Perfide Betrugsmaschen: Im Fokus ist stets das Geld
16.06.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf: Der zwölfte Seniorengipfel wartete mit einem Besucherrekord auf. Das Referat über Cyberkriminalität stiess auf grosses Interesse
Die Aula im Oberstufenzentrum war bis auf den letzten Platz gefüllt. 220 Gäste lauschten gebannt dem Vortrag ...
Niederrohrdorf: Der zwölfte Seniorengipfel wartete mit einem Besucherrekord auf. Das Referat über Cyberkriminalität stiess auf grosses Interesse
Die Aula im Oberstufenzentrum war bis auf den letzten Platz gefüllt. 220 Gäste lauschten gebannt dem Vortrag der Kantonspolizei zur Kriminal-Prävention. Das Fazit: Die Betrugsmaschen werden immer perfider.
Es war für mich erschreckend.
Die Betrüger gehen immer raffinierter vor. Seien sie daher auf der Hut», sagte Frau Gemeindeammann Gisela Greder nach dem Referat von Patrik Marty. Marty ist Gruppenchef bei der Kriminalprävention der Kantonspolizei Aargau (Kapo). Seit 35 Jahren arbeitet er bei der Kapo. Er hielt am Mittwochnachmittag am von der Gemeinde veranstalteten Seniorengipfel einen Vortrag über Cyber-Kriminalität. Das Thema interessierte sichtlich. 220 Seniorinnen und Senioren waren vor Ort – die Aula des Oberstufenzentrums war voll besetzt.
Betrug kann alle treffen
«Meine Präsentation ist nicht für Cyber- und IT-Spezialisten, sondern für Sie und mich», sagte Patrik Marty zu Beginn seines Referats. Was er anhand von realen Beispielen aus Journalen der Kapo erzählte, führte den Anwesenden vor Augen, wie schnell man auf eine der perfiden Betrugsmaschen hereinfallen kann. «Es geht immer um Geld und schlussendlich um Ihr Portemonnaie. Es gibt Leute, die nur darauf bedacht sind, Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen», so Marty. Der Mensch sei beim Betrug immer die Schwachstelle. «Das Schadensausmass bei Cyberdelikten ist immer sehr hoch und hat in den letzten Jahren stark zugenommen.»
Cyberkriminaltät verändert sich
Die Digitalisierung verändert Kriminalität. Was heute nicht vorstellbar ist, wird bereits morgen Realität. Patrik Marty zeigte in seinem Referat den Anwesenden aktuelle Cyber-Betrugsformen auf. Telefonbetrug, Schockanrufe, der «falsche Polizist», Anlagebetrug, Einbruchdiebstahl, Fishing sowie die sogenannte «falsche Liebe» im Internet. Die Täterschaft sitze oft im Ausland, die Hemmschwelle sinke wegen der Distanz, so Patrik Marty. Tatsache sei, die Internetkriminalität habe sich seit 2012 massiv geändert. Damals stand vor allem Kinderpornografie im Vordergrund heute ist es die Cyberkriminalität. Im Kanton Aargau gab es im letzten Jahr 4523 Cyberbetrugsdelikte. Die Dunkelziffer sei aber bis 20-mal höher.
Angriff auf Herz und Geld
«Romance Scam ist das wohl tragischste Phänomen der Cyberkriminalität», so Marty. «Hier wird brutal mit Gefühlen der Menschen gespielt. Dabei sind über 80 Prozent Frauen betroffen und nur 20 Prozent der Männer.» Es werde immer gleich vorgegangen. Zuerst werde auf sozialen Medien Kontakt aufgenommen und Vertrauen aufgebaut. Später würden Geldforderungen gestellt. «Geld und Liebe passen nicht zusammen», so Marty. Mit dieser Masche wurde 2025 im Kanton Aargau 1,9 Millionen Franken erbeutet.
Fishing bedeutet, dass Betrüger es auf das persönliche Passwort abgesehen haben. Beispiele dafür sind E-Mails, die vermeintlich von bekannten Persönlichkeiten oder von der Post versendet wurden. «Wenn Sie dort Ihr Passwort und Ihre Benutzerdaten eingeben, öffnen Sie Tür und Tor», warnte der Referent. Der Tipp: Lieber einmal mehr eine Mail löschen als in eine Falle tappen. Oft verrate sich eine Fake-Seite mit komischen E-Mail-Zusätzen.
Böse Folgen kann auch das vermeintlich harmlose Anklicken von Allgemeinen Geschäftsbedingungen haben. Wer dies ohne das Kleingedruckte zu lesen auf einer gefälschten Seite mache, könne leicht ein Abonnement abschliessen – die Kreditkarte werde danach immer wieder mit dem gleichen Betrag belastet. Die einzige Möglichkeit sei, die Kreditkarte zu sperren und eine neue zu beantragen.
Warnsignal bei Fernwartung
Fernwartungssoftware ist bei Firmen eine gute Sache, Mitarbeitende können im Homeoffice auf ihren Geschäftscomputer zugreifen. Marty führte aus: «Für Private wird dies nicht benötigt. Wenn Sie jemand anruft und sagt, dass der PC verseucht ist und deshalb ferngewartet werden muss, legen Sie sofort auf!» Ein Bürger aus dem Freiamt habe die Fernwartung zugelassen. Für die Behebung des Problems, wies ihn der vermeintliche Support an, 100 Franken zu überweisen. Weil der Fernzugriff noch aktiviert war, waren nachher 75 000 Franken weg. Fakt sei, seriöse Dienstleister würden nie per E-Mail oder Telefon nach Passwörtern fragen. Auch nie Links anklicken und nie auf Druck reagieren.
2025 gab es im Aargau 236 Fälle im Bereich des Anlagebetrugs. Die Schadenssumme betrug 23 Millionen Franken. Patrik Marty führte aus, dass vor einem Monat ein Mann eine Werbung im Internet für eine Anlage entdeckte. Christoph Blocher und Peter Spuhler priesen diese an. Den Mann überzeugte dies und er investierte 130 000 Franken. «Sorry, das Geld war leider weg», so Marty. «Wenn Sie so etwas machen, können Sie Ihr Geld genauso gut im Cheminée anzünden.» Ein Hinweis auf Betrug seien stets unrealistische Renditen.
Aufgepasst bei QR-Codes
Bei Parkuhren, auf Ricardo oder anderen Verkaufsplattformen können QR-Codes von Betrügern manipuliert sein. Der Referent riet daher nur mit offiziellen QR-Codes-Lesern, wie Twint, zu scannen. Da werde angezeigt, wenn es eine Fälschung sei.
Der falsche Polizist, ist bei Betrügern immer noch in Mode. «Die Polizei wird nie anrufen und sagen, heben Sie Geld ab, weil es auf der Bank nicht sicher ist», sagte Patrik Marty. Einer Dame sei ihre Gutgläubigkeit zum Verhängnis geworden. Sie befolgte die Anweisung des vermeintlichen Polizisten, hob Geld ab, holte Schmuck aus dem Banksafe, steckte alles in einen Plastiksack und warf es aus dem Fenster.
Seit neuestem sind sogenannte SMS-Blaster im Einsatz. Die Betrüger sind mit einem mobilen Gerät unterwegs, das sich als Mobilfunkantenne ausgibt. In der Nähe loggen sich Natels ein, das Gerät versendet an diese eine SMS. «In der Nachricht steht zum Beispiel, dass es eine Parkbusse gab. Diese werde zugestellt, wenn nicht sofort 40 Franken bezahlt würden. «Machen Sie das, geben Sie ihre Kreditkartendaten preis und Sie sind Ihr Geld los», sagte Patrik Marty.
Zusätzlich zum Referat wurden die Anwesenden über Angebote und Hilfeleistungen des Seniorennetzes informiert. Details sind unter niederrohrdorf.ch/de/senioren/seniorennetz ersichtlich.
Für einen musikalischen Leckerbissen sorgte der in Niederrohrdorf aufgewachsene Tim Zumstein. Er erhielt für sein Klavierkonzert viel Applaus.
Als kulinarischen Leckerbissen offerierte die Gemeinde zusätzlich Kaffee und einen Nussgipfel.
Debora Gattlen

