Denise Dünki Ruesch wohnt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mägenwil. Sie ist Grafikartistin und Inhaberin des Gestaltungsateliers üNiBunT und führt mit Passion Regie am Jugendtheater Widen.
Der Vorhang öffnet sich. Irgendwo klappert eine Festbank. Im ...
Denise Dünki Ruesch wohnt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mägenwil. Sie ist Grafikartistin und Inhaberin des Gestaltungsateliers üNiBunT und führt mit Passion Regie am Jugendtheater Widen.
Der Vorhang öffnet sich. Irgendwo klappert eine Festbank. Im Hintergrund schreit jemand: «Wer hat den Schlüssel für den Materialraum?» Willkommen im grössten Theater der Schweiz: dem Vereinsleben. Auftritt der Hauptdarsteller. Nicht die Schauspieler/-innen. Nicht die Solosänger/-innen. Nein. Die wahren Helden tragen Turnschuhe, Fasis und haben Kabelbinder in der Hosentasche. Die legendären Gratis-Schaffer/-innen. Jene wundervollen Menschen, die freiwillig um sieben Uhr morgens Tische schleppen, als würden sie für Olympia trainieren. Menschen, die beim Vereinsanlass gleichzeitig grillieren, kassieren, dekorieren und gute Laune verbreiten. Und das alles ohne Lohn. Also fast ohne. Denn der wahre Lohn ist ein feines aber etwas trockenes Sandwich um Mitternacht und ein leicht warmes Rivella. Man macht es aus Liebe. Aus Tradition. Und manchmal auch, weil man beim letzten Vereinsabend versehentlich zu laut gesagt hat: «Wenn ihr mal Hilfe braucht …» Bei uns zu Hause wurde dieses Helfen vorgelebt wie ein altes Familienrezept. Meine Eltern gehörten zu jenen die nicht lange diskutierten, sondern einfach anpackten. Während andere noch über Zuständigkeiten philosophierten, hatte meine Mami bereits Kaffee gemacht und Schinken-, Salami- und Fleischkäsesandwiches mit und ohne Butter belegt und mein Papi irgendwo einen Anhänger, Europalette und Sand organisiert. Und heute lebe ich das meiner Tochter weiter vor. Nicht mit grossen Vorträgen. Sondern indem sie sieht, dass gemeinsames Helfen glücklich macht. Dass man lachen kann, obwohl gerade zehn Festbänke zusammenbrechen. Denn genau dort entstehen die schönsten Szenen dieses wunderbaren Theaterstücks. Das laute Lachen, wenn beim Aufbau alles schiefgeht. Die heldenhafte Suche nach dem Verlängerungskabel. Die legendären Sitzungen, bei denen man drei Stunden über Serviettenfarben diskutiert, als ginge es um internationale Diplomatie. Vereinsmenschen besitzen eine seltene Art von Reichtum. Sie sammeln keine Millionen. Sie sammeln Geschichten. Freundschaften. Erinnerungen. Bedeutungen. Und dieses warme Gefühl, gemeinsam etwas auf die Beine gestellt zu haben. Sie sind das Herz jedes Vereins. Ohne sie gäbe es keine Feste, Umzüge, Turntage etc. Danke, dass ihr zeigt, was möglich wird, wenn Menschen nicht fragen «Wer machts?», sondern: «Komm, wir packens zusammen an.» Applaus! Der Vorhang fällt. Irgendwo hört man: «Hat jemand noch Kabelbinder?» Natürlich. Immer!