Neues Jahr, neues Glück, alter Mensch mit neuem Passwort und denselben Macken. Kaum hat der Kalender umgeblättert, stehen sie wieder vor der Tür wie unangekündigte Gäste: die guten Vorsätze. Sie kommen motiviert rein, ziehen die Schuhe nicht aus und sind meist ...
Neues Jahr, neues Glück, alter Mensch mit neuem Passwort und denselben Macken. Kaum hat der Kalender umgeblättert, stehen sie wieder vor der Tür wie unangekündigte Gäste: die guten Vorsätze. Sie kommen motiviert rein, ziehen die Schuhe nicht aus und sind meist schneller wieder weg, als man Fitnessstudio sagen kann. Mehr Sport, weniger Zucker, weniger Scrollen, mehr Selbstliebe. Vor allem mehr Selbstliebe, aber bitte ohne Spiegel. Dazu passen perfekt die Horoskope. Diese kleinen Textchen, die klingen wie motivierende Push-Nachrichten vom Universum. 2026 ist das Jahr, in dem wir lernen, unser eigenes Orakel zu werden: Gedanken werden Gold, Worte werden Zauber – also Achtung «Akrabadabra», wie es meine kleine Tochter sagt – dieses Jahr wird deins. Beruflich Aufschwung, privat Bewegung, emotional Wachstum. Klingt toll oder? Bedeutet meistens: mehr Mails, mehr Termine, mehr Gefühle – sorry dafür. Geduld lernen, sich entscheiden und locker lassen. Steht da jedes Jahr. Man weiss ja nie, wann das Glück plötzlich vorbeischaut. Wahrscheinlich zwischen zwei Meetings und der dritten Tasse Kaffee. Vorsätze und Horoskope haben viel gemeinsam. Beide tun so, als hätten sie einen Plan. Und beide lösen sich auf, sobald das Leben kurz hustet. Wer sich vornimmt, dieses Jahr entspannter zu sein, rastet innerlich aus, wenn jemand die Spülmaschine falsch einräumt. Und wer laut Sternen heute besonders ausgeglichen ist, diskutiert 20 Minuten mit dem Drucker. Vielleicht liegt genau da der Punkt. Glück findet man nur, wenn man Fan von sich selbst ist. Kein Fan mit Pyro und Gesang, eher der entspannte Fan, der sagt: War jetzt nicht grossartig, aber solide. Einer, der klatscht, auch wenn man wieder alte Muster trägt wie ein bequemes Shirt. Und vor allem: sich selbst nicht zu ernst nehmen. Denn wer sich zu ernst nimmt, verpasst die Pointe. Und wer die Pointe verpasst, glaubt am Ende wirklich, Merkur sei schuld. Vielleicht braucht das neue Jahr keine bessere Version von uns, sondern eine lächelndere. Keine radikalen Vorsätze, sondern mehr Gelassenheit. Vielleicht ist der beste Vorsatz, keinen zu haben. Oder einen ganz kleinen: öfter über sich selbst lachen. Das Universum kommt damit klar. Bestimmt. Und falls nicht, steht es im nächsten Horoskop, sowie aktuell in meinem Horoskop: Ein Gespräch mit Ihnen fühlt sich an wie eine Fahrt im offenen Cabriolet – den Wind im Haar, die Sonne im Herzen, das Ziel egal.
– Mein Vorsatz - Bitte einsteigen…