An der Mitgliederversammlung des Nordwestschweizerischen Jodlerverbandes trugen (fast) alle Tracht
Jodeln gehört seit Ende 2025 zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe. Jetzt will man den Jodel-Nachwuchs erst recht fördern. Mit Projekten wie «das jodelnde ...
An der Mitgliederversammlung des Nordwestschweizerischen Jodlerverbandes trugen (fast) alle Tracht
Jodeln gehört seit Ende 2025 zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe. Jetzt will man den Jodel-Nachwuchs erst recht fördern. Mit Projekten wie «das jodelnde Klassenzimmer» oder dem ersten eidgenössischen Jugend-Jodelfest.
Alphornbläserinnen und -bläser spielten auf dem Parkplatz in Lupfig. Forschen Schrittes eilten ihnen Frauen und Männer in Trachten entgegen und versuchten zu verhindern, dass ihre dunklen Hüte und Regenschirme Opfer von Wind und Regen wurden. Von Nässe und Kälte aber liess sich niemand die Vorfreude wegblasen. Denn die rund vierhundert Jodlerinnen und Jodler waren an diesem Samstag zu einem ganz besonderen Grossanlass unterwegs. In der Lupfiger Mehrzweckhalle fand die 91. Mitgliederversammlung des Nordwestschweizerischen Jodlerverbandes (NSWJV) statt. Geleitet wurde sie von Monika Koch. Koch ist nämlich nicht nur Präsidentin des Jodelchors Mellingen, wo sie selbstverständlich auch selbst singt. Seit Februar 2025 präsidiert sie auch den Vorstand des NSWJV.
Am Rande dieser Mitgliederversammlung erzählte Monika Koch, was es für Jodlerinnen und Jodler bedeutet, dass Jodeln seit Dezember 2025 offiziell von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde. «Diese Anerkennung zeigt, dass Jodeln nicht nur ein lokales Brauchtum, sondern ein Kulturgut von weltweiter Bedeutung ist. Unsere uralte Klangsprache wird offiziell als weltbedeutsamer Schatz anerkannt – ein lebendiges Band zwischen Tradition, Identität und Zukunft.»
Wie sehr die Frauen und Männer diese Tradition an ihre eigene Identität knüpfen, zeigte sich in der Lupfiger Mehrzweckhalle nicht nur an den Trachten, die ausnahmslos alle trugen. Bevor die Traktanden abgearbeitet wurden, stimmten vierhundert Jodlerinnen und Jodler in das Lied «Mi Jugendzyt» von Paul Schreiber ein.
Auf das Jodellied in der Halle folgte der Blick in die Zukunft. Es wurde ein kurzer Film vom «jodelnden Klassenzimmer» in Würenlos gezeigt. Mit dem Projekt «jodelndes Klassenzimmer» möchte die Hochschule Luzern Jodeln in Schulen verankern.
Auch dazu hatte sich Monika Koch im Vorfeld geäussert. Junge Jodlerinnen und Jodler seien nicht nur in Vereinen aktiv, sie könnten auch an Hochschulen eine fundierte Ausbildung erhalten. Etwa im Fachbereich Volksmusik an der Hochschule Luzern. Das ermögliche ihnen, Jodeln auf professionellem Niveau zu erlernen und mit anderen Musikrichtungen zu verbinden. «Tradition ist kein Museum», betont Koch. «Vielmehr ist sie lebendig. Damit sie überlebt, muss sie sich wandeln dürfen.»
Nachwuchsförderung betreibt auch der NSWJV. Corinne Utzinger, Nachwuchsverantwortliche, berichtete über Schnupperweekends für junge Leute, über das Jugend-Jodelchorlager und vor allem über das erste eidgenössische Jugend-Jodelfest, das vom 11. bis 13. September in Grindelwald stattfindet. Mitmachen dürfen am Jugend-Jodelfest junge Jodlerinnen und Jodler, die zwischen 6 und 25 Jahre alt sind. «Bereits 600 haben sich angemeldet», freute sich Corinne Utzinger. Die Organisatoren erwarten in Grindelwald an die 800 junge Jodlerinnen und Jodler. In der Mehrzweckhalle löste diese Mitteilung mehrere spontane Juchzer aus.
Heidi Hess