Pachtvertrag gekündigt – Gärtnerei zieht um
23.05.2025 MägenwilDie Gärtnerei Borner wird in der zweiten Generation geführt. Der Betrieb hat sich in den letzten Jahren gewandelt
Seit sieben Jahrzehnten befindet sich die Gärtnerei Borner in Mägenwil. Wegen des geplanten Kiesabbaus im Gebiet Hübel und Bodenacher wurde der ...
Die Gärtnerei Borner wird in der zweiten Generation geführt. Der Betrieb hat sich in den letzten Jahren gewandelt
Seit sieben Jahrzehnten befindet sich die Gärtnerei Borner in Mägenwil. Wegen des geplanten Kiesabbaus im Gebiet Hübel und Bodenacher wurde der Pachtvertrag für die Parzelle an der Industriestrasse nicht verlängert. Das führt nun zum Wegzug der Firma.
Der Pachtvertrag der Parzelle an der Industriestrasse wurde zwar korrekt, aber ohne grosse Ankündigung auf den Sommer gekündigt. Seit 25 Jahren hat Beat Borner (64) die Parzelle für seine Firma, die Borner Pflanzen GmbH, gepachtet. Auf dem Areal befindet sich nicht nur ein 1000 Quadratmeter grosser Schaugarten, sondern auch die Produktion für Bodendecker.
Wegen der Kündigung musste Borner die Produktion der Pflanzen sofort aufgeben, weil diese bis zum Verkauf ein Jahr dauert. «Ich hatte bereits 500 000 Bodendecker bestellt, die ich auf der Parzelle ziehe und zwischenlagere», führt er aus. Da die Parzelle nun wegfalle, hätte er diese bei den Produzenten aus Holland, Deutschland und Italien abbestellen müssen. Diesen Ausfall musste Borner auch seinen Abnehmern, den Pflanzenzentren, mitteilen. «Es sind teilweise langjährige Abnehmer», sagt er. Sie mussten sich nun nach neuen Produzenten umsehen. Fraglich ist, ob sie später wieder bei Borner bestellen werden. Wegen der Produktionsaufgabe musste Borner zusätzlich Mitarbeitenden kündigen, die kurz vor der Pension standen.
Andere Nutzung war absehbar
Der Grund für die Nichtverlängerung des Pachtvertrages ist der geplante Kiesabbau im Gebiet Hübel und Bodenacher. Beat Borner wusste wie alle Mägenwilerinnen und Mägenwiler, dass der Kiesabbau an dieser Stelle geplant ist. Borner rechnete aber damit, dass damit frühestens in vier bis fünf Jahren begonnen wird. Bis dahin müssen noch verschiedene Hürden genommen werden. Unter anderem muss die Zustimmung an der Gemeindeversammlung erfolgen und die Abbaugenehmigung vom Kanton erteilt werden.
Guteingeführter Onlineshop
Auch wenn Borner bereits Ausschau nach einer Ersatzlösung für den Betrieb hält, hat er dieses Jahr durch das Wegfallen der Jungpflanzenkulturen einen Ausfall zu beklagen. Dennoch ist der Betrieb dank des gut eingeführten Onlineshops gut aufgestellt. «Der Onlineshop ist zum wichtigen Absatzkanal geworden», sagt Borner. Die Borner Pflanzen GmbH liefert vor allem Heckenpflanzen und Bodendecker in die ganze Schweiz und nach Liechtenstein. «Den Onlineshop führte ich vor zwölf Jahren ein, als ich spürte, dass der direkte Verkauf einbricht.»
In den Anfangsjahren verkaufte die Gärtnerei jede Saison 40 000 selber gezogene Geranien, sowohl im Betrieb als auch an andere Gartenzentren. Die Produktion von Sommerflor wurde bereits vor 25 Jahren eingestellt, da es sich wegen der tiefen Preise, welche Grossverteiler anbieten konnten, nicht mehr rechnete. In der Folge setzte der Betrieb auf Bodendecker.
Neuer Standort für den Betrieb
Beat Borner hat sich stets neu ausgerichtet und den Betrieb auf Kurs gehalten. Deshalb lässt er sich auch von den neuen Entwicklungen nicht unterkriegen – seinen Betrieb einzustellen, das ist für ihn kein Thema: «Ich bin Gärtner aus Leidenschaft, der Betrieb ist meine grosse Passion.» Borner hält deshalb nach einem neuen Grundstück Ausschau. «In Mägenwil gibt es leider keine Ersatzlösung», sagt er. Er habe bereits ein Gelände ausserhalb des Kantons in Aussicht, welches sich eignen würde. Die Verhandlungen würden laufen.
Um die Abläufe in der Firma möglichst kurz zu halten, werde er schweren Herzens auch das Gelände zwischen Schule und neuer Turnhalle aufgeben. An der Lettenstrasse befindet sich die Produktion mit dem Firmensitz und zwei Treibhäusern. Vor sieben Jahrzehnten gründete hier Beat Borners Vater, Fritz Borner, die Gärtnerei – die Mutter half im Verkauf.
Treibhäuser erhalten zweites Leben
Beim Firmensitz sind bereits die ersten Vorbereitungen für den Wegzug der Firma ersichtlich. Ein Treibhaus aus dem Jahr 1982 wird abgebrochen, das andere ist noch bis Ende Jahr inklusive Aussenfläche vermietet – erbaut worden war es 1961 von Vater Fritz Borner. Statt sie zu entsorgen, verhilft Beat Borner den Treibhäusern zu einem zweiten Leben. Dank guten Beziehungen eines Mitarbeiters werden sie nach Osteuropa transportiert und für die Gemüseproduktion genutzt. Die Treibhäuser spendet Borner. Er übernimmt auch die Kosten für den Abbau. Der neue Besitzer bezahlt den Transport und den Wiederaufbau.
Debora Gattlen


