«Reussbote» bleibt offizielles Publikationsorgan
05.06.2026 TägerigTägerig: An der Sommer-Gmeind wurde rege diskutiert. In den meisten Punkten waren sich die 80 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aber einig
An der Gemeindeversammlung am Montagabend gab es zahlreiche Wortmeldungen, vor allem zur geplanten Anpassung der ...
Tägerig: An der Sommer-Gmeind wurde rege diskutiert. In den meisten Punkten waren sich die 80 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aber einig
An der Gemeindeversammlung am Montagabend gab es zahlreiche Wortmeldungen, vor allem zur geplanten Anpassung der Gemeindeordnung. Gleich mehrere Änderungsanträge wurden gestellt – und allesamt vom Souverän angenommen.
Zu reden gab an der Gemeindeversammlung in Tägerig am 1. Juni vor allem die geplante Anpassung der Gemeindeordnung. Mit dieser wollte der Gemeinderat sich die Kompetenz in verschiedenen Belangen vorbehalten – unter anderem über die künftige Auswahl des offiziellen Publikationsorgans der Gemeinde. Statt wie bisher im «Reussbote» sollten die vorgeschriebenen Veröffentlichungen ab 1. Januar 2027 nur noch online publiziert werden. «Der Weg geht in Richtung Digitalisierung, ob man das toll findet oder nicht», begründete Gemeindeammann Thomas Widmer den Vorstoss. Ein Newsletter könne per Mail informieren, sobald neue Publikationen auf der Gemeindehomepage aufgeschaltet würden, auch eine App-Lösung sei denkbar. Für weniger Online-Affine könnten die Publikationen im Gemeindekasten ausgehängt werden. Der Kanton plane zudem eine Veröffentlichung auf der Gemeindehomepage zwingend vorzuschreiben. «Wir haben Inputs aus der Bevölkerung erhalten, dass vor allem Neuzuzüger gezwungen seien, ein «Reussbote»-Abo zu haben, wenn sie öffentliche Publikationen einsehen wollen», führte Widmer weiter aus. Darüber hinaus könne man durch die Publikation nur über die Gemeindehomepage 5000 bis 7000 Franken jährlich sparen. «Ich lese den ‹Reussbote› gern, aber vielleicht gibt es andere, die das nicht so gern machen», fügte Widmer an. Eine Lanze für den «Reussbote» brach hingegen Votant Peter Meier. Er bedankte sich beim Redaktionsteam für dessen Engagement für die Region und die Gemeinde Tägerig. «Im ‹Reussbote› erscheinen viele Artikel über Vereinsanlässe», erklärte er. Darüber hinaus berichte die Redaktion regelmässig über Gemeindeversammlungen, Matchberichte des FC Tägerig und bringe mit viel Herzblut geschriebene Porträts, wie etwa über den jüngst pensionierten Gemeindeschreiber, so Peter Meier. Er zählte zahlreiche aus seiner Sicht gelungene Artikel auf und verwies darauf, dass mehrere im Dorf bekannte Personen, darunter Gemeinderat Patrick Oldani, wiederkehrende Kolumnen im «Reussbote» schreiben. «Der ‹Reussbote› bringt für mich sehr viele gute und interessante Artikel aus Tägerig», fasste Meier zusammen. Dabei gehe es nicht wie bei grösseren Medien nur um Sensationen, sondern auch um Dinge, die das Leben im Alltag auf verschiedenste Art bereicherten.
Es geht nicht um entweder oder
Ex-Gemeindeammann Willi Gloor schloss sich an und brachte einen weiteren Aspekt als Aktuar der Schützengesellschaft ein. Diese sei per Militärgesetz verpflichtet, über Schiessveranstaltungen im öffentlichen Publikationsorgen zu informieren. Die Meldungen erscheinen jeweils im «Reussbote». «Ich habe nachgeschaut. In den letzten zwölf Monaten sind zehn Publikationen auf der Gemeindehomepage publiziert worden», erklärte Gloor. Allein durch die Meldungen der Schützengesellschaft würde sich diese Zahl vervierfachen. «Wer von Euch schaut ein- bis zweimal die Woche auf die Gemeindehomepage, ob es etwas Neues gibt», fragte er rhetorisch. Votant Urs Schuppisser betonte, es gehe nicht wie vom Gemeinderat dargestellt um die Frage: Online oder «Reussbote». «Es ist absolut legal, neben dem amtlichen Publikationsorgan die Publikationen auch auf der Website zu veröffentlichen», erklärte er. Es brauche die Anpassung der Gemeindeordnung gar nicht. Dem Kanton gehe es mit seiner Initiative nicht darum, den örtlichen Lokalblättern die Aufträge wegzunehmen. Peter Meier stellte nach weiteren Wortmeldungen schliesslich den Antrag, die Kompetenz zur Wahl des Publikationsorgans bei der Gemeindeversammlung zu belassen. Dieser wurde mit 63 Ja-Stimmen und 10 Gegenstimmen angenommen. Auch Peter Meiers Antrag, dass der «Reussbote» offizielles Publikationsogan der Gemeinde bleiben soll, wurde zugestimmt. 59 Anwesende stimmten dafür, 12 dagegen.
Das Volk ist höchste Legitimation
Ex-Gemeinderat Christian Vogel beantragte im Anschluss, dass die Zusicherung des Gemeindebürgerrechts für Ausländerinnen und Ausländer wie bisher von der Gemeindeversammlung beschlossen werden soll und die Befugnis nicht, wie in der angepassten Gemeindeordnung vorgesehen, an den Gemeinderat abgegeben wird. «Die höchste Legitimation ist das Volk», sagte Vogel. Eine Einbürgerung sei mehr als ein bürokratischer Akt, sondern die Aufnahme eines Menschen in die Dorfgemeinschaft. Der Antrag wurde mit 65 Ja-Stimmen und 11 Nein-Stimmen ebenfalls angenommen. Angenommen wurden auch zwei weitere Anträge, welche sich gegen die Gemeinderatskompetenzen beim Kauf, Tausch und Verkauf von Grundstücken bis 200 000 Franken sowie die Übernahme von Strassen in das Gemeindeeigentum richteten. Letzteres stand seit 2005 in der Gemeindeordnung. Am Ende stimmte die Gemeindeversammlung der angepassten Gemeindeordnung mit den beschlossenen Änderungen zu. Die Gemeindeordnung unterliegt dem obligatorischen Referendum. Die Stimmbevölkerung muss noch an der Urne darüber abstimmen.
Kostendach bei BNO
Einen weiteren Änderungsantrag gab es zum Verpflichtungskredit in Höhe von 265 000 Franken für die Revision der Bau- und Nutzungsordnung. Christian Vogel forderte, den Betrag als absolutes Kostendach festzulegen. Der Gemeinderat solle zudem jährlich über den Planungsfortschritt berichten. Der Antrag wurde mit 41 Ja- zu 29 Nein-Stimmen angenommen. Die übrigen Traktanden, wie die Jahresrechnung 2025, die mit einem Ertragsüberschuss von rund 514 000 Franken schloss, wurden mit grossem Mehr von der Gemeindeversammlung abgesegnet.
Michael Lux

