Urs Heinz Aerni, aufgewachsen in Fislisbach, ist Journalist, Literatur- agent und Kulturvermittler. Oft ist er in der Natur – auch im Reusstal – anzu- treffen, wenn er als Feldornithologe für Vereine, Firmen und andere Gruppen mit allerhand Geschichten aus der ...
Urs Heinz Aerni, aufgewachsen in Fislisbach, ist Journalist, Literatur- agent und Kulturvermittler. Oft ist er in der Natur – auch im Reusstal – anzu- treffen, wenn er als Feldornithologe für Vereine, Firmen und andere Gruppen mit allerhand Geschichten aus der Vogelwelt unterwegs ist.
Im Bus traf ich Adrian. Ich kenne ihn noch vom Zivilschutz her, ist lange her. Adrian ist ein netter Kerl, Familienvater und auf der Bank verschiebt er Millionen. Wir plauderten. Über die Welt, die Medien und Bücher. Er gesteht, dass er sich nur über Apps informiert und keine Bücher liest. Er sei ein Filmfreak aber im gleichen Atemzug gibt er zu, dass dies natürlich kein Ersatz fürs Lesen sei. «Aber was tun?» fragt er. Der Schriftsteller Martin Suter sagte mir mal bei einem Treffen, dass junge Leute heute noch lesen, einfach anders, digital. Nun, gehe ich durch die Reihen im Zug mit schielendem Blick auf die Smartphones, dann sehe ich Filmchen, Video-Clips und Games – natürlich gibts Ausnahmen, doch es fällt auf, wenn ein Mensch einen längeren Text liest – digital oder gedruckt.
Studien bestätigen die Zunahme des funktionalen Analphabetismus. Damit ist die schwindende Kompetenz gemeint, die für das Lesen von Texten gemeint ist, was die Bewältigung des Alltags mit Ausfüllen von Formularen oder das Lesen von Korrespondenzen, Anleitungen und Informationen erschwert. Der Begriff «Illettrismus» wird für Menschen verwendet, die zwar lesen und schreiben können, aber zu wenig ausreichend für eine gesellschaftliche Teilhabe, was immer mehr zu einem Problem wird. Sie sind nicht mehr in der Lage, komplexe Sachverhalte oder Probleme in Worte zu fassen oder schriftliche Analysen und Dokumentationen zu verstehen. Dadurch wird die Ungeduld und ein Aktionismus gefördert, was das Verstehen und Verständnis erodieren lässt.
Zurück zu Adrian. Er sagte, dass er eigentlich wieder gerne Bücher lesen würde, es fehle ihm einfach die Motivation.
Falls es Ihnen ähnlich ergehen sollte, schlage ich vor, dass wir diese Kolumne in einen Gutschein umwandeln, den Sie hier ausschneiden und in die nächste Buchhandlung oder Bibliothek mitbringen können:
GUTSCHEIN ZUM AUSSCHNEIDEN
Liebe Buchhändlerin, liebe Bibliothekarin,
Geben Sie dieser Person ein Buch, das die Lust des Lesens entflammt oder wiedererweckt. Es soll süchtig machen und bewirken, dass die Dame oder der Herr wiederkommt und gierig ruft: «Ich will mehr!»