Region: Ältere Menschen belastet die aktuelle Hitzewelle besonders stark – das tun die Alterszentren dagegen
Die Auswirkungen der Hitzewelle spürt man auch in den Alterszentren in Fislisbach und Mellingen – bei Personal sowie Bewohnerinnen und Bewohnern. Doch ...
Region: Ältere Menschen belastet die aktuelle Hitzewelle besonders stark – das tun die Alterszentren dagegen
Die Auswirkungen der Hitzewelle spürt man auch in den Alterszentren in Fislisbach und Mellingen – bei Personal sowie Bewohnerinnen und Bewohnern. Doch hat man Mittel und Wege gefunden, um die Auswirkungen möglichst gering zu halten.
Die tropischen Temperaturen lassen aktuell buchstäblich niemanden kalt. Für ältere Menschen, die in der Regel stärker unter der Hitze leiden, gilt das besonders: «Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern merkt man, dass sie stärker belastet sind – vor allem, was Herz und Kreislauf betrifft. Sie sind müder und schwächer», weiss Thomas Rohrer, Geschäftsleiter im Alterszentrum am Buechberg in Fislisbach. Beim Morgenrapport bemerke er nach besonders warmen Nächten auch, dass diese schlecht geschlafen hätten. Kopfweh und Migräne oder Schwellungen aufgrund der Erweiterung der Blutgefässe würden ebenfalls auftreten. «Bei Arthritis klönnen sich die Beschwerden durch die hohen Temperaturen verstärken», ergänzt Rohrer. Als Massnahmen gegen die Hitze würden nachts und am Morgen die Zimmer gelüftet und so gekühlt. Tagsüber bleiben Fenster und Storen zum Schutz geschlossen. Darüber hinaus achte man darauf, dass die Bewohnerinnen und Bewohner nicht zu warm angezogen seien und ausreichend trinken: «Wir bieten auf den Etagen und in der Cafeteria selbst gemachten Tee an». Auch für die Mitarbeitenden stünden im neuen Personalraum Wasser und andere Getränke zur Verfügung. Die üblichen Spaziergänge wurden darüber hinaus wegen der hohen Temperaturen in den letzen Tagen abgesagt. Linderung verschaffen den Seniorinnen und Senioren ausserdem kühle und feuchte Tücher.
Glace und Fussbad statt Sport
Auch im Alterszentrum Im Grüt leidet man unter der derzeitigen Hitzewelle: «Wir merken, dass die Stimmung allgemein gestresster ist und die Nerven schneller blank liegen», verrät Zentrumsleiterin Johanna Hutzler. Sie meint damit aber das Personal, das bei den hohen Temperaturen eher ins Schwitzen gerät, als die Bewohnerinnen und Bewohner. «Dadurch, dass wir alle Fenster und Storen geschlossen halten, ist es in den Zimmern noch relativ kühl und erträglich», erzählt Hutzler. Das bestätigt Nicole Rolli, Leiterin Aktivierung: «Ich höre regelmässig: Ach, es ist doch gar nicht so heiss», lacht sie. Das hat unter anderem mit einer Neuerung zu tun: «Wir haben seit diesem Sommer auch den Altbau an die Erdsonde angeschlossen, dadurch können wir kühlen», erklärt die Zentrumsleiterin. Das bringe 5 bis 6 Grad. Die Herausforderung bestehe im Gegenteil darin, die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Mittagshitze im Haus zu halten, damit sie keinen Hitzschlag bekommen. «Das Temperaturempfinden lässt im Alter nach», so Hutzler. Das gelte gerade für Menschen mit Demenz, die gleichzeitig einen Bewegungsdrang verspürten. Auch das Durstgefühl merke man im Alter weniger. Daher achtet man Im Grüt ebenfalls darauf, dass genug getrunken wird. Kühle und feuchte Tücher aus dem Kühlschrank sind auch hier ein probates Mittel zur Abkühlung, ebenso wie das Abreiben von Armen, Beinen und Nacken mit Wasser. Für Wasserscheue verrät Nicole Rolli einen Trick: einfach das Wasser in Frischhaltesäckli füllen, so bleibt man beim Abreiben kühl und trocken. Manchmal kommt es aber auch zu einer spontanen Wasserschlacht – wie neulich. «Wir haben Waschlumpen nass gemacht und uns gegenseitig beworfen», berichtet Nicole Rolli. Bei Temperaturen ab 30 Grad sorgt sie bei der Aktivierung zusätzlich für Abkühlung, indem sie mit kaltem Wasser befüllte Beutel als Gewichte verwendet. Wenn es zu heiss ist, konzentriert sie sich ausserdem stärker auf Koordinationsübungen als auf Bewegung. Oder das Turnen fällt für einmal ganz aus und es gibt ein erfrischendes Fussbad und dazu eine Glace für alle.
Eine Klimaanlage braucht es laut Hutzler daher trotz Klimawandel in nächster Zukunft nicht: «Unsere Bewohner brauchen Temperaturen von 25 Grad, um sich wohlzufühlen, darunter ist es ihnen zu kalt.» Auch in Fislisbach ist eine Vollklimatisierung noch kein Thema: «Man muss das aber sicher beobachten», so Thomas Rohrer.
Michael Lux