Polizei nahm den Kinderschreck fest
03.07.2026 Region ReusstalRegion: In Mellingen, Fislisbach und am Rohrdorferberg forderte ein junger Mann Kinder auf mitzukommen
Viele Eltern waren seit dem Vorfall in Mellingen besorgt. Ein 28-jähriger Mann sprach Ende Mai Kinder an und forderte sie auf mitzukommen. Trotz Überprüfung durch ...
Region: In Mellingen, Fislisbach und am Rohrdorferberg forderte ein junger Mann Kinder auf mitzukommen
Viele Eltern waren seit dem Vorfall in Mellingen besorgt. Ein 28-jähriger Mann sprach Ende Mai Kinder an und forderte sie auf mitzukommen. Trotz Überprüfung durch die Polizei war er danach wieder auf freiem Fusse. Nachdem er weitere Kinder in der Region aufforderte mitzukommen, wurde er nun verhaftet.
Eltern von Schulkindern sowie Schulen können aufatmen. Die Kantonspolizei Aargau (Kapo) kann einen Fahndungserfolg verzeichnen. Der Mann, der in Mellingen Ende Mai Kinder ansprach und zum Mitgehen aufforderte, ist gemäss Medienstelle der Kapo von einer Patrouille in Aarau verhaftet worden.
Die Staatsanwaltschaft Baden hat inzwischen beim Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft beantragt. Damit sind gemäss Medienmitteilung der Kapo die Grundlagen geschaffen, ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen. Nun soll abgeklärt werden, ob vom Betroffenen eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht.
Ende Mai bereits überprüft
Bereits Ende Mai wurde der Mann von einer Patrouille aufgegriffen. Dies, nachdem der Hauswart der Schule Mellingen-Wohlenschwil den Notruf wählte, da der Mann mehrere Kinder auf dem Schulareal Kleine Kreuzzelg ansprach. Er verfolgte den Mann, bis die Polizei eintraf («Reussbote vom 2. Juni»).
Der Verdächtige wurde damals gemäss Medienstelle der Kapo als ein 28-jähriger Deutscher identifiziert, welcher im Kanton Aargau wohnhaft ist, aber zurzeit keinen festen Wohnsitz hat. In der aktuellen Medienmitteilung steht, dass damals nach eingehender Überprüfung des Mannes auf dem Polizeistützpunkt, die Kapo ihn für drei Monate mit einer Wegweisung von der Schule belegte und ihn wieder laufen liess.
Situation heizte sich auf
Viele Eltern in Mellingen und der Region waren nach dem Vorfall besorgt, aufgebracht und verunsichert. Posts in den sozialen Medien verbreiteten sich unkontrolliert und heizten die Aufregung um den jungen Mann weiter an. So war zu lesen, dass es sich um eine Verharmlosung der Situation handle. Der Mann habe nicht nur Kinder angesprochen, sondern auch aufgefordert mitzukommen. Andere Eltern warnten sich auf verschiedenen Kanälen gegenseitig, auf die Kinder aufzupassen und die Augen offen zu halten. Manche begleiteten ihre Sprösslinge auf dem Schulweg oder liessen sie nur noch in Gruppen zur Schule gehen.
Erneute Vorfälle in der Region
Die Wegweisung von der Schule war dem jungen Mann keine Lehre. Wenig später fiel er erneut auf. Auf den sozialen Medien verbreiteten sich daraufhin erneut Nachrichten wie ein Lauffeuer, diverse Facebook-Posts wurden veröffentlicht. Einige sogar mit einem Foto des mutmasslichen Kinderschrecks. «Der Mann läuft wieder frei herum», war zu lesen. Er sei mehrmals in der Siedlung Neugrün, der Siedlung Punkt 7 und beim Friedhof in Mellingen gesehen worden. Ein Vater eines Mädchens habe den Mann zur Rede gestellt. Dieser habe ihm geantwortet, dass er schizophren sei. Eine seiner Persönlichkeiten stehe auf Kinder. Gewarnt wurde im Post, dass der Mann daher immer noch auf der Suche nach einem Kind sei, das mit ihm gehe. Man solle die Kinder aufklären, mit niemandem mitzugehen und sie nicht mehr alleine rumlaufen lassen. Auf anderen Posts war zu lesen, dass der Mann in Fislisbach, Niederrohrodorf und Oberrohrdorf Kinder ansprach, Süssigkeiten anbot und aufforderte, in sein Fahrzeug zu steigen. Man solle sich umgehend bei der Polizei melden, wenn man den Mann sehe. Gemäss Medienmitteilung der Kapo sei die Verunsicherung bei den Eltern und Schulen in der Region gross gewesen. «Ich habe letzte Woche mit allen Schulleiterinnen und Schulleitern der Schulen in der Region gesprochen», so Dominic Zimmerli, Dienstchef Kommunikation. Er habe die Schulen aufgefordert, über die Schulkanäle die Eltern zu informieren, dass die Polizei vom Vorfall wisse, dass man die Kinder nochmals instruieren und Verdächtiges bei der Notruf-Nummer 117 melden und nicht Posts mit Fotos auf den sozialen Medien veröffentlichen solle.
Telefon lief bei der Polizei heiss
Nach den neuen Vorfällen gingen viele Hinweise von Sichtungen bei der Kapo und der Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal ein. Da inzwischen verschiedene mutmassliche Straftatbestände vorlagen, lief die Fahndung. «Bei uns liefen zuweilen die Telefone heiss. Viele Hinweise über Sichtungen gingen ein», bestätigte Repol-Chef Roger Lenherr. «Wir sind froh, dass der Mann inzwischen verhaftet wurde.» Leider sei diese Info noch nicht bei allen Eltern angekommen. Einige würden immer noch anrufen und über Sichtungen berichten. Dominic Zimmerli sagt: «Wir nahmen Anrufe ernst und gingen allen Hinweisen nach.» Trotz der vielen Anrufe sei aber der Tatverdächtige nie anzutreffen gewesen. Am Samstagabend fiel der junge Mann einer Patrouille in Aarau auf – der 28-Jährige konnte verhaftet werden. Zu den ihm vorgeworfenen Delikten sowie zum Stand der Ermittlungen können gemäss Medienstelle zurzeit keine Angaben gemacht werden.
Debora Gattlen

