Denise Dünki Ruesch ist in Büblikon und Stetten aufgewachsen und wohnt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mägenwil, in welchem sie viele Jahre in verschiedenen Vereinen, für die Jugend und Bevölkerung aktiv war. Sie ist Grafikartistin und Inhaberin des ...
Denise Dünki Ruesch ist in Büblikon und Stetten aufgewachsen und wohnt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mägenwil, in welchem sie viele Jahre in verschiedenen Vereinen, für die Jugend und Bevölkerung aktiv war. Sie ist Grafikartistin und Inhaberin des Gestaltungsateliers üNiBunT und mit Passion Regie am Jugendtheater Widen. Am liebsten hat sie Lachflashs und ist in der Welt unterwegs um neues «Futter» für ihr Kreativtierli zu sammeln.
Früher dachte ich, die grösste Herausforderung in der Erziehung sei Schlafmangel. Oder Brokkoli. Oder Heubürzel. Oder Chinzgiweg. Oder Mathehausaufgaben. Ich lag falsch. Die wahre Herausforderung ist: Mein Teenie spricht Deutsch. Angeblich. «Bro, das ist so weird.» Ich höre jedes Wort. Ich verstehe nichts. Neulich sass ich ganz harmlos am Esstisch und fragte: «Wie war die Schule?» Eine einfache Frage. Eine Frage, die seit Generationen funktioniert. Die Antwort: «Ja, war wild. Frau Müller hat komplett gefrontet und dann war einfach nur awkward.» Ich nickte langsam, wie jemand, der so tut, als hätte er alles im Griff. Innerlich übersetzte ich: Frau Müller hat wahrscheinlich jemanden angeschrien. Oder Kuchen verteilt. Oder beides. Besonders schön wird es, wenn ich versuche mitzuhalten. «Das Essen ist heute richtig stabil», sagte ich kürzlich beim Abendessen. Mein Teenie sah mich an, als hätte ich gerade laut «Ich bin peinlich» gerufen. «Mamma. Bitte. Lass es.» Aber ich gebe nicht auf. Gestern sagte ich: «Das Outfit ist schon ein bisschen deep.» Ich fühlte mich modern. Zeitgemäss. Fast schon cool. Mein Teenie verliess wortlos den Raum. Ich glaube, ich habe verloren. Früher haben wir heimlich Tagebuch geschrieben. Heute schicken sie sich Sprachnachrichten, die klingen, als hätten drei Emojis und ein Algorithmus ein Baby bekommen. Sätze enden nicht mehr, sie verlaufen. Bedeutungen werden gefühlt, nicht verstanden. Und trotzdem: Irgendwie funktioniert es. Sie lachen, sie diskutieren, sie leben. Nur eben in einer Sprache, für die ich ein kleines, persönliches Wörterbuch brauche. Und wir Eltern? Sollten wir jetzt eingreifen und ihnen wieder beibringen, wie man sauber artikuliert – oder akzeptieren wir einfach, dass die zukünftigen Vorbilder irgendwann sagen: «Das war mega deep, aber auch irgendwie stabil»? Ich bin mir noch nicht sicher. Ich werde dann einfach nicken. Und sagen: «Ja, das fühle ich.» Auch wenn ich keine Ahnung habe, was ich da eigentlich fühle.
* Das englische Wort wild wird /waild/ ausgesprochen (IPA-Lautschrift). Es klingt im Deutschen in etwa wie «weild» (mit einem langen ‹ei›-Laut wie in «nein»), wobei das ‹w› wie ein englisches ‹w› (lippengerundet) und das ‹i› als Diphtong /ai/ ausgesprochen wird. (Quelle Wörterbuch Google KI)