Kosten würden 10 Millionen betragen
24.02.2026 NiederrohrdorfVorprojekt für Ersatzbau Dorfschüür liegt vor – der Gemeinderat stellt das ganze Vorhaben zurück
Die Tagesstrukturen für Schulkinder sollen langfristig in der Dorfschüür zentralisiert werden. Aber erst, wenn die Situation der Niederrohrdorfer ...
Vorprojekt für Ersatzbau Dorfschüür liegt vor – der Gemeinderat stellt das ganze Vorhaben zurück
Die Tagesstrukturen für Schulkinder sollen langfristig in der Dorfschüür zentralisiert werden. Aber erst, wenn die Situation der Niederrohrdorfer Gemeindefinanzen verlässlich beurteilt werden kann.
Das Projekt der Zentralisierung der Tagesstrukturen an einem Ort ist vorderhand vom Tisch und «eingefroren». Der Gemeinderat Niederrohrdorf teilt mit, dass er das Projekt für die Unterbringung der Tagesstrukturen in der heutigen Dorfschüür zurückgestellt hat. Dies, nachdem das vollständige Vorprojekt für einen Ersatzbau Dorfschüür vorlag und er eine vertiefte Beurteilung vorgenommen hat. Die vorliegenden Kostenschätzungen hätten ergeben, dass ein Ersatzneubau deutlich teurer ausfallen würde als ursprünglich angenommen. Im Finanzplan waren, basierend auf einer groben Schätzung, ursprünglich 6 Millionen Franken vorgesehen. Die neue Kostenschätzung geht von Investitionskosten über 10 Millionen Franken aus; das bedeutet eine Kostensteigerung von 66 Prozent. An der Bremgartenstrasse 13 war vorgesehen, die ans Kollerhaus angebaute Dorfschüür durch einen Neubau zu ersetzen, um den Tagesstrukturen zeitgemässe und betrieblich geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die Scheune sei nicht erhaltenswert, ergab eine Fach-Expertise.
Kosten und Gmeind-Entscheid
«Angesichts der deutlichen Kostenentwicklung und des Entscheids der Gemeindeversammlung hat sich der Gemeinderat entschlossen, das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiterzuverfolgen, bis die finanziellen Auswirkungen der anstehenden Schulraumerweiterungsprojekte geklärt sind», heisst es in der Mitteilung. Der Gemeinderat setze damit klare Prioritäten und wolle so die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde sichern. Wie Andreas Ritter, Leiter Planung und Bau der Gemeinde auf Anfrage betont, ist das Projekt für die Zentralisierung der Tagesstrukturen nur zurückgestellt, aber nicht beerdigt. Bei den Tagesstrukturen bleibt nun alles beim Alten; sie sind momentan auf Gemeindesaal, Kollerhaus und den Kindergarten Dorf verteilt.
Spielplatz und Bolzplatz kommen
Unabhängig vom Entscheid zur Dorfschüür werde die geplante Erweiterung des benachbarten Spielplatzes sowie der Neubau des Bolzplatzes wie vorgesehen umgesetzt, so Andreas Ritter. Er sagt zur Kostensteigerung des nun zurückgestellten Dorfschüür-Projekts, man versuche die Genauigkeit im Finanzplan hoch zu halten. «Aber es handelte sich in diesem Fall um eine grobe Schätzung.» Im Vorprojekt hätten die Fachplaner erstmals konkrete Zahlen genannt und gingen von 10 Millionen Franken aus. Aus Gemeindesicht handelt es sich um eine Konkretisierung mit gleichzeitiger Steigerung der Genauigkeit, welche sich durch den Planungsfortschritt ergibt. Das beauftragte Büro Castor Huser Architekten aus Baden ist spezialisiert auf Umbauten und Sanierungen historischer Gebäude.
Die Winter-Gemeindeversammlung hatte im November nach einer längeren, engagierten Diskussion den Planungskredit über 430 000 Franken für das Dorfschüür-Projekt zurückgewiesen. Die Diskussion an der Gemeindeversammlung hätte gezeigt, dass sowohl die Kosten als auch die zeitliche Einordnung des Projekts kritisch beurteilt würden, schreibt der Gemeinderat. Gemeinderat Justin Vogler, seit Januar neu Vizeammann, sagte an der Gmeind im November, die Pläne seien noch nicht fertig und man könne sie deshalb nicht zeigen («Reussbote» vom 2. Dezember). An einer Infoveranstaltung sollten die Niederrohrdorfer später Genaueres erfahren. Vielen war das aber zu vage. Der Architekt Daniel Zehnder sprach von einem Blindflug. Man laufe später Gefahr, dass der Baukredit ebenfalls abgelehnt werden könnte. 131 von 168 bei diesem Entscheid Anwesende stimmten für Zehnders Rückweisungsantrag.
Grosse Schulprojekte stehen an
Fest steht, dass auf Niederrohrdorf in den nächsten Jahren grosse Investitionen im Infrastrukturbereich der Schulen zukommen. Die Gemeinde werde sich verschulden müssen, hiess es an der Gmeind. Mit der Erweiterung der regionalen Kreisschule für die Oberstufe und der Primarschul-Erweiterung stehen zwei zentrale Infrastrukturprojekte an, die mit erheblichen finanziellen Verpflichtungen für die Standort-Gemeinde verbunden sein werden. Mit den Baukrediten ist voraussichtlich im Sommer 2026 (Kreisschule) sowie im Sommer 2027 (Primarschule) zu rechnen, heisst es in der Gemeinderatsmitteilung.
Ein Kostenbeitrag ist bereits publik: In der Ausgabe vom 30. Januar stellte der «Reussbote» das Siegerprojekt «Torfmoos» der Zürcher Architekten Hornberger für die Kreisschul-Erweiterung vor. Diese wird 41,8 Millionen Franken kosten. Niederrohrdorf leistet gemäss einem Verteilschlüssel einen Kostenanteil von rund 37 Prozent – also circa 15,4 Millionen Franken. Oberrohrdorf, Remetschwil und Bellikon werden den Rest tragen.
Ausserordentliche Gmeind
Der Projektierungskredit für die ebenfalls nötige Primarschulerweiterung in Niederrohrdorf soll an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung am 15. September dieses Jahres zur Abstimmung kommen. Die Kosten wurden noch nicht bekanntgegeben.
Marc Benedetti

