Reuss wird vor Schadstoffen geschützt
15.09.2026 MellingenMellingen: Die «Einhausung» der Brücke erinnert an ein Festzelt. Es geht jedoch um den Schutz der Umwelt
Die alte Reussbrücke ist unter einem weissen «Zelt» verschwunden. Die sogenannte Einhausung ist nötig, weil bei den Arbeiten sonst ...
Mellingen: Die «Einhausung» der Brücke erinnert an ein Festzelt. Es geht jedoch um den Schutz der Umwelt
Die alte Reussbrücke ist unter einem weissen «Zelt» verschwunden. Die sogenannte Einhausung ist nötig, weil bei den Arbeiten sonst problematische Stoffe in die Umwelt gelangen könnten.
Die Sanierung der Reussbrücke schreitet voran. «Nach dem Anheben der Brücke, konnte unter der Brücke ein Schutzgerüst montiert werden, sodass während den vergangenen Wochen die Betonfahrbahnplatte zurückgebaut werden konnte», erklärt Projektleiter Christian Birchmeier vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. «Das Schutzgerüst verhinderte, dass Betonstücke und Wasser, welches beim Betonschneiden verwendet werden muss, in die Reuss fallen konnten.»
Stahlträgerbeschichtung entfernen
Nach dem Rückbau der fast 100-jährigen Betonfahrbahnplatte folgt laut Birchmeier jetzt der nächste Meilenstein der Brückeninstandsetzung: Die Stahlträgerbeschichtung, welche den Korrosionsschutz gewährleistet und der Brücke die Farbe gibt, muss entfernt werden. Während den letzten rund 100 Jahren wurde die Brücke diverse Male mit neuen Beschichtungen versehen, die ältesten Schichten sind beinahe 100 Jahre alt, die jüngsten wurden während den Instandsetzungsarbeiten 1987 aufgebracht. «Diverse dieser Beschichtungen, insbesondere diejenige aus den 1980er-Jahren, weisen problematische Inhaltsstoffe auf», so der Projektleiter. In der bisher gebundenen Form sei das unproblematisch gewesen, bei der Entfernung dürften aber diese Stoffe nicht in die Umwelt gelangen. Und vor allem nicht in die Reuss. Alte Farben enthalten Blei, neuere andere Schadstoffe. Aus diesem Grund wird die gesamte Stahlkonstruktion luftdicht eingehaust. Es handelt sich um eine filigrane Konstruktion im Inneren. Zusätzlich wird mittels Staubfilter und Unterdruckhaltegerät während den Arbeiten in der Einhausung drin ein Unterdruck erzeugt, sodass keine Luft aus dem Innern entweichen kann. Nach Arbeitsschluss muss das Unterdruckhaltegerät laut Christian Birchmeier noch eine halbe bis eine Stunde länger laufen, bis sich innerhalb der Einhausung der Staub gesetzt hat.
Schleuse und Schutzausrüstung
Die Einhausung könne während den Entschichtungsarbeiten nur über ein Schleusensystem betreten respektive verlassen werden. «Die Arbeiter der auf diese Arbeiten spezialisierten Firma Marty Korrosionsschutz AG aus Jona arbeiten in einer Schutzausrüstung und werden von ausserhalb der Einhausung mit Sauerstoff versorgt.» Mit drei Strahllanzen und einem speziellen Strahlmittel werden die alten Beschichtungen abgetragen und gelangen über einen Staubfilter in Silos, von wo sie der Entsorgung zugeführt werden. Das Strahlmittel wird in der Anlage am Zentralplatz direkt aufbereitet und kann wieder verwendet werden. Damit der Staub in der Einhausung drin in Richtung Filter «gestossen» werden kann, steht auf der linken Brückenseite ein Trockner.
Grosser Energiebedarf für Arbeiten
Alle anderen Installationen wie auch die Schleuse befinden sich auf der rechten Reussseite. Der Energiebedarf für diese Arbeiten ist laut dem Projektleiter sehr gross. «Die Bauunternehmung beabsichtigte, den ganzen Energiebedarf aus dem öffentlichen Stromnetz zu beziehen. Da diese Leistung vor Ort jedoch nicht bezogen werden kann, muss der Energiespitzenbedarf mit Dieselkompressoren abgedeckt werden», erklärt er. Das mit dem Diesel sei zwar nicht ideal. Aber der Trafoanschluss des EW Mellingen im Umfeld der Baustelle wäre überlastet worden. «Wir hätten Leitungen von anderen Trafostationen durch ganz Mellingen ziehen müssen», so der Projektleiter. Die Arbeiten werden zeitweise sehr laut. Die massgebenden Lärmrichtlinien würden aber eingehalten. Der Bauherrschaft und den beteiligten Unternehmungen sei jedoch gleichwohl bewusst, dass der Lärm als störend wahrgenommen werden kann und bitten um Verständnis.
Arbeiten dauern rund drei Wochen
Die Arbeiten für das Entschichten sollten laut Zeitplan voraussichtlich heute, am 15. September, beginnen und circa drei Wochen dauern.
Anschliessend können die weissen Folien wieder entfernt werden, damit während den Wintermonaten die Stahlbauarbeiten durchgeführt werden können. Für die neue Brückenfarbe, muss dann die Brücke wiederum eingehüllt und klimatisiert werden.
Marc Benedetti

