Mellinger tauscht Altstadthaus gegen Durian-Farm
06.11.2026 MellingenMellingen: Die Liegenschaft an der Hauptgasse 2 ist verkauft. Eigentümer Hans Peter Küng baut sich in Thailand eine neue Existenz auf
Am Donnerstag liess Hans Peter Küng seine Heimat hinter sich. Er wanderte mit seiner Frau Yupa Küng und seinen zwei Katzen nach ...
Mellingen: Die Liegenschaft an der Hauptgasse 2 ist verkauft. Eigentümer Hans Peter Küng baut sich in Thailand eine neue Existenz auf
Am Donnerstag liess Hans Peter Küng seine Heimat hinter sich. Er wanderte mit seiner Frau Yupa Küng und seinen zwei Katzen nach Thailand aus. Dort wird das Paar eine Durian-Farm betreiben und einfach das Leben geniessen.
Die Liegenschaft war seit dem Mai zum Verkauf ausgeschrieben. Letzte Woche wurde nun der Verkaufsvertrag unterschrieben. Käuferin ist die MLL Group AG. Die Inhaber Mentor und Marjan Lleshaj freuen sich, dass sie den Zuschlag bekamen. «Seit drei Wochen wissen wir, dass der Verkauf zustande kommt», sagt Marjan Lleshaj. Das Brüderpaar kaufte bereits vor fünf Jahren das Brüggerhaus an der Bruggerstrasse. Sie betreiben dort auch ein Büro der Firma. «Wir sind auf Altstadthäuser spezialisiert», sagen sie. Neben ihrer Rolle als Investoren sind sie auch in der Generalunternehmung, Bewirtschaftung und Vermarktung von Liegenschaften tätig. Die Liegenschaft an der Hauptgasse 2 wird nicht weiterverkauft. «Wir wollen die Liegenschaft langfristig behalten. Sie wurde vom Vorbesitzer Hans Peter Küng gut unterhalten und alle Mietverträge wurden übernommen», erklären sie. Dazu gehören Viva Pizza im Parterre, die Bar Harlekin in der ersten Etage, zwei 3 1/2-Zimmer-Wohnungen in der zweiten Etage und zuoberst die Maisonettewohnung von Verkäufer Hans Peter Küng. «Ich flog im Mai bereits nach Thailand. Verkäuferin Beatrice Huwiler bereitete vor Ort alles für einen Verkauf vor», sagt er. Vor drei Wochen kam Küng von Thailand zurück, um noch den Rest zu räumen und das letzte Auto zu verkaufen. «Ich kam nicht für den Verkauf nach Mellingen.» Nach der Landung erreichte ihn der Anruf, dass Mentor und Marjan Lleshaj am Kauf der Liegenschaft interessiert sind. Und dann ging es schnell. «Wir verabredeten uns für den Tag darauf. Wir haben uns gefunden und konnten bereits zwei Wochen später den Vertrag unterschreiben», sagt Marjan Lleshaj. Küng fügt an: «Ich entschied mich für einen Verkauf und nicht für eine Verwaltung der Liegenschaft, da ich mit meiner Frau nach Thailand auswandere und wir dort bereits eine neue Existenz aufgebaut haben. Ich bin froh, dass Mentor und Marjan Lleshaj die Liegenschaft kauften und sie so in guten Händen ist.» Mentor Lleshaj meint: «Die Liegenschaft wurde gut unterhalten. Wir werden später die Fassade renovieren.»
Auswanderung musste warten
Hans Peter Küng wohnte bis zu seinem Abflug am Donnerstag vor einer Woche auf dem Camping in Sulz bei Freunden. Die Familie besass lange Zeit dort einen Stellplatz, dieser wurde aber bereits vor einem Jahr aufgegeben. «Ich freue mich auf die neue Aufgabe in Thailand», sagt Hans Peter Küng. Die Idee, nach Thailand auszuwandern, hege er schon lange. So ging Küng seit langer Zeit drei Mal im Jahr nach Thailand in die Ferien. Seine Frau Yupa ist zwar gebürtige Thailänderin, er lernte sie aber in der Schweiz kennen. «Ich habe sie an der Fasnacht in Mellingen kennengerlernt. Obwohl der Plan mit der Auswanderung feststand, beschloss das Paar auch nach der Frühpension von Küng (Er war After Sales Verkaufsleiter bei Siemens) zuzuwarten. Gattin Yupa war vor neun Jahren als Geschäftsführerin bei einer Bäckerei tätig. Dieses Jahr ging nun der Traum mit der Auswanderung in Erfüllung. Wer aber denkt, dass die beiden Mellingen gegen Strand und Sonne austauschen und dem «Dolce far niente» frönen, täuscht sich. «Wir werden eine Durianbaum-Farm betreiben», führt Küng aus. Bereits wurde die Farm in Klaeng (Provinz Rayong) gekauft. «Wir mussten dafür viele Hürden mit Behörden und Formalitäten überwinden», sagt er. Das Gelände umfasst 200 Durian-Bäume. Sie tragen kokosnussgrosse Früchte. «Wir werden dafür Erntehelfer engagieren. Die schneiden die Früchte in der Baumkrone ab. Unten werden sie mit einem Jutesack aufgefangen.» Nächstes Jahr sollen auf diese Weise auf ihrer Plantage fünf Tonnen Früchte geerntet werden. Die stacheligen Früchte werden vor allem in China und Thailand verzehrt. Daher soll der Löwenanteil der Ernte nach China exportiert werden. Im Juli wurde auf dem Gelände ein Farmgebäude für die Lagerung und die Geräte gebaut. «Durian-Früchte werden auch Götterfrüchte genannt. Da meine Frau sehr religiös ist, passt die Frucht zu ihr», so Küng. Auch Elefanten sind in Thailand heilig. «Meine Frau unterstützt seit langer Zeit eine Familie mit einem Elefantenbullen. Wir gehen ihn oft besuchen und bringen ihm jeweils frisches Gemüse und Obst als Geschenke vorbei.»
Wohnhaus ist nahe vom Meer
Das Paar selbst wohnt 20 Minuten von der Plantage und zwei Kilometer vom Meer entfernt in einem chinesischen Bungalow. Dieser wird noch nach den Wünschen von Hans Peter und Yupa Küng mit neuen Fenstern, Klimaanlagen und Pool umgebaut. Im Garten wachsen Bananenpalmen, Mango- und Feigenbäume. «Ich liebe Früchte», so Küng.
Bis Ende Jahr leben die Küngs daher in einem gemieteten Haus. Mit dem Paar ausgewandert sind ihre beiden Katzen. Inzwischen sind noch fünf Strassenhunde dazugekommen. «Sobald das Haus fertig ist und wir dort einziehen, wird es für uns wieder ruhiger werden», so Hans Peter Küng. An seiner neuen Heimat gefällt Küng, dass die Gegend wenig Touristen hat – der Strand ist fast menschenleer. «Am Strand gibt es Fischrestaurants. Von dort kann man atemberaubende Sonnenuntergänge sehen», schwärmt er. Wann er wieder in die Schweiz komme, wisse er noch nicht. Vielleicht mache er nächstes Jahr auf dem Camping in Sulz wieder Ferien, garantieren könne er das aber nicht. Langweilig werde es ihm sicherlich in seiner neuen Heimat nicht. Küng will dort auch seinem Hobby, dem Motorradfahren mehr frönen. Er ist bereits Mitglied beim Bike-Club «Wolfmen MC Thailand». «Der Club hat 150 Mitglieder», sagt er. Im Februar steht eine einwöchige Biketour an. Gestartet wird in Pattaya. Küng wird mit einer Harley teilnehmen, die er sich zu Weihnachten gönnen wird.
Debora Gattlen
Cafe Küng Liegenschaft
Die Liegenschaft an der Hauptgasse 2 war 60 Jahre in Familienbesitz. Hans Peter Küng ist dort aufgewachsen und bis auf kurze Unterbrüche wohnte er dort. Seine Eltern Agnes und Hans Küng führten an gleicher Adresse das Cafe Küng, die Bäckerei/Konditorei befand sich im ersten Stock. Diese war sehr beliebt. Weit herum waren die Zöpfe und Meitschibei von Hans Küng bekannt. «Mein Vater war auch Mitglied bei der Mellinger Karnemellipser-Zunft. Dort trug er wegen seiner weit herum bekannten Zöpfe den Namen «Hans de Zöpfige». «Ich habe oft als Kind in der Backstube mitgeholfen», erinnert sich Hans Peter Küng. Nach 1988 wurde das Cafe und die Bäckerei aufgegeben. Agnes Küng betrieb bis im Alter von 75 Jahren im Parterre einen Denner-Satellit (von 1990 - 1998). Später wurde der Laden an die Lenzburgerstrasse 50 verlegt, die Ladenführung bereits davor an Dora Riesen übergeben. (dg)





