Marianne Stänz ist Gemeindeammann in Birmenstorf. Die Projektleiterin (lic. oec. publ.) ist Vorstandsmitglied der Frauenzentrale Aargau, Präsidentin des ref. Kirchenchores Birmenstorf und Vorstandsmitglied der Mitte Birmenstorf.
Ich habe mir diesen Frühling eine Japanreise ...
Marianne Stänz ist Gemeindeammann in Birmenstorf. Die Projektleiterin (lic. oec. publ.) ist Vorstandsmitglied der Frauenzentrale Aargau, Präsidentin des ref. Kirchenchores Birmenstorf und Vorstandsmitglied der Mitte Birmenstorf.
Ich habe mir diesen Frühling eine Japanreise zum runden Geburtstag geschenkt. Als Frühlingskind fand ich, dass eine Reise zur Kirschblüten-Saison passen würde. Gesagt – getan. Ich erwartete ein Land, das ganz anders ist als alle Länder, die ich bisher bereist habe. Der Flug war wirklich weit und die Zeitverschiebung besonders unangenehm, da man in Japan gefühlt mitten in der Nacht ankommt und dann einen ganzen Tag vor sich hat. Meine Müdigkeit war bleiern. Zudem war der Himmel bei Ankunft bedeckt und die Umgebung zeigte sich Grau in Grau. So war ich am Anfang enttäuscht: Tokyo hat Autos und Hochhäuser, wie überall sonst. Sogar noch eine Klasse langweiliger. Immerhin strahlten die ersten Kirschblüten.
Spätestens, als ich mich zum ersten Mal auf eine Toilette setzte, merkte ich, dass gewisse Dinge doch ganz anders sind. Ich erschrak. Der WC-Ring war gewärmt und im Wasser unter mir gurgelte es. Jedes WC, welches ich auf der ganzen Reise antraf, war ein Dusch-WC mit einfachster Bedienung. Und alle waren sauber und gepflegt. Mit der Zeit verstand ich auch wieso: Sauberkeit kommt vom Shintoismus, der japanischen Naturreligion. In den Shinto-Schreinen und in Privathäusern müssen die Schuhe ausgezogen werden. Interessanterweise gibt es sehr wenige Abfalleimer. Der persönliche Müll muss einfach mitgenommen und zu Hause entsorgt werden. Überhaupt diese vielen Regeln. Es ist in Japan sehr wichtig, die Regeln einzuhalten, auch darum, weil in Japan die Gesellschaft mehr zählt als individuelle Bedürfnisse. Dafür läuft alles geordnet und sauber ab. Allerdings: Als freiheitsliebender Mensch wären mir diese vielen Regeln auf die Dauer zu einengend.
Mit der Zeit habe ich aber Japan richtig ins Herz geschlossen. Es ist ein Land mit vielen Kontrasten zwischen Selbstkontrolle und Show (ich habe noch nie so viele verkleidete Menschen gesehen), zwischen knalligen Farben (orange Torii-Bögen und Kirschblüten) und gedämpft farbiger Kleidung, zwischen dem Bedürfnis nach minutiöser Planung und dem konstanten Risiko des nächsten Erdbebens, und mit sehr feinem Essen. Was mir am besten gefiel, ist der grosse Respekt im Umgang miteinander. Ein Einkauf wird säuberlich verpackt und mit zwei Händen überreicht. Und Buswie auch Taxifahrer tragen Anzug, Krawatte und weisse Handschuhe. Aus Respekt gegenüber der Kundschaft. Das nehme ich mit auf meinem weiteren Weg.