Neulich sass ich im Restaurant und hörte hinter mir den Satz aller Sätze: «Also Grafikerin? Ui nei, das macht doch bald alles die KI.» Ich habe kurz überlegt, ob ich mich spontan in Luft auflöse – wurde ja angeblich gerade automatisiert – oder ob ich mich ...
Neulich sass ich im Restaurant und hörte hinter mir den Satz aller Sätze: «Also Grafikerin? Ui nei, das macht doch bald alles die KI.» Ich habe kurz überlegt, ob ich mich spontan in Luft auflöse – wurde ja angeblich gerade automatisiert – oder ob ich mich umdrehe und freundlich sage: Danke für euer Vertrauen in meine baldige Auslöschung. Liebe Eltern, Göttis, Gottis und besorgte Onkels mit Zukunftsradar: Bitte hört auf, den Kids ihre Träume mies zu machen, nur weil irgendwo jemand KI gerufen hat. Ja, es gibt sie, diese schlauen Programme. Und ja, ich nutze sie. Täglich sogar. Sie sind für mich wie sehr fleissige Praktikanten, die nie müde werden und nie das letzte Guetzli aus der Dose klauen. Aber sie ersetzen nicht mein Hirn, mein Herz und schon gar nicht mein Bauchgefühl. Mein Beruf als Grafikerin ist kein Knopfdruck mit Glitzerfilter. Er ist Gespräche führen, zwischen den Zeilen lesen, Farben fühlen, Chaos ordnen und aus einem «es soll einfach mega sein» eine visuelle Geschichte bauen. KI ist kein Feind. Sie ist ein Werkzeug. So wie der Bleistift. Ich lasse mir von ihr helfen, wenn es Sinn macht. Sie sortiert, sie inspiriert. Aber entscheiden, verwerfen, hinterfragen – das mache immer noch ich. Und mein gesunder Menschenverstand sitzt am Steuer. Der sollte übrigens bei uns allen im Mittelpunkt stehen. Was nehme ich mit? Was lasse ich lieber? Diese Frage dürfen unsere Kids schon heute zu stellen lernen. Was mich wirklich stört, ist dieser schnelle Satz: «Der Beruf hat eh keine Zukunft.» Das ist wie ein kleiner Nadelstich ins Selbstvertrauen. Träume sind zart. Wenn wir ihnen ständig erzählen, dass sie bald von einem Algorithmus gefressen werden, wachsen sie nicht besser, sondern kleiner. Lasst uns doch stattdessen sagen: Probier es aus. Werde Grafiker/- in, Schreiner/-in, Schauspieler/-in, Game Designer/-in oder was auch immer dein Herz hüpfen lässt. Nutze KI zur Unterstützung. Sag ihr höflich danke – ich schwöre, man bekommt oft ein erstaunlich nettes Wort zurück. Aber bleib wach, bleib kritisch, bleib Mensch. Denn am Ende sind es nicht die Maschinen, die die Zukunft gestalten. Es sind Menschen mit Ideen, Mut und einer Prise Trotz. Und die sollte man nie kleinreden – schon gar nicht bei den jungen Menschen.