Mellingen: Fortsetzung von der Titelseite «Grünes Licht für Strassen-Aufwertung». Mehr zur Diskussion an der Sommer-Gemeindeversammlung Die Gmeind Mellingen fand in der Aula Kleine Kreuzzelg statt – dank gemieteten Klimageräten bei angenehmen Temperaturen. ...
Mellingen: Fortsetzung von der Titelseite «Grünes Licht für Strassen-Aufwertung». Mehr zur Diskussion an der Sommer-Gemeindeversammlung Die Gmeind Mellingen fand in der Aula Kleine Kreuzzelg statt – dank gemieteten Klimageräten bei angenehmen Temperaturen. Dafür wurde umso hitziger diskutiert. Das brisante Thema war die Neugestaltung der früheren Verkehrsachsen Birrfeld- und Lenzburgerstrasse, die seit der Eröffnung der Umfahrung 2022 ihre Funktion als Kantonsstrassen verloren haben. Der Stadtrat beantragte einen Verpflichtungskredit über 6,74 Millionen Franken für die Aufwertung des Abschnittes Birrfeldstrasse bis Lindenplatz sowie einen weiteren von 3,31 Millionen Franken für die Aufwertung der Lenzburgerstrasse. Wie Stadtrat Martin Huber erklärte, wurde die Vorlage zweigeteilt, damit wenigstens ein Projekt bereits realisiert werden könnte.
Sanierung, Verkehrsberuhigung
Die Strassen sollen, auch im Hinblick auf die geplante Wohn-Überbauung an der Birrfeldstrasse und weitere Neubauten im Gebiet, vollständig erneuert werden. Die Fahrbahn wird verschmälert, um Platz für durchgehende Trottoirs und Grünstreifen mit einer Baumallee zu schaffen. «Man wird dereinst im Schatten vom Coop zum Stadttor laufen können», sagte Martin Huber, der sich für das Projekt ins Zeug legte. «Die FDP ist zwar für die Aufwertung der Strassen», betonte Martin Rubi. Er warnte aber vor einer steigenden Verschuldung. Diese werde in den nächsten Jahren wegen der vielen anstehenden Projekte auf über 5000 Franken steigen. «Mellingen wird damit die höchstverschuldete Gemeinde im Kanton», malte er den Teufel an die Wand. Es gehe auch günstiger. Er brachte ein Beispiel aus Bellikon, wo vor zwei Jahren 1,4 Kilometer Strasse für 6,8 Millionen Franken erneuert worden seien. «In Mellingen gibt man für 800 Meter über 10 Millionen Franken aus.» Rubi stellte einen Rückweisungsantrag. Stadtpräsidentin Györgyi Schaeffer erklärte, man müsse investieren. An der Birrfeldstrasse seien Wohnungen für 700 neue Einwohnerinnen und Einwohner geplant. Simon Wildhaber kritisierte die Verengung der Strasse und die Verpflichtung, Bäume zu pflanzen. Man solle nur die Strasse renovieren und sich aufs Nötigste beschränken. Rolf Hirsiger erklärte, er habe sich für die Umfahrung stark gemacht. «Es ist ein grosser Betrag für die Aufwertung, aber den sollte sich Mellingen leisten.» Hirsiger kritisierte aber die Lastwagenfahrten durchs Zentrum. Laut Stadtrat wird ein Lastwagenverbot diskutiert. Eine Bewohnerin des Gheid-Quartiers äusserte die Befürchtung, dass das langsame Tempo im Zentrum und wenig Parkplätze «wohl verdienende Menschen» und Firmen abschrecken könnte, nach Melingen zu ziehen. Ausserdem staue sich der Verkehr auf der Bremgartenstrasse. Der Verkehr im Gheid-Quartier nehme immer mehr zu. «Da gebe ich Ihnen Recht», sagte Martin Huber. Ein neuer Kreisel beim Gheid müsse kommen. Eine Bewohnerin des Neugrüen-Quartiers meinte, es sei «lächerlich», über neue Bäume zu diskutieren. Der Lindenplatz sei kein sicherer Ort für Kinder. Dies habe der Vorfall mit dem obdachlosen Mann kürzlich gezeigt. Ein anderer Stimmberechtigter sorgte sich um die finanzielle Sicherheit. «Könnte man es nicht kostengünstiger haben?», fragte er. Stadtpräsidentin Györgyi Schaeffer fragte zurück, wo man denn sparen soll. Daraufhin warf der ehemalige SVP-Stadtrat Roger Fessler ein, das sei nicht das Thema: «Wir stimmen übers Geld ab, nicht übers Projekt.» Schaeffer warnte davor, das Projekt zu «kastrieren». Altammann Paul Zürcher machte den Anwesenden Mut, Ja zu sagen. «Wir haben es immer geschafft und auch eine Dreifachturnhalle für 12 Millionen Franken realisiert.» Mirjam Jakob wollte wissen, ob das 2023 zurückgezogene Projekt Bahnhofstrasse zurückgestellt sei. Györgyi Schaeffer erklärte, bei Birrfeld- und Lenzburgerstrasse könne die Gemeinde allein planen. Bei der Bahnhofstrasse sei der Kanton involviert. Ein Projekt liege seit April vor. «Wir wollten sie nicht gleich mit drei Projekten überrollen», so die Stadtpräsidentin. An der Winter-Gmeind werde die Bahnhofstrasse ein Thema.
Zwei Drittel stimmten Ja
Nach dieser Meinungsbildung stimmten die Mellingerinnen und Mellinger ab. Zuerst lehnten sie zwei Rückweisungsanträge der FDP ab. Dann stimmten sie beiden Krediten, Birrfeldstrasse und Lenzburgerstrasse, mit dem selben Resultat zu, 79 Ja- zu 31 Nein-Stimmen. Applaus im Saal.
Marc Benedetti