Einer meiner letzten, mässig sportlichen Spaziergänge führte mich von Fislisbach nach Mellingen, abseits des Verkehrs übers Feld. Es sollte wieder einmal die Hohle Gasse sein, frei nach Schiller: «Durch diese hohle Gasse will ich gehen.» Für ortsunkundige ...
Einer meiner letzten, mässig sportlichen Spaziergänge führte mich von Fislisbach nach Mellingen, abseits des Verkehrs übers Feld. Es sollte wieder einmal die Hohle Gasse sein, frei nach Schiller: «Durch diese hohle Gasse will ich gehen.» Für ortsunkundige Müssiggänger: Dieser Weg ist sehr zu empfehlen, in der Regel hat man – ganz der bevorzugten Wohnlage entsprechend – nachmittags mehrheitlich die Sonne im Gesicht.
Mein Ziel war die Stadtkirche St. Johannes ennet der Reuss, natürlich in erster Linie wegen ihres Namens. Beim Sonnenweg bog ich in den abwärtsführenden «Ulrichsteg» ein, wo ich meinem gleichnamigen Sportsfreund jedoch nicht begegnete. Über diese kleine Enttäuschung kam ich sehr schnell hinweg, weil ich schon bald Johannes erblickte.
Nun musste ich also nur noch die Reuss überqueren, nichts leichter als das. Dafür haben weitsichtige Planerinnen vor über 30 Jahren bekanntlich die «Soldatenbrücke» erbaut und etwas später den «Städtlisteg» daraus gemacht. Wie man weiss, ist dieser Übergang momentan ziemlich beliebt. Das Schild «Radfahrer schieben» ist nicht zu übersehen. Aha, dachte ich, ein Radfahrer schiebt mich, macht also das Taxi auf die Johannesseite der Reuss, super Service! Erstaunlicherweise drängte sich jedoch niemand für eine Schiebung auf. Da ich noch einigermassen fit bin, überquerte ich mutig, allein und eiligen Schrittes den Steg, in der Hoffnung, dass diese schieberlose Fortbewegung erlaubt ist und ich nicht gebüsst werde. Und wenn auch: Mein Sportsfreund Johannes hätte mich sicherlich von jeglicher Schuld freigesprochen.
Jean