Oberrohrdorf: Die katholische Kirchgemeinde beansprucht ihre Parkplätze. Das passt nicht allen
Der Parkplatz neben der Kirche St. Martin wird zur Kampfzone. Der Grund ist ein Parkverbot, welches die Römisch-Katholische Kirchgemeinde beantragt hat. 47 Personen haben eine ...
Oberrohrdorf: Die katholische Kirchgemeinde beansprucht ihre Parkplätze. Das passt nicht allen
Der Parkplatz neben der Kirche St. Martin wird zur Kampfzone. Der Grund ist ein Parkverbot, welches die Römisch-Katholische Kirchgemeinde beantragt hat. 47 Personen haben eine Sammeleinsprache eingereicht. Doch rund die Hälfte ist gar nicht betroffen.
Bis anhin war auf dem privaten Kirchen-Parkplatz mit 24 Plätzen das Parkieren mit Parkscheibe für maximal vier Stunden erlaubt. Nun soll diese Regelung aufgehoben werden. Es gab Anfang Juni eine amtliche Ausschreibung zur «Aufhebung einer Verkehrsbeschränkung» in der «Bergpost». Die Einsprachefrist ist am 3. Juli abgelaufen. Das Parkieren mit Parkscheibe soll nun durch das gerichtliche Parkverbot ersetzt werden, das seit Februar 2026 in Kraft und bereits signalisiert ist.
Die Kirche drückte beide Augen zu
Was ist der Hintergrund der neuen Regelung? «Die Kirchgemeinde Rohrdorferberg stellte die Parkplätze seit 2012 grosszügig zur Verfügung», sagt Stephan Schibli, Präsident der Kirchenpflege auf Anfrage. «Leider musste die Kirchenpflege jedoch feststellen, dass einzelne Personen den Parkplatz regelmässig und dauerhaft als privaten Parkplatz nutzten. Dies ohne einen Bezug zu einem Kirchenbesuch oder einer kirchlichen Veranstaltung zu haben», führt Schibli aus. Über Nacht und längere Zeit seien Autos dort parkiert worden. Manche stellen gar mehrere Autos ab. Verschiedene Hinweise und Interventionen hätten leider nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation geführt. «Die Kirchenpflege hat deshalb ein gerichtliches Parkverbot beantragt. Dieses schafft die rechtliche Grundlage, um bei offensichtlichen und wiederholten Fehlbenutzungen überhaupt handeln zu können», so der Kirchenpflegepräsident.
Demnach dürfen künftig auf den 24 Parkplätzen an der Hofmatt nur noch berechtigte Nutzerinnen und Nutzer parkieren. Die bisher geltende Regelung, die das Parkieren mit Parkscheibe erlaubte, wird aufgehoben.
Einsprache bei der Gemeinde
Dagegen gibt es Opposition. Einsprachen mussten beim Gemeinderat Oberrohrdorf eingereicht werden. «Die Gemeinde ist nicht die Grundeigentümerin, sondern die katholische Kirchgemeinde», sagt Gemeindeschreiber Thomas Busslinger, «aber früher hat die Gemeinde sich um den Parkplatz gekümmert.» Laut Busslinger ging innert Frist eine Sammeleinsprache ein. 47 Personen haben diese eingereicht. «Etwa die Hälfte der Unterzeichnenden wohnt gar nicht in Oberrohrdorf und ist damit nicht betroffen», so der Gemeindeschreiber zum «Reussbote». Doch mehr Unterschriften wirkten natürlich eindrücklich. Der Gemeinderat wird die Einsprache laut Busslinger nach den Sommerferien behandeln.
Parkplätze nicht zweckentfremden
Stephan Schibli hat die Einsprache ebenfalls eingesehen. «Der weitaus grösste Teil der Einsprecherinnen und Einsprecher hat nichts mit der Kirchgemeinde zu tun», sagt er aus seiner Warte. Er bezeichnet das Verbot als «sachgerecht» und «verhältnismässig». Die Parkplätze sollten laut Stephan Schibli «ihrem vorgesehenen Zweck dienen und nicht dauerhaft zweckentfremdet werden». Für Besucherinnen und Besucher der katholischen Kirche ändere sich nichts. Der Parkplatz stehe weiterhin für Gottesdienste, kirchliche Anlässe sowie weitere berechtigte Nutzungen zur Verfügung. «Die Kirchenpflege wird das gerichtliche Parkverbot mit Augenmass anwenden», betont Schibli. «Es ist nicht beabsichtigt, jede Widerhandlung konsequent zu verfolgen.» Vielmehr solle das Instrument dort eingesetzt werden, wo der Parkplatz offensichtlich und regelmässig als privater Dauerparkplatz genutzt werde.
Marc Benedetti