Kanton saniert Brücke für 4,8 Millionen Franken
30.01.2026 MellingenDie Reussbrücke wird für 15 Monate gesperrt. Autos benutzen die Umfahrung, Fussgänger und Velofahrende teilen sich den Städtlisteg
Im März beginnt die Sanierung der alten Reussbrücke. Über diese rollte bis zur Eröffnung der Umfahrung täglich ...
Die Reussbrücke wird für 15 Monate gesperrt. Autos benutzen die Umfahrung, Fussgänger und Velofahrende teilen sich den Städtlisteg
Im März beginnt die Sanierung der alten Reussbrücke. Über diese rollte bis zur Eröffnung der Umfahrung täglich der gesamte PW- und Lastwagenverkehr. Dies hinterliess tiefe Spuren.
Auf der Fahrbahn der knapp 100-jährigen Reussbrücke, welche den Fluss an seiner engsten
Stelle überspannt, sieht man deutlich, dass diese dringend erneuert werden muss. Der Asphalt ist stellenweise uneben. Auch die Stahlelemente mit den Nieten haben bessere Zeiten gesehen. Der Rostschutz wurde 1987 letztmals erneuert. «Bis zur Eröffnung der Umfahrung im Oktober 2022 rollten täglich 18 000 Fahrzeuge über die Brücke», erinnert Christian Birchmeier. «Dies führte zu einer unglaublichen Abnützung.»
Brücke für rund 15 Monate gesperrt
Birchmeier ist Projektleiter Brückenbau bei der Abteilung Tiefbau des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt. Er wird die Sanierung leiten, welche im März dieses Jahres beginnt und bis Sommer 2027 abgeschlossen sein soll. «Die Brücke hat ihr Lebensende erreicht. Geplant ist ein massiver Umbau. Aber das Gesamtbild der Brücke von aussen bleibt gleich», erklärt der Ingenieur. Die Sperrung dauert rund 15 Monate bis April/Mai 2027. Die Bauarbeiten dauern aber länger (1,5 Jahre), wobei die letzten Arbeiten unter und neben der Brücke unter Verkehr stattfinden.
Die Brücke steht zwar nicht unter Denkmalschutz. Sie ist aber von grossem denkmalpflegerischem Interesse. Die alte Reussbrücke ist eine Vollwandträgerbrücke aus Stahlblech. «Das war damals modern. Auf der ganzen Spannweite wurden Bleche mit Tausenden von Nieten zusammengefügt. Die Brücke ist ein Zeugnis herausragender Handwerkskunst», erklärt Christian Birchmeier. Geschaffen hat das Werk in den 1920er-Jahren die A.G. Conrad Zschokke, Eisenbau, aus Döttingen. Eine Inschrift auf der Brücke zeugt davon. Die Firma von Conradin Zschokke, dem späteren Aargauer Grossrat und Nationalrat, baute damals Brücken in ganz Europa.
Die Brücken-Hauptträger sind stabil
In den letzten 2,5 Jahren hat der Kanton die Brücke intensiv untersucht und die Sanierung aufgegleist (der «Reussbote» berichtete). Die eiserne Reussbrücke hatte von Anfang an «Kinderkrankheiten», welche sich heute auswirken. Sie wurde additiv gebaut. Das heisst, die einzelnen Elemente geben die Lasten auf das nächste Niveau weiter. Ist ein Element geschwächt, können die anderen es nur beschränkt unterstützen. «Die gute Nachricht ist, dass die Hauptträger auf beiden Seiten noch in gutem Zustand sind», sagt Christian Birchmeier. Sie werden weiter verwendet, alles dazwischen wird rückgebaut und neu gebaut.
Was alles neu wird
Folgende Massnahmen sind an der Brücke vorgesehen:
- Die Fahrbahnbreite und Trottoirbreiten werden angepasst und die Bushaltestelle verschoben; die Haltekante bei den vordersten beiden Bustüren wird auf das Türniveau angehoben
- Die beiden grossen seitlichen Hauptträger der Brücke werden um 40 Zentimeter angehoben. Untersuchungen hätten gezeigt, dass mit diesem Anhebemass eine sehr gute Verbesserung des Hochwasserabflusses erreicht werden könne
- Die Fahrbahn der Brücke wird nur um einige Zentimeter angehoben und das Gefälle im Generellen etwas vergrössert. Die Brüstungen, die aktuell zu tief sind, werden dafür höher
- Der Korrosionsschutz des Stahlbaus wird komplett ersetzt
- Zwischen den beiden grossen seitlichen Hauptträgern wird die bestehende Stahlkonstruktion durch eine neue Stahlunterkonstruktion ersetzt und die kaputte Fahrbahnplatte durch eine neue Fahrbahnplatte aus Ultra-Hochleistungs-Faserbeton ersetzt. Als Belag kommt eine dünne Gussasphaltschicht zum Einsatz
- Das Widerlager auf der Seite Zentralplatz, das sich zentimeterweise in Richtung Brücke verschoben hat, wird oberhalb der Lager zurückgebaut und neu erstellt
- Die beiden Fahrbahnübergänge werden eliminiert und die Brückenentwässerung angepasst
- Brückenlager werden instandgesetzt Am Schluss der Sanierung erhält die Brücke quasi eine kosmetische Auffrischung: Die vertikal und horizontal verlaufenden sogenannten Versteifungsstege werden in einem dunkleren Grauton gestaltet als die hellgrauen Flächen. Die Brücke war nämlich einst zweifarbig. Christian Birchmeier: «Wir wollen die alte Reussbrücke möglichst im Originalton gestalten und haben dafür historische Fotos konsultiert. Zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege und der Stadt Mellingen werden zum Baustart, basierend auf den Fotos und den ausgeführten Untersuchungen im Rahmen einer Bemusterung, die neuen Farbtöne im Detail bestimmt. – Mellingen bekommt eine schön gestaltete Brücke zurück.
Für Hochwasserschutz angehoben
In der Bauzeit wird die Brücke luftdicht eingepackt, damit beim Abstrahlen keine Schadstoffe in die Reuss gelangen. Auch ans Hochwasser haben die Planer gedacht. «Während der Sanierung wird die ganze Brücke wegen möglicher Hochwasser um 2,6 Meter angehoben», erklärt der Projektleiter. Denn das Wasser reichte bei den letzten Hochwassern bis an den Stahl hinauf. Mit Schwemmholzabweisern und Säcken wird die Brücke zusätzlich gesichert. Während der Bauzeit werden die Hochwasserprognosen immer beobachtet. Für die Böötler wird es in dieser Zeit gewisse Einschränkungen geben; sie werden jedoch signalisiert. Eine Komplettsperrung wird es nie geben. Da die Brücke im März definitiv zugeht, wird der gesamte Fuss- und Veloverkehr danach über den Städtlisteg abgewickelt. «Das wird eine logistische Herausforderung. Rund 400 Schülerinnen und Schüler passieren täglich die Reuss», sagt der Mellinger Stadtrat Martin Huber. «In diesen 15 Monaten ist es wichtig, Rücksicht aufeinander zu nehmen.» Auf dem Steg gilt in dieser Zeit ein Fahrverbot. Die Velofahrenden werden beim Städtlisteg absteigen und das Fahrrad über die Brücke schieben müssen. «Dies muss zwingend so eingehalten werden, damit die Sicherheit gewährleistet ist», sagt Huber.
Verkehrsdienst beim Zentralplatz
Weil die Kantonssstrasse aus Stetten beim Zentralplatz einbiegt, wird ausserdem in den ersten Wochen ein Verkehrsdienst nötig sein. Der Stadtrat freut sich, dass die alte Reussbrücke nach der Bauzeit in neuem Glanz erstrahlen wird. «Im Jahr 2028 wird sie 100 Jahre alt. Wenn möglich werden wir das Jubiläum mit einem Gassenfest kombinieren», so Martin Huber begeistert. 1928 ersetzte die Stahlbrücke eine frühere Holzbrücke, auf welcher der Verkehr zwischen Zürich und Bern abgewickelt wurde.
Zeitlich wird die im Frühling startende Sanierung der alten Reussbrücke sich in diesem Jahr mit der am 12. Januar begonnenen Sanierung der Hauptgasse überschneiden. Diese dauert bis August/September dieses Jahres. «In der Zwischenzeit werden zwei Baustellen parallel nebeneinander existieren», sagt Thomas Hunn vom Ingenieurbüro Senn AG. Er hat die Bauleitung der Baustelle Hauptgasse inne. «Der Zugang zu den Häusern und Geschäften ist in der Bauzeit immer gewährleistet», versichert er. Laut Stadtrat Martin Huber wird die Hauptgasse nach der Sanierung nicht wiederzuerkennen sein und in neuem Glanz erstrahlen, «mit einer einladenden Atmosphäre und historisch authentisch». «Vergesst das Gewerbe in der Altstadt in der Bauzeit nicht», sagt er. «Kauft weiterhin in den Geschäften ein und kehrt in den Restaurants ein, damit sie in dieser für sie harten Zeit Umsatz generieren können.»
Marc Benedetti
Der Kanton zahlt die Instandsetzung
Mit der Eröffnung der Umfahrung ist die Reussbrücke zusammen mit anderen Strassenabschnitten 2023 vom Kanton Aargau an die Gemeinde Mellingen abgetreten worden. Die Brücke gehört also jetzt Mellingen. Der Kanton Aargau ist jedoch noch in der Pflicht, die Brücke instand zu setzen. Bauherr für das Grossprojekt ist deshalb der Kanton. Die Projektauflage wurde im August 2025 durchgeführt. Es gab keine Einwendungen. Der Regierungsrat hat im letzten Jahr einen Kredit genehmigt und das Projekt bewilligt. Die Sanierung kostet laut neusten Informationen 4,8 Millionen Franken. Die Verpflichtung zum baulichen Unterhalt geht nach dem Abschluss an Mellingen über. (mbe)



