Niederrohrdorf: Viel Skepsis, am Ende aber war es zweimal «Ja»

  16.09.2026 Niederrohrdorf, Niederrohrdorf, Region Rohrdorferberg

Um 21.20 Uhr erklärte Frau Gemeindeammann Gisela Greder die ausserordentliche Gemeindeversammlung als beendet. Die anfängliche Anspannung in der Mehrzweckhalle Rüsler in Niederrohrdorf war zu diesem Zeitpunkt einer Erleichterung gewichen. Beide Projektierungskredite waren letztlich bei wenigen Gegenstimmen genehmigt worden: Nach intensiver und kontroverser Diskussion hatten die 110 anwesenden Stimmberechtigten zunächst die rund 4,3 Millionen Franken für die Planung der geplanten Schulerweiterung «Palimpsest» gutgeheissen. Danach war es nicht mehr als konsequent, auch den Projektierungskredit über 324 000 Franken für die Integration der Tagesstrukturen in das Neubauprojekt deutich anzunehmen.


«Sie werden regelmässig informiert»
Die Skepsis gegenüber der Primarschul-Erweiterung aber war gross, zahlreich die kritischen Voten zum hohen Projektierungskredit. Gemeinderat Kevin Van, der das Projekt vorstellte, gab zu: «Ja, das ist viel Geld.» Aber es brauche diesen Projektierungskredit über 4,3 Millionen Franken, um die Planung fortzusetzen. Dieser Kredit sei zudem bereits in den grobgeschätzten Baukosten von rund 31 Millionen Franken enthalten, versicherte er und versprach: «Auf dem weiten Weg bis zum Baukredit werden Sie regelmässig informiert.»
Daniel Zehnder, Architekt und Experte im Bereich Schulhausplanung, ergriff danach als erster das Wort. Er betonte, Niederrohrdorf brauche dieses Primarschulhaus «unbedingt». Er gab aber auch zu bedenken, dass ein Drittel dieses Schulprojekts über die Mehrzweckhalle gebaut werden soll, wovon die oberen Etagen in Leichtbauweise. Zehnder prophezeite, dies sei mit einer Kostensteigerung von rund 2,5 Millionen verbunden. «Ich will das Projekt nicht verreissen», meinte er. «Aber, um Himmels Willen, haltet es schlicht.» Er riet denn auch, früh zu korrigieren.


Dieser Kredit ist «Schweizermeister»
Bernhard Guhl (Ortspartei Mitte), verlieh diesem Planungskredit in Höhe von mehr als vier Millionen Franken gar den Titel als «Schweizermeister». Er habe mehrere Schulprojekte mit den dazugehörigen Projektierungskrediten in Schweizer Gemeinden miteinander verglichen. Der Projektierungskredit für das Projekt «Palimpsest» in Niederrohrdorf schlage sie alle, erklärte er. Er sei sogar höher als bei Schulprojekten mit höheren Baukosten als die aktuell geschätzten Baukosten für das Niederrohrdorfer Projekt.
Guhl stellte auch einen Rückweisungsantrag zum Projektierungskredit über 4,3 Millionen Franken – diesen zog er allerdings im Verlaufe der Diskussion zurück. Er hatte vorgeschlagen, in einem ersten Schritt lediglich die Statik und damit verbundene Kosten zu prüfen. Die Komplexität des Schulprojekts «Palimpsest» gründet zu einem grossen Teil auf seiner besonderen Bauweise. Um Pausenplatz zu gewinnen, ragen drei Stockwerke des Schulhauses über das Dach der Mehrzweckhalle. Das wirkt sich auf Statik und Fundament der Mehrzweckhalle aus. Man solle Klarheit schaffen, meinte Guhl, um dann an der ordentlichen Gmeind im November den Projektierungskredit zu genehmigen.


Unsicherheiten und klare Plädoyers
Weitere Stimmbürgerinnen und Stimm­­bürger listeten weitere Unsicherheiten auf. Die Parkplatzsituation besorgte manche, andere sprachen die Umgebungsplanung an oder die Bauphase bei laufendem Schulbetrieb. Wie kann auf engem Raum Aushub weggeschafft oder Beton zur Baustelle transportiert werden?
Auch Rolf Strübin beantragte die Rückweisung des Kredits, forderte «einen Marschhalt», weil so viele Unsicherheiten im Raum stünden.
In der Folge plädierten verschiedene Vertreter der Schulraumplanungskommission, die das Neubauprojekt begleitet hatte, für den Projektierungskredit. Unter ihnen Hansruedi Vogler: «Wir brauchen dieses Geld, um weiter planen zu können.» Sämtliche aufgeworfenen Fragen würden in die Planung einfliessen. Es soll geklärt werden, wie das Projekt kostengünstig gebaut werden kann, meinte er.
Das betonten auch die Behörden, die anwesende Bauherrenberaterin Barbara Springer und Gemeinderat Kevin Van. Für die Klärung und Planung der technischen Details brauche es diesen Projektieriungskredit. «Erst dann erhalten wir eine Kostenschärfe», erklärte Springer. «Wird der Rückweisungsantrag angenommen, fehlt das Geld, um die Statik zu berechnen», sagte schliesslich Gemeindeammann Gisela Greder. «Dann ist es aus mit diesem Projekt.»
Während Guhl daraufhin seinen Rückweisungsantrag zurückzog, hielt Strübin daran fest. Sein Antrag lautete: «Der beantragte Verpflichtungskredit für die Projektierung zur Erweiterung der Primarschule sei zurückzuweisen, verbunden mit dem Auftrag an einer kommenden Einwohnergemeindeversammlung einen Projektierungskredit bis und mit Phase Vorprojekt zu beantragen.» Dieser wurde allerdings  deutlich abgelehnt.
Mit 92 Ja- gegenüber 3 Nein-Stimmen wurde der Verpflichtungskredit über 4,3 Millionen Franken für die Projektierung des Schulneubaus «Palimpsest» schliesslich bewilligt. Noch deutlicher fiel das Resultat zugunsten der Integration der Tagesstrukturen in das geplante Aulagebäude aus.

Heidi Hess


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