Mellingen: Ab nächstem Schuljahr werden Sprachkenntnisse fremdsprachiger Kinder obligatorisch abgeklärt
Seit einigen Jahren lernen in Mellingen fremdsprachige Kinder in der Spielgruppe Deutsch. Das Pilotprojekt war ein Erfolg. Ab kommendem Schuljahr werden deshalb ...
Mellingen: Ab nächstem Schuljahr werden Sprachkenntnisse fremdsprachiger Kinder obligatorisch abgeklärt
Seit einigen Jahren lernen in Mellingen fremdsprachige Kinder in der Spielgruppe Deutsch. Das Pilotprojekt war ein Erfolg. Ab kommendem Schuljahr werden deshalb frühe Sprachabklärungen im ganzen Kanton obligatorisch eingeführt. Das bringt auch die Fachstelle Spielgruppen auf den Plan.
as die Stadt Mellingen im Pilotprojekt «Deutschförderung vor dem Kindergarten» bereits seit einigen Jahren praktiziert, wird ab dem Schuljahr 2026/27 für alle Gemeinden im Kanton Aargau obligatorisch. Zumindest teilweise. Denn kantonsweit beschränkt sich der obligatorische Teil dieser frühen Förderung darauf, eineinhalb Jahre vor dem Kindergarten Sprachkenntnisse abzuklären und sogenannte Sprachstandserhebungen zu machen.
Die Sprachkenntnisse kleiner Kinder werden dafür mittels Elternfragebogen ermittelt, den es in über zehn Sprachen, von Albanisch über Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Französisch, Tamilisch oder Tigrinya bis Ukrainisch gibt. Die Eltern beantworten fünf Fragen zu den Deutschkenntnissen ihres Kindes. Ihre Antworten werden von der Universität Basel anonymisiert ausgewertet und die Ergebnisse den Gemeinden schriftlich mitgeteilt. Danach steht es «den Gemeinden frei, welche Massnahmen sie aus dem Bedarf» ableiten. Die Gemeinden erhalten für ihre Aufwände eine Pauschale, die nach erfolgter Sprachstandserhebung vom Kanton ausbezahlt wird.
Die Sprachförderung, die sinnvollerweise folgen sollte, ist nicht obligatorisch, wie das Aargauer Bildungsdepartement Anfang Juni mitteilte. Gemeinden sollen die Eltern aber über allfällige Möglichkeiten informieren. So können sie im Jahr vor dem Kindergarteneintritt ein Angebot der frühen Sprachförderung besuchen, beispielsweise eine Kindertagesstätte, eine Spielgruppe oder eine deutschsprachige Tagesfamilie. Dieser Besuch sei freiwillig, werde aber sehr empfohlen, so das Bildungsdepartement.
Spielgruppen: Bessere Bedingungen
Nun meldet sich die Fachstelle Spielgruppen Aargau und teilt mit, dass Spielgruppen für eine erfolgreiche Umsetzung des kantonalen Projektes Geld brauchen. Die Arbeit der Spielgruppenleitenden basiere auf anerkannten pädagogischen Grundlagen. «Spielgruppen fördern die kognitive, sprachliche, soziale und emotionale Entwicklung von Kindern, unterstützen deren erfolgreiche Bildungs- und Entwicklungswege und ermöglichen individuelles, selbstbestimmtes Lernen.» Deshalb müssten Rahmenbedingungen zukunftsorientiert weiterentwickelt werden. Laut Mitteilung gehören «eine umfassende und nachhaltige Optimierung der Finanzierungsmodelle sowie die konsequente Ausrichtung auf verbindliche Qualitätsstandards» dazu. Nur so könne sichergestellt werden, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft Zugang zu qualitativ hochwertigen Angeboten im Frühbereich erhalten. «Wie in den Medien zu lesen war», so die Fachstelle, «steht der Kanton Aargau finanziell sehr gut da und kann die nötige Unterstützung der Spielgruppen erbringen.»
Mellingen war Teil des Pilotprojekts
Beim Pilotprojekt «Deutschförderung vor dem Kindergarten», an dem sich neben Mellingen auch weitere Aargauer Gemeinden beteiligt hatten, ging es um Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder. Der Kindergartenstart wird einfacher, wenn anderssprachige Kinder bereits vor dem Kindergarten die neue Sprache verstehen und sogar sprechen. Es profitieren alle Kinder, weil Sprachkenntnisse unter anderem dazu beitragen, dass Lehrpläne eingehalten werden können. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden in Mellingen nicht nur die Sprachkenntnisse abgeklärt, sondern bei Bedarf auf freiwilliger Basis danach auch der regelmässige Besuch einer Spielgruppe gefördert. In Mellingen wurden die Kinder in der Spielgruppe Zick-Zack, geleitet von Raquel Dirr, spielerisch in die deutsche Sprache eingeführt. Der Kanton kam in der Pilotphase für einen grossen Teil der Kosten auf.
Heidi Hess