Die Frühlingsausstellung in der Zähnteschüür vereint drei höchst unterschiedliche Künstler unter einem gemeinsamen Dach
Drei Künstler, drei verschiedene Techniken – und doch fügen sich die Werke von Daniel Schwarz, Heiko Hillig und Urs Becker ...
Die Frühlingsausstellung in der Zähnteschüür vereint drei höchst unterschiedliche Künstler unter einem gemeinsamen Dach
Drei Künstler, drei verschiedene Techniken – und doch fügen sich die Werke von Daniel Schwarz, Heiko Hillig und Urs Becker überraschend harmonisch zusammen. Fast, als wären sie eigens für die Ausstellung geschaffen.
Wenige Tage vor der Eröffnung: Noch gleicht die Ausstellung in der Zähntesschüür ein wenig einer Baustelle. Einige Werke hängen schon, andere lehnen an der Wand und warten auf ihre Platzierung. Daniel Schwarz, Heiko Hillig und Urs Becker stehen mitten in dem grossen, hellen Ausstellungsraum und beratschlagen, wie sie ihre Werke am besten kombinieren. Daniel Schwarz aus Effingen und Heiko Hillig aus Zofingen kannten sich schon, hatten bereits einmal eine gemeinsame Ausstellung in Frick. Und Urs Becker aus Lenzburg stand bereits lange auf der Wunschliste von Anna Schmid von der Kulturkommission Zähnteschüür, welche die Künstler nun in einer Ausstellung zusammenbringt. «Jetzt müssen wir uns irgendwie zusammenraufen», lachen die drei. Aber es klappe gut, betonen sie. Heiko Hillig verlässt sich dabei ganz auf den Blick des Künstlers: «Meine Augen sagen mir, was zusammen passt», erklärt er. Aus dem Blickwinkel des Autors wirkt das Ganze jedenfalls schon jetzt recht stimmig. In einer Ecke des Raumes, die bereits fertig dekoriert ist, sitzen beispielsweise zwei Angler aus Metall auf einer Stele, während ihnen auf dem Bild daneben ein urzeitliches, fischartiges Wesen scheinbar entgegen schwimmt. Die aus farbigen Kartonstreifen zusammengesetzten, abstrakten Werke von Heiko Hillig bilden dazu einen interessanten und farbenfrohen Kontrast. Das Besondere: Durch die spezielle Schichttechnik verändern sich Farben und Strukturen beim Vorbeigehen je nach Blickwinkel des Betrachters.
Mit Schweissgerät und Hammer
Daniel Schwarz, ursprünglich gelerner Huf- und Wagenschmid, ist als Künstler in der Region bekannt. Die Werke des Eisenplastikers aus dem Fricktal finden sich im öffentlichen Raum. So gestaltete er den «Libellen-Kreisel» in Niederrohrdorf oder den «Dinosaurier-Kreisel» in Frick. «Ich mache vorwiegend Eisenobjekte, darunter viele geschweisste oder mit dem Hammer getriebene Arbeiten», erzählt Schwarz. Darüber hinaus arbeitet er im kleineren Massstab mit Bronzeguss. Eines seiner Erkennungszeichen: Die typischen «Mandli», wie er seine kleinen aufgeschweissten Figuren nennt, welche die Ausstellung bevölkern. «Ich schneide mit dem Plasmaschneider die Form aus, das ist die Unterkonstruktion. Der Rest wird Naht für Naht aufgeschweisst», erklärt er den Entstehungsprozess.
Geheimnisvolle, archaische Wesen
Urs Becker ist studierter Jurist und war auch als Mediator und Coach tätig. In seinem Atelier in Lenzburg probiert er sich in zahlreichen Kunstformen aus. So etwa in der sogenannten «Landart», also der Kunst in der Landschaft mit in der Natur vorhandenen Materialien. Darüber hinaus malt er, arbeitet mit Metall, Holz, Recycling-Gegenständen und fertigt Skulpturen aus Marmor oder Alabaster. Quasi aus einem Abfallprodukt, nämlich aus Marmor- und Alabasterstaub, entstehen seine Kunstwerke, die er als Fotodruck in der Zähnteschüür ausstellt. Zunächst wird dabei der feine Staub auf einen farbigen Untergrund geschüttelt. «Die Figuren entstehen intuitiv, dann greife ich mit Messer oder Pinsel ein», erklärt Becker. «Archaikon» nennt er seine fischähnlichen Kreaturen. «Die Figuren werden zu Wesen, in dem Moment, in denen ich das Auge setze. Das Auge ist das Fenster zur Seele», so Becker.
Ein Frage der Sichtweise
Eine ganz eigene Technik hat auch Heiko Hillig perfektioniert, der im deutschen Halle an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Kunst und Design studierte und seit 1997 in der Schweiz lebt. Sein Ausgangsmaterial ist Wellkarton. Auf beide Seiten werden unterschiedliche Farben und Strukturen aufgetragen. Anschliessend wird der Karton mit der Bandsäge in Streifen geschnitten: «Ich sortiere die Streifen so lange, bis ein visuelles Muster entsteht», erklärt er. Ein wichtiges Element seiner Kunst ist die Bewegung. «Bewegung bringt andere Blickwinkel», erklärt er. Das gelte für das Leben allgemein, aber auch buchstäblich für seine Kunst. Denn hält man im Vorbeigehen den Blick auf die vertikal angeordneten Streifen-Bilder, ändern sie auf wundersame Weise Farbe und Struktur. Erklären lässt sich der Effekt nur schwer. Das heisst: am besten selbst hingehen und erleben.
Michael Lux
Kunstausstellung in der Zähnteschüür
Die Werke des Eisenplastikers Daniel Schwarz, des Papiergestalters Heiko Hillig und des meditativen Kunstschaffenden Urs Becker sind seit letzten Samstag und noch bis 14. März in der Zähnteschüür in Oberrohrdorf zu sehen.
Infos: zaehnteschuer.ch