Annetta Schuppisser ist in Tägerig aufgewachsen, Grossrätin und wohnt in Baden. Sie hat Masterstudiengänge in International Law & Management in St. Gallen absolviert und arbeitet im Finanzwesen. In ihrer Freizeit segelt sie leiden- schaftlich gern.
Alles geht ...
Annetta Schuppisser ist in Tägerig aufgewachsen, Grossrätin und wohnt in Baden. Sie hat Masterstudiengänge in International Law & Management in St. Gallen absolviert und arbeitet im Finanzwesen. In ihrer Freizeit segelt sie leiden- schaftlich gern.
Alles geht schneller, und trotzdem fehlt uns die Zeit. Das liegt nicht an der Technologie. Es liegt daran, dass wir zu wenig gelernt haben, mit ihr umzugehen.
Als Grossrätin beschäftige ich mich seit langem mit Bildungsfragen. Lange ging es dabei vor allem um Infrastruktur: Geräte für die Schulzimmer, stabiles Internet, Budgets für Software. Das war richtig und auch dringend nötig. Aber ich merke zunehmend, dass wir eine Frage zu wenig stellen: Können die Menschen mit all dem auch klug umgehen?
Wir arbeiten heute schneller als je zuvor, und gleichzeitig wird vieles flacher. Wir überfliegen, leiten weiter, haken ab. Die gewonnene Zeit verschwindet in der nächsten Aufgabe. Ich nehme mich da selbst nicht aus.
Die künstliche Intelligenz (KI) verstärkt diese Entwicklung, im Guten wie im Schlechten. Sie kann Lehrpersonen entlasten, Lernende individuell fördern und Wissen zugänglicher machen. Darin liegt die grosse Chance dieser Revolution. Aber ein Werkzeug ist nur so gut wie die Hand, die es führt. Wer nicht gelernt hat, Ergebnisse zu hinterfragen, übernimmt sie einfach.
Genau hier sehe ich den Auftrag für die Bildungspolitik. Wir brauchen Unterricht, in dem junge Menschen lernen, gute Fragen zu stellen, Antworten zu prüfen und Quellen zu vergleichen. In dem es selbstverständlich ist, auch einmal zu sagen: Das überzeugt mich nicht. Diese Haltung stärkt die Technologie langfristig. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir das volle Potenzial ausschöpfen können.
Und es betrifft nicht nur die Volksschule. Auch Berufsbildung, Verwaltung und Erwachsenenbildung brauchen Angebote, die Menschen im Umgang mit KI begleiten. Nicht als einmalige Pflichtschulung, sondern kontinuierlich. Vor allem aber brauchen die Lehrpersonen selbst Zeit und Weiterbildung, um diese Kompetenz weiterzugeben. Heute geschieht das noch zu oft aus eigenem Antrieb und neben dem regulären Pensum.
Wir haben jetzt die Wahl, ob wir dem Tempo hinterherlaufen oder es gestalten. Wir sollten es gestalten: mit KI-Kompetenz als Teil der Grundbildung, so selbstverständlich wie Lesen und Rechnen.
Die Technologie wird nicht langsamer. Umso wichtiger ist, dass wir lernen, im richtigen Moment bewusst innezuhalten.