Denise Dünki Ruesch ist Grafikartistin, Kreativkopf hinter üNiBunT und Regisseurin am Jugendtheater Widen. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mägenwil zu Hause sammelt sie zwischen Lachflashs und Reisen ständig neues «Futter» für ihr Kreativtierli.
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Denise Dünki Ruesch ist Grafikartistin, Kreativkopf hinter üNiBunT und Regisseurin am Jugendtheater Widen. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mägenwil zu Hause sammelt sie zwischen Lachflashs und Reisen ständig neues «Futter» für ihr Kreativtierli.
Diese vier Wörter sind eigentlich die grösste Lüge des Erwachsenenlebens. Ich wollte nur schnell eine Mail beantworten. Ich wollte nur schnell in den Coop. Ich wollte nur schnell etwas googeln. Ich wollte nur schnell die Wäsche aufhängen. Ich wollte nur schnell meiner Tochter etwas zeigen. Und plötzlich ist es 47 Minuten später, man hat drei neue Tabs offen, weiss jetzt, wie alt Jennifer Aniston ist, hat Dinge für Fr. 83.40 bestellt, die man vor einer Stunde noch nicht kannte – und die Wäsche liegt immer noch nass in der Maschine. Auch gefährlich: «Ich gehe nur schnell in den Laden.» Dafür brauche ich selbstverständlich keinen Einkaufszettel. Ich brauche ja nur Milch. Zurück komme ich mit Avocados, Waschmittel, einer Pflanze, drei Joghurts im Sonderangebot und etwas aus dem Aktionsregal, von dem ich bis vor sieben Minuten nicht wusste, dass es mir in meinem Leben fehlt. Die Milch? Vergessen. Das Geniale daran: Das kennt wirklich jede Generation. Nur die Version von «nur schnell» verändert sich. Die Jungen gehen «nur schnell auf Insta» und tauchen zwei Stunden später wieder auf. Die Eltern wollen «nur schnell etwas erledigen». Die Grosseltern gehen «nur schnell zum Volg» und kommen nach 45 Minuten zurück, weil sie unterwegs fünf Leute getroffen haben. «Nur schnell» ist keine Zeitangabe. Es ist eine Lebenseinstellung. Ich sehe mich zum Beispiel morgens mit einem völlig vernünftigen Tagesplan. Arbeiten. Einkaufen. Vielleicht Sport. Haushalt. Alles tipptopp. Dann möchte ich nur schnell etwas ausdrucken. Der Drucker druckt nicht. Natürlich. Also WLAN. Passwort. Neustart. Papierstau. Brother-App. YouTube-Tutorial. Irgendwann stehe ich vor diesem Gerät und führe eine Beziehungskrise mit einem Gegenstand. Und währenddessen ruft jemand: «Mami, kannst du nur schnell …?» Da wäre für mich der perfekte Moment: Nein. Niemand kann «nur schnell». «Nur schnell» hat mich bereits meine besten Jahre gekostet. Eigentlich bestehen genau daraus unsere Tage: aus diesen ungeplanten Umwegen. Dem Schwatz vor dem Laden. Der Nachricht, aus der ein einstündiges Telefonat wird. Dem Kind, das genau dann etwas erzählen möchte, wenn man eigentlich los müsste. Und vielleicht sind gerade diese Dinge gar nicht die Unterbrechung unseres Lebens. Vielleicht sind sie das Leben. Ich würde diesen Gedanken jetzt gerne noch etwas vertiefen. Aber ich muss nur schnell etwas erledigen …