Monique zündet die zweite Karrierestufe
27.02.2026 Stetten«Hier fühle ich mich sehr, sehr wohl, von Stetten will ich nie mehr weg», sagt der Schlagerstar, der am Dorffest das Publikum begeisterte
Nach dem Sieg beim Grand Prix der Volksmusik 1999 war Monique Hürner ein Star am Schlagerfirmament. Was hat das mit der Bernerin ...
«Hier fühle ich mich sehr, sehr wohl, von Stetten will ich nie mehr weg», sagt der Schlagerstar, der am Dorffest das Publikum begeisterte
Nach dem Sieg beim Grand Prix der Volksmusik 1999 war Monique Hürner ein Star am Schlagerfirmament. Was hat das mit der Bernerin gemacht? Der «Reussbote» hat die Künstlerin an ihrem Wohnort besucht.
Die Reise zu Monique führt nach Stetten. An der Haustüre der hanggelegenen Überbauung findet man ein Schild mit den Namen M. Kistler und D. Kopp, – Monique, geborene Hürner, hat den Nachnamen Kistler aus ihrer geschiedenen Ehe behalten. Es geht mit dem Lift ganz nach oben und dann hinein in einen hellen, lichtdurchfluteten Wohnraum. Grosse Fensterfront und weitläufige Veranda, der Blick nach Süden offenbart eine prächtige Reusslandschaft mit Alpenpanorama im Hintergrund. Wow, wie schön das hier ist!
Im Foyer steht eine Vitrine mit vielen Auszeichnungen, zwei stechen heraus: Der Kristall für den Sieg beim GP der Volksmusik und der «Prix Walo», den Monique 2011 für die Wahl zum Publikumsliebling verliehen bekommen hat. Und dann ist da neben dem Sofa auch noch Donald Duck, lässig aufgestützt auf einem weitgereisten Koffer, den Schnabel zu einem breiten, herausfordernden Lächeln geformt. «Ein Glücksbringer von meinem Vater», sagt Monique.
Rückblende I: Die Erinnerungen an die TV-Bilder beim Auftritt von Monique am Grand Prix der Volksmusik vor bald 27 Jahren sind hellwach: Junge Frau (22) im beige/braunen Dirndl, blondes, schulterlanges Haar, dezente Föhnfrisur, mitreissender Song, der zum Mitwippen animiert. Monique performt das Lied «Einmal so, einmal so» mit einer ansteckenden Fröhlichkeit, der man sich nicht entziehen kann. Allen, die live dabei waren, ob im Saal in Erfurt (D) oder zuhause vor dem Fernseher, dürfte klar gewesen sein: Das gibt eine Spitzenklassierung. So war es denn auch. Moniques damaliger Chef Rolf Lerf hatte es prophezeit: «Du kannst dein Pult räumen», hat er seiner Mitarbeiterin noch mit auf den Weg gegeben, als diese drei Ferientage eingab, um am GP teilnehmen zu können. «Ich wollte am Montag zurück an meinem Arbeitsplatz sein und dachte nicht im Traum daran zu kündigen», erinnert sich die damalige Büroangestellte Monique Hürner. Singen war eigentlich nur ein Hobby von ihr. «Nein, du wirst gewinnen und dann keine Zeit mehr haben, hier bei uns zu arbeiten», insistierte der Firmeninhaber. «Tja, der Chef hat eben immer recht», scherzt Monique in Anspielung auf ihren damaligen Boss, mit dem sie bis heute befreundet ist.
Tatsächlich. Dieser Erfolg glich einem Katapultstart ins mediale Rampenlicht. Was folgte waren Termine ohne Ende – Radio, Print, Fernsehen, alle wollten die sympathische Bernerin vor dem Mikrofon und vor der Kamera haben. Geschlagene 14 Tage lang war Monique direkt nach dem GP-Sieg im deutschsprachigen Raum unterwegs, gab Interviews, hatte TV-Auftritte unter andern mit Carmen Nebel, und war in Zeitungsredaktionen zu Gast. «Ich hatte nicht einmal mehr die Zeit, mir den Grand Prix in Ruhe anzusehen.» Monique, der volkstümliche Schlagerstar aus der Schweiz, das hätte sich das kleine Mädchen von damals nie träumen lassen, obwohl Musik früh eine Rolle in ihrem Leben gespielt hat. Rückblende II: Aufgewachsen ist Monique (Jahrgang 1977) wohlbehütet im Stadtberner Quartier Breitenrein. Sie spricht von einer glücklichen Kindheit, mit einer um acht Jahre älteren Schwester und Eltern, die ihren beiden Töchtern viel Freiraum gewährt hätten. «Meine Schwester Franziska ist vom Charakter her eher der ruhige Typ, es bravs Meitschi, ich war das pure Gegenteil», lacht Monique. Der Ausdruck Wirbelwind fällt.
Moniques Vater Ernst Hürner hat in der Stadt ein Fachgeschäft für die Gravur von Sportpreisen und Pokalen geführt. Ausserdem hatte der Shop die exklusiven Verkaufsrechte für Disney-Original-Figuren: Mickey Mouse, Goofy, Pluto, Daisy und eben auch Donald Duck. Irgendwann sei die Migros auf den Disney-Zug aufgesprungen, nicht zum Vorteil des in Bern gut verankerten Geschäftes von Ernst «Hübe» Hürner. Geblieben ist Monique die lustige Ente mit dem symbolträchtigen Reisekoffer. Er ist eine emotionale Erinnerung an ihren Vater, der 2015 gestorben ist. Monique sagt von ihrem Vätu liebevoll, er sei immer ein Kind im Manne gewesen.
Benzin im Blut
Geblieben sind auch die schönen Erinnerungen an die Zeit, als Moniques Eltern in der Automobilsportszene aktiv waren. Als Langstreckenkommissar zog es den Vater dorthin, wo Motoren aufheulten und wo es nach verbranntem Gummi roch: Die Bergklassiker Gurnigel, St-Ursanne, Hemberg, aber auch die 24 Stunden von Hockenheim, – «mein Vater war überall involviert.» Alles, was in der Rennsportszene Rang und Namen hatte, gehörte zu seinen Bekannten, darunter auch der berühmte Formel-1-Pilot Joe Siffert. An ihn erinnert sich Monique nur vage. Dafür umso mehr an die tollkühnen Fahrten in den Seifenkisten, die Papa Hürner seinen Töchtern gebaut hat. Als Siebenjährige habe sie in Hockenheim sogar mal am Steuer eines Langstreckenboliden gesessen. «Wir haben so viel Spass gehabt, unglaublich, was wir alles erleben durften», blickt Monique auf ihre Kindheit zurück. Vieles davon wäre heute undenkbar.
Stichwort undenkbar: Monique hätte gerne eine Lehre in der Automobilbranche gemacht. Gute Bekannte der Hürners hatten in Gümligen einen Garagenbetrieb, dort durfte sie in ihrer Freizeit oft aushelfen, Autos reinigen, «usesuuge und omeschrübele – das habe ich mega gerne gemacht.» Der Vater war in diesem Punkt allerdings konservativ unterwegs und hat sein Veto eingelegt: «Automech, das esch kei Bruef för es Modi.»
Lauschen vor Nachbars Türe
Zur Musik ist Monique via ihren Nachbarn im Mehrfamilienhaus gekommen. Der habe Schwyzerörgeli gespielt. «Ich habe mich jeweils vor seine Haustüre gesetzt und ihm dabei zugehört.» Der Wunsch kam auf, dieses Instrument zu lernen. Die Meinung der Eltern: Abwarten und sehen, ob der Wunsch in einem Jahr auch noch da ist, oder ob es sich nur um einen Furz ihrer damals sechsjährigen Tochter handelt. Das Bedürfnis, Schwyzerörgeli zu lernen, blieb und so durfte Monique dann auch Unterricht nehmen, zuerst mit dem normalen Akkordeon, später mit der kleinen, typischen Schweizer Version dieses Instruments. Bald hat Monique angefangen, eigene Liedli zu komponieren und mit einem Kassettenrekorder aufzunehmen. Sie erinnert sich an ein Lied mit dem Titel «Em Röseligarte beni scho gsi». Es nimmt Bezug auf die in der Nähe des Wohnortes gelegene Parkanlage namens Rosengarten. «Kannst du es noch singen?», will die Journalistin wissen. Monique lacht, «nein, aber irgendwo bei der Mutter lässt sich die Kassette mit der Aufnahme vielleicht noch finden.»
Ein wichtiges Puzzleteil in Moniques Biografie auf dem Weg zum Musikstar war ein Keyboard, das sie von ihrer Schwester zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. «Nur so ein kleines, aber ich konnte damit die Musik bekannter Hits abspielen und live dazu singen, «Liebeskummer lohnt sich nicht», «Hello Mary Lou», «Country Roads», und so weiter. Vater Ernst, der auch Ausstellungen für Oldtimer-Rennwagen organisiert hat, ermunterte seine Tochter, die Besucherinnen und Besucher dieser Events musikalisch zu begrüssen – es waren die ersten öffentlichen Auftritte von Monique, die damals langsam ins Teenageralter kam. Moniques musikalische Frühfährte führte sie unter anderem zur Guggenmusik Aaregusler, wo sie als begeisterte Fasnächtlerin im buchstäblichen Sinn auf die Pauke haute.
Eine Anekdote aus jener Zeit: Eines Tages meldete sich der Ländlerkönig Carlo Brunner mit der Anfrage bei ihr, ob sie für ihn am Grand Prix der Volksmusik mitmachen wolle. Er hat ihr die postale Zustellung einer Kassette in Aussicht gestellt. Darauf zu hören war das Lied, das Monique für ihn singen sollte. «Ich habe zuerst an einen Scherz geglaubt», sagt Monique. Weil der Anruf zur Fasnachtszeit kam, standen ihre Guggenmusik-Gspändli unter General-Verdacht. «Ich habe jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und jeden Blick auf irgend etwas Verräterisches überprüft.» Als dann aber tatsächlich eine Kassette im Briefkasten lag, war klar, es gilt ernst. Das war 1997, das Lied hatte den Titel «Die kleinen Wunder dieser Welt».
Obwohl Monique mit ihrem Auftritt noch nicht in die vorderen Ränge kam, glaubte Carlo Brunner an ihr Talent und schickte sie ein Jahr später erneut ins Rennen, dieses Mal mit dem Titel «Ich möchte nochmal dein Lachen sehen». Erneut hat es nicht funktioniert, was Monique nicht weiter störte. Die KV-Abschlussprüfung stand vor der Türe und die hatte Priorität. Weil bekanntlich aller guten Dinge drei sind, folgte 1999 die dritte Teilnahme, jetzt mit dem Sieger-Titel. Die Hartnäckigkeit hat sich ausbezahlt.
Verliebt in Stetten
Berner Wurzeln, Vergangenheit in der March im Kanton Schwyz und seit 2017 Wohnsitz in Stetten: Monique schwärmt von ihrem neuen Daheim, «hier fühle ich mich wohl, hier ist mein Zuhause, Aargau hin oder her!». Nie hätte sie sich träumen lassen, einmal in diesem Kanton zu leben, den sie zuvor «nur» als Durchfahrtskanton auf dem Weg von Bern nach Zürich wahrgenommen hatte. Sie lacht und zeigt auf ihre weissen Socken. Der Aargau sei viel besser als sein Image. «In Stetten fühle ich mich sehr, sehr wohl, von hier will ich nie mehr weg», sagt sie noch und schiebt nach, dass bei einem Lottosechser ein Haus in Sizilien ein Thema werden könnte …
Der Grund, warum sie mit ihrem Lebenspartner Dani Kopp hier im Reusstal wohnt, ist ihre gescheiterte Ehe: Monique war 17 Jahre lang mit dem Gastronomen Kaspar Kistler verheiratet, mit dem sie das Restaurant Frohsinn in Reichenburg SZ führte. Gemeinsam haben sie drei Kinder, die Tochter Alexandra sowie die Zwillinge Kaspar und Sarah. 2017 folgte die Trennung, «wir haben uns auseinandergelebt», blickt Monique auf die einschneidende Zeit zurück. «Dani und ich haben nach einem Ort gesucht, mit möglichst wenig Berührungspunkten zu meinem Leben im Kanton Schwyz.» Für Stetten sprachen die Nähe zu Danis Arbeitgeber, die zentrale Lage mit Anbindung an Flughafen und Autobahnnetz sowie die wunderschöne Landschaft des Reusstals, die zu Ausflügen mit dem Velo oder mit der Vespa einlädt.
Monique und Dani sind Vespa-Fans, eine Leidenschaft, die in Moniques aktuellem Hit «Mit der Vespa Richtung Süden» einen mitreissenden musikalischen Ausdruck findet. Der Nachfolgetitel ist bereits aufgenommen und wird demnächst erscheinen. «Wir sind im Süden angekommen», lacht Monique und stellt ein Lied voller Power, Kraft und Fröhlichkeit in Aussicht. Das Lied soll auch ein Türöffner sein für weitere TV-Auftritte, «ich hoffe, dass ich damit bei Andy Borgs «Schlager-Spass» auftreten darf und vielleicht auch in der von Stefan Mross moderierten Sendung «Immer wieder sonntags».
Apropos Andy Borg: Monique sagt, er habe ihre «zweite Karriere» in den vergangenen drei Jahren entscheidend unterstützt und vorangetrieben, vor allem in Deutschland. Gemeinsame Projekte sind bereits aufgegleist: 2027 geht es zusammen mit anderen Künstlern aus der Schlagerszene auf eine zehntägige Reise nach Dubai auf ein Schiff mit Konzerten und einer Abschluss-Schlagergala in der Wüste. «Eine völlig irre Sache, die Planung läuft auf Hochtouren», sagt Monique, die eine ähnliche Reise schon einmal miterleben durfte. «Man taucht ein in eine Welt aus Tausend und einer Nacht», schwärmt sie.
Monique sagt von sich, sie sei ein glücklicher Mensch, mit einer Leidenschaft, die auch andere Menschen glücklich mache. Weil sie Musizieren ohne Erfolgszwang geniessen will, arbeitet sie noch zu 40 Prozent als Sachbearbeiterin in einem Elektrofachgeschäft in Hausen bei Brugg. «Diese Festanstellung nimmt mir den Druck, mit Musik meinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen.»
Die Zeit zerrinnt wie im Flug, die Journalistin könnte noch stundenlang zuhören, wenn Monique aus ihrem faszinierenden Leben erzählt. Einen Punkt gilt es noch zu erwähnen: «Hättest du mehr aus deinem Talent herausholen können, oder bist du zufrieden mit dem, was du als Künstlerin erreicht hast?» Monique wäre nicht Monique, würde sie hadern. Sie gibt zwar zu, dass karrieremässig vielleicht mehr drin gelegen wäre, «dann hätte ich aber nicht mehr mich selbst sein können.» Authentizität war ihr immer wichtiger, als sich nach den Wünschen anderer verdrehen zu müssen. «Am Ende des Tages will ich mit Blick in den Spiegel sagen können, jawohl, das bin ich und nicht irgendein fremdbestimmtes PR-Produkt.»
Ausserdem nimmt Moniques Karriere grad wieder so richtig Fahrt auf – im buchstäblichen Sinn mit der Vespa und aus musikalischer Perspektive mit diversen Auftritten, viele davon auch in der Region ihrer Heimat Stetten (siehe Agenda saengerin-Monique.ch).
Jil Lüscher









