Denise Dünki Ruesch ist Grafikartistin, Kreativkopf hinter üNiBunT und Regisseurin am Jugendtheater Widen. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mägenwil zu Hause sammelt sie zwischen Lachflashs und Reisen ständig neues «Futter» für ihr Kreativtierli.
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Denise Dünki Ruesch ist Grafikartistin, Kreativkopf hinter üNiBunT und Regisseurin am Jugendtheater Widen. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mägenwil zu Hause sammelt sie zwischen Lachflashs und Reisen ständig neues «Futter» für ihr Kreativtierli.
Es gibt Wörter, die klingen harmlos – bis Kinder anfangen, logisch darüber nachzudenken. Dann wird Sprache plötzlich zum Hochseilakt ohne Netz. Neulich im Auto. Im Radio die Durchsage: «In der Region ist ein Exhibitionist unterwegs.» Meine Tochter: «Was ist ein Exhibitionist?» Ich, noch im Glauben, ich hätte mein Leben im Griff: «Das ist ein Mann, der sich vor anderen Leuten nackt zeigt.» Kurze Denkpause neben mir. «Also ein Stripper?» «Nein», sage ich. «Der macht das nicht als Beruf.» Wieder Denkpause. «Ah. Ein unbezahlter Stripper.» Und ehrlich: fachlich falsch ist das nicht. Kinder haben diese wunderbare Fähigkeit, jede gesellschaftliche Feinheit mit der Präzision eines Vorschlaghammers zu zerlegen. Da bleibt von unseren komplizierten Erwachsenenbegriffen oft nur die nackte Wahrheit übrig. Im Fall des Exhibitionisten leider wortwörtlich. Ähnlich schwierig wurde es bei der Erklärung von Vegetarier. «Vegetarier essen kein Fleisch», erklärte ich. Meine Tochter überlegte kurz und fragte: «Und was machen die an Grillpartys?» Als wäre das der Moment, in dem man offiziell aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird. Kinder denken nicht in Grauzonen. Sie nehmen Begriffe auseinander wie IKEA-Möbel. Ohne Anleitung, aber mit erschreckend überzeugendem Resultat. Besonders gefährlich sind Redewendungen. «Wir müssen sparen», sagte ich einmal. Meine Tochter sofort: «Dann verkaufen wir doch einfach Papis Playstation.» Interessant, wie schnell «wir» plötzlich «ihr» bedeutet. Auch schön im Warenhaus in der Wäscheabteilung zur Weihnachtszeit: «Mami, das ist aber ein schönes rotes Röckli mit Puscheli dran, das hätte ich gerne für die Weihnachsfeier.» Ich ganz cool: «Das ist kein Röckli, das ist Reizwäsche, das ist nichts für dich, sondern für Erwachsene.» Grosse Augen sehen mich an und ich denke, Kind, lass es, ist ok, nicht nochmals nachhaken. Aber natürlich kommts: «Was ist Reizwäsche?» Ich erkläre es der aufgeklärten Tochter in Blümchensprache und ihre letzte Antwort darauf ist: «Also Dreckwäsche.» Und genau deshalb sind Kinder so gnadenlos lustig: Sie hören nicht, was wir meinen, sondern nur, was wir sagen. Und nach fünf Minuten Gespräch merkt man, dass unsere Sprache ein wackliges Kartenhaus ist, das mit einer einzigen Frage zum Einsturz gebracht werden kann.