Gstaad Palace» aus, bei der ein Blick hinter die Kulissen des Betriebs des absoluten Luxushotels Gstaad Palace geworfen wurde. Dem ganzen haftet für mich ein sehr fader Beigeschmack an, obwohl die Doku gut gemacht ist.
Man ist sich in gewisser Weise der Dekadenz bewusst, die man veranstaltet. Beispielsweise der kulinarische Leiter Franz Faeh kritisiert den übermässigen Food Waste und auch die Eventmanagerin lässt humorvoll durchsickern, das gewisse Wünsche der Gäste an Dekadenz kaum zu überbieten sind. Aber auch diese kritischeren Stimmen kratzen höchstens an der Oberfläche. Das wirkliche Problem zeigt sich in einem Ausschnitt von Nathalie Rufer (srf. ch): «Die Wünsche der Gäste zu erfüllen, ist ein Credo im Gstaader Luxushaus. Ganz nach dem Motto: Wer zahlt, befiehlt. Aber: ‹Auch hier gibt es Grenzen›, erzählt Barbara Branco Schiess, Guest Relations Managerin. So würde man zum Beispiel niemals einen Escortservice organisieren: ‹Es muss im ethischen Bereich sein›, das ist Branco Schiess wichtig.»
Beim «ethischen Bereich» scheint eine Grenze gezogen zu werden. Dass sich diese Grenze bei der Organisation eines Escortservices befindet, finde ich befremdlich. Nicht weil ich meine, dass das Hotel diesen Service organisieren soll, sondern weil das schlicht eine arbiträre Grenzziehung ist und scheinbar ganz viel anderes in den sogenannt «ethischen Bereich» fällt. Man legt sich hier den ethischen Bereich so zurecht, wie es einem gerade passt. Das hat nichts mit Ethik zu tun, sondern mit Verklärung des eigenen Handelns, was übrigens vermutlich unethisch wäre. Hotelbesitzer Andrea Scherz tätigt Aussagen wie: Zum Glück hätten die meisten ihrer Gäste altes Geld, die hätten die angemessenen Verhaltensweisen mitbekommen, oder, wenn das Palace den Gästen nicht das böte, was sie wünschten, würden die Gäste sich halt ein anderes Hotel suchen. Weder befindet sich so grosser Reichtum, schon gar nicht mit altem Geld, im ethischen Bereich, noch kann man die Ausrede gelten lassen, dass die Gäste dieses Geld sonst woanders ausgeben. Das Gstaad Palace mag legendär sein, steht aber meines Erachtens vor allem für ein System von Reichtum, Luxus und Dekadenz, das nicht weiter von einem wirklich ethischen Bereich entfernt sein könnte. Dass sie dafür kein kritisches Auge haben und sich ausreden suchen, bestätigt dieses Bild leider.