Mit ihrer Idee kommt der Laden quasi ins Haus
02.10.2026 Oberrohrdorf-StaretschwilOberrohrdorf: Während der temporären Volg-Schliessung organisieren Schülerinnen einen Einkaufsdienst und unterstützen so ältere Menschen
Noch bis am Freitag, 23. Oktober, bleibt der Volg in Oberrohrdorf geschlossen. Nun wollen vier Schülerinnen ...
Oberrohrdorf: Während der temporären Volg-Schliessung organisieren Schülerinnen einen Einkaufsdienst und unterstützen so ältere Menschen
Noch bis am Freitag, 23. Oktober, bleibt der Volg in Oberrohrdorf geschlossen. Nun wollen vier Schülerinnen einspringen und für Menschen, die weniger mobil sind, einkaufen.
Der einzige Laden in Oberrohrdorf ist seit Anfang Woche geschlossen. Darüber wurden die Oberrohrdorferinnen und Oberrohrdorfer zwei Wochen vor der temporären Schliessung informiert («Reussbote» 25. September). Der Laden, in welchem sich auch eine Metzgertheke und die Post-Vertretung befinden, wird in rund drei Wochen, am 23. Oktober, wieder öffnen – dann sollten die lärmintensiven Sanierungsarbeiten in der Liegenschaft abgeschlossen sein. Einige drückten in den sozialen Medien deswegen ihr Bedauern aus, andere ihre Empörung. Zum Beispiel der Oberrohrdorfer Ernst Baumann. Er lebt seit rund 30 Jahren in der Gemeinde und erledigt seine Einkäufe regelmässig im Volg. «Am liebsten zu Fuss», sagt er. Baumann ist im Besitz eines Autos und könnte in Lebensmittelgeschäfte in den Nachbargemeinden ausweichen. Der Rentner sorgt sich aber um Menschen, die weniger mobil sind. Er hätte sich ein Provisorium gewünscht, in welchem die betroffene Bevölkerung alles Lebensnotwendige einkaufen kann. «Etwas Ähnliches wie der frühere Migros-Wagen oder ein Container-Provisorium auf einem freien Platz», erklärt er.
Auf Anfrage heisst es dazu bei der Landi Freiamt: «Wir richten solche Provisorien ein, wenn eine Bauphase 1,5 bis 2 Jahre dauert. Ein provisorisches Verkaufslokal muss über die ganze Infrastruktur verfügen. Nötig sind Anschlüsse an Strom und Wasser sowie auch Sicherheitsvorkehrungen. Dieser Aufwand ist sogar über eine längere Zeit kaum rentabel, geschweige denn für drei Wochen.» Sie würden alles tun, um die Bauphase kurz zu halten, betont Roman Villiger, Bereichsleiter Detailhandel im Volg. «Um die Betroffenen tut es uns leid.»
Sie bieten einen Einkaufsdienst an
Bis zum Freitag, 23. Oktober, sind alternative Lösungen gefragt. Eine der Problemlöserinnen ist Delia Ponte. Die 12-jährige Schülerin wohnt in der Nähe des Volgs und sah, dass das Geschäft fast einen Monat lang schliessen wird. «Das fand ich blöd, weil ich den Volg liebe», meint sie. Sie dachte zudem an die vielen Menschen, die hier einkaufen und überlegte sich, wie sie wohl von der Schliessung betroffen sind. «Wir haben das Glück, mit dem Auto einkaufen zu gehen.» Das können aber nicht alle. Delia Ponte entwarf deshalb einen Flyer. «Mit Hilfe von KI», erklärt sie. Sie habe der künstlichen Intelligenz alle nötigen Informationen gegeben und konnte schliesslich einen aussagekräftigen Flyer auf Fotopapier drucken lassen. Diesen hängte sie beim Volg und bei den Alterswohnungen auf. Ihre Mutter Nicole Ponte stellte den Flyer in eine Oberrohrdorfer Facebookgruppe. Dort wurde er nicht nur geteilt, er wurde auch kommentiert. Es gab viel Lob – «super Idee!» oder «gut gemacht, viel Erfolg!». Es kamen aber auch Bedenken sicherheitstechnischer Art. Mama Nicole Ponte sagt indes, das Engagement ihrer Tochter sei durchdacht: «Wir haben das mit ihr besprochen.» Einen ersten Auftrag konnte die Schülerin bereits ausführen. «Die Einkaufsliste wurde mir telefonisch mitgeteilt, danach fuhr ich mit dem Trottinett nach Niederrohrdorf und erledigte den Einkauf.» Die Tasche sei nicht allzu schwer gewesen. Übergeben habe sie sie gemeinsam mit einem Erwachsenen: Ihr älterer Bruder, ihre Mutter oder ihr Vater begleiten sie jeweils zu den Auftraggebenden. «Uns ist wichtig, dass jemand dabei ist, wenn Delia den Einkauf überreicht», betont Nicole Ponte. – Nächste Woche ist Delia Ponte allerdings im Trainingslager.
Ab dem 10. Oktober im Einsatz
Dieselbe Idee hatten auch die Primarschülerinnen Solina, Melissa und Julie, als sie hörten, dass der Volg für einen Monat schliessen wird. Die drei Freundinnen unternehmen in ihrer Freizeit viel gemeinsam, schreiben alle für die Oberrohrdorfer Schülerzeitung. Auch sie kreierten und druckten einen Flyer, den sie bem Volg aufhängten. «Dort sieht man ihn wegen der Baustelle aber wohl nicht mehr», gibt Melissa Jost zu bedenken. Die Schülerinnen verteilen ihre Flyer zusätzlich in die Briefkästen der Alterswohnungen, wollen sie im Gemeindehaus deponieren und beim Klemmbrett des Thai-Take-Away im Dorfzentrum aufhängen.
Weil aktuell aber Schulferien sind und auch die drei Mädchen von der Schliessung des Volgs überrascht wurden, beginnt ihr Einkaufsdienst ohnehin erst ab dem 10. Oktober. Dann sind alle drei wieder zu Hause. «Wir möchten die Aufträge gemeinsam oder mindestens zu zweit erledigen», erklären sie. Solina Urech ist zuversichtlich, dass sie Zeit finden neben Schule und diversen Hobbys, auch wenn dafür ein bisschen Koordination und Organisation nötig sein wird: «Wir sprechen uns ab, wenn ein Auftrag kommt.»
Die Schülerinnen werden mit dem Velo auf Nebenstrassen unterwegs sein, auf dem Rücken einen Rucksack. Sie kaufen in Niederrohrdorf ein und liefern danach Milch oder Brot, Gurken oder Schokolade an der Haustüre jener Menschen ab, die sie um Unterstützung gebeten haben. «Vielleicht melden sich nicht so viele Leute», überlegen Melissa Jost und Solina Urech. Den drei Mädchen geht es aber auch ums Ausprobieren und Erfahrungen sammeln, was ihre Eltern durchaus unterstützen.
Heidi Hess


