Landolt: «Dauermobbing machte mich krank»
29.08.2025 TägerigMaja Landolt war während drei Jahren Hauswartin der Gemeindeliegenschaften. Ihr wurde von der Gemeinde gekündigt
Nun bricht sie ihr Schweigen. Maja Landolt geht an die Öffentlichkeit, um auf das Problem von Mobbing aufmerksam zu machen. Drei Jahre war sie als Hauswartin ...
Maja Landolt war während drei Jahren Hauswartin der Gemeindeliegenschaften. Ihr wurde von der Gemeinde gekündigt
Nun bricht sie ihr Schweigen. Maja Landolt geht an die Öffentlichkeit, um auf das Problem von Mobbing aufmerksam zu machen. Drei Jahre war sie als Hauswartin Schikanen ausgesetzt. Schlussendlich wurde ihr gekündigt. Dank Rechtsschutz erhielt sie nun eine Abfindung.
Ihre Anwältin findet klare Worte im Brief an den Gemeinderat Tägerig. Es gehe um «Mobbing» und «Rufmord». Zusätzlich sei die Kündigung ihrer Mandantin missbräuchlich. «Drei Jahre musste ich Mobbing ertragen», sagt Maja Landolt (58). Immer wieder habe sie sich an den Gemeinderat gewandt und die Situation geschildert. Genützt habe es nichts. Als sie keinen Ausweg mehr sah, schaltete sie anfangs 2024 ihren Rechtsschutz ein. «Ich habe alles probiert, damit das Mobbing aufhört. Der Rechtsschutz war die letzte Lösung.» Nach diesem Schritt sei aber alles noch schlimmer geworden. «Ich konnte nichts mehr recht machen. Man wollte mich loswerden», sagt sie.
Schicksal meinte es nicht gut mit ihr
Maja Landolt ist nicht vom Schicksal verwöhnt. Als sie noch an der Kantonsschule in Wohlen in einem 70-Prozent-Pensum arbeitete, verstarb ihr langjähriger Lebenspartner unverhofft. Sie stand von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts. Als Alleinverdienerin stand auch ihr Haus in Nesselnbach auf der Kippe. Es war für sie wie ein Wink des Himmels, als sie von einem Bekannten hörte, dass in Tägerig die Hauswartstelle bereits wieder, nach nicht mal zwei Jahren, mit einem 100-Prozent-Pensum frei wurde. «Beim Vorstellungsgespräch war der ganze Gemeinderat dabei. Ich wurde auch in Globo von ihm eingestellt», sagt sie. Nun musste sie inzwischen hören, dass sie nur von Gemeinderat Patrick Oldani eingestellt wurde. Der habe sie bevorzugt und auch ihre nicht gute Arbeit stets gedeckt. «Das stimmt nicht. Patrick Oldani war aber der einzige Gemeinderat, der die fehlbare Person auf das Mobbing ansprach», sagt sie. «Ich habe stets bei E-Mails den ganzen Gemeinderat ins CC genommen. Zuständig für die Schule sei so oder so der Gemeindeammann gewesen. Dieser habe auch die Qualifikationsgespräche jeweils mit ihr geführt. Und diese seien bis zum Zeitpunkt, wo sie ihren Rechtsschutz einschaltete, stets positiv verlaufen. Ab dann sei alles, was sie gemacht habe, nicht mehr gut genug gewesen. «Ich habe ab dann Fotos als Beweis von meiner erledigten Arbeit gemacht. Ich habe über 200», sagt Landolt. Aber auch das habe den Gemeinderat nicht interessiert», sagt sie. Fakt sei, Vereine, die Lehrpersonen und auch viele aus der Bevölkerung seien mit ihrer Arbeit stets zufrieden gewesen. Davon liegen auch schriftliche Mails vor. Angefangen mit dem Mobbing habe es bereits bei ihrem Stellenantritt. So liess ihr damaliger Stellvertreter verlauten, dass sie sowieso nur «eine Übergangslösung» sei, bis der gekündete Vorgänger wieder zurückkomme. «Es geht nicht nur um verbales Mobbing.» Es liegen viele Mails von ihrem Stellvertreter vor. Der «Reussbote» konnte einige Mails einsehen. «Meine Anwältin sagte nach der Einsicht, dass dies unter massives Mobbing gehe», sagt Landolt. Doch auch nach der Pension ihres Stellvertreters ging es mit Mobbing auf der Gemeindeverwaltung weiter.
Inzwischen Abfindung erhalten
Die Anwältin von Maja Landolt insistierte nach der Kündigung durch die Gemeinde im Juli und machte den Artikel 336 Absatz 1 im OR geltend. Darin geht es um eine nicht gerechtfertigte Kündigung. Vor kurzem erhielt Landolt nun eine Abfindung. Der Gemeinderat hält aber schriftlich fest, dass die Kündigung nicht missbräuchlich war. Sauer stösst Maja Landolt auf, dass eintraf, was ihr bereits beim Stellenantritt prophezeit wurde.
Klage wegen Verleumdung droht
Ihre Anwältin hielt in einem weiteren Schreiben fest, dass bei künftigem Rufmord gegen ihre Mandantin eine Klage wegen Verleumdung drohe. «Ich wollte nur meine Arbeit gut und in Ruhe machen», sagt Maja Landolt. Leider sei ihr dieswegen des Mobbings nicht vergönnt gewesen. «Mobbing ist psychische Gewalt.» Sie könne unzählige Beispiele nennen. So habe sie noch in Trauer um ihren Lebenspartner ein Grab mit der Schaufel ausheben müssen. Nur drei Gräber weiter ist zudem auch ein gemeinsamer Freund begraben. Als sie bei der Arbeit weinte, wurde ihr gesagt, dass sie den Job haben wollte, da müsse sie jetzt durch. In Tägerig gehört das Grabschaufeln zum Job des Hauswarts dazu. Das Fass endgültig zum Überlaufen brachte ein Vorfall wegen der Holzschnitzelheizung. Bewusst wurde ihr ein Termin vorenthalten, damit sie diesen nicht wahrnehmen konnte, sagt sie. Seit dem 17. Januar 2025 ist sie krankgeschrieben. Zu hören war, dass Landolt angeblich unter psychischen Problemen leide. Diese habe sie schon an der alten Arbeitsstelle gehabt. «Ich war bei meinem früheren Arbeitgeber zwei Wochen krankgeschrieben, weil ich nach Deutschland fuhr, um bei meinem Freund die lebenserhaltenden Maschinen abzustellen.» Trotzdem sei sie wieder zur Arbeit zurückgekehrt. Fakt sei, dass erst das Mobbing sie krank gemacht habe.
Im Juli erhielt sie trotz ihrer Krankschreibung die Kündigung. Mit 58 Jahren eine neue Stelle zu finden, sei nicht leicht. Doch dieses Mal meinte es das Schicksal gut mit Maja Landolt. Sie konnte den noch bis Ende September laufenden Vertrag mit Tägerig auflösen und eine neue Stelle antreten. Seit dem neuen Schuljahr arbeitet die gelernte Fotolaborantin nun als Hauswartin bei einer Schule in der Region.
Debora Gattlen
Anmerkung der Redaktion: Der «Reussbote» hat den Gemeinderat Tägerig, als Arbeitgeber, frühzeitig um eine Stellungnahme gebeten und einen Fragenkatalog geschickt. Bis Redaktionsschluss nahm der Gemeinderat keine Stellung. Er hat einen Rechtsanwalt in dieser Sache beauftragt. Laut Gemeindeammann Thomas Widmer besteht eine Vereinbarung mit der betroffenen Person, in der Öffentlichkeit nicht über die Vorfälle zu sprechen.