Markus Jost, pens. Gemeindeschreiber, lebt zusammen mit seiner Frau in Wohlenschwil. Er geniesst das Rentnerdasein, pflegt gelenkschonende Sportarten und liebt kulturelle Kulinarik.
Morgens um acht verwandeln sich die Parkplätze vor dem Gemeindehaus und rückseitig, ...
Markus Jost, pens. Gemeindeschreiber, lebt zusammen mit seiner Frau in Wohlenschwil. Er geniesst das Rentnerdasein, pflegt gelenkschonende Sportarten und liebt kulturelle Kulinarik.
Morgens um acht verwandeln sich die Parkplätze vor dem Gemeindehaus und rückseitig, unmittelbar vor der Schulanlage Wohlenschwil, in chaotische Haltezonen. Autos stehen kreuz und quer, hektische Wendemanöver blockieren den Verkehr, Kinder steigen mit Rucksäcken aus. Mir stehen jeweils die wenigen Haare, die ich noch habe, «fadegrad» zu Berge. Das sogenannte «Schülertaxi», d. h. Eltern, die ihre Kinder täglich mit dem Auto zur Schule bringen, ist längst zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden. Schweizweit fahren 27 Prozent der Eltern ihre Kinder mindestens einmal pro Woche zur Schule oder holen sie dort ab!
Der Schulweg erscheint gefährlich, der Verkehr nimmt zu und viele Eltern möchten ihre Kinder schützen. In einer Zeit, in der Sicherheit grossgeschrieben wird, wirkt das Auto wie die vernünftigste Lösung. Wer sein Kind liebt, so scheint es, fährt es lieber selbst. Doch genau darin liegt das Problem. Das Schülertaxi produziert gerade häufig jene Gefahren, vor denen Eltern ihre Kinder eigentlich bewahren wollen. Im Bereich der Schulanlage entstehen Staus, unübersichtliche Situationen und ein erhöhtes Unfallrisiko. Es kommt regelmässig zu brenzligen Momenten, wenn Kinder zwischen parkenden Autos zirkulieren oder Eltern unter Zeitdruck Verkehrsregeln ignorieren.
Trotz der Ängste, für die Kinder ist es wichtig, dass sie den Schulweg allein meistern können. Das gehört zur Sozialisierung im Strassenverkehr und fördert die Selbständigkeit der Kinder.
Es ist nicht nur der Weg zur Schule oder dem Kindergarten, sondern auch ein wertvoller Lernraum ausserhalb des Klassenzimmers, der pädagogisch wertvoll ist. Er fördert das Selbstvertrauen, die Orientierung im Strassenverkehr und die Bewegung an der frischen Luft. Wer zu Fuss geht, lernt Rücksichtnahme und Eigenverantwortung. Gespräche mit Mitschülern, kleine Umwege oder das selbstständige Bewältigen von Situationen, wie auch Streitigkeiten, gehören zur Entwicklung.
Dennoch soll die Frage erlaubt sein, ob unsere Gesellschaft Kindern manchmal zu wenig zutraut. Während wir früher selbstverständlich allein zur Schule gingen oder mit dem Velo fuhren, wächst heute eine Generation heran, deren Alltag immer stärker begleitet und überwacht wird.
Vielmehr braucht es Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder und in eine Umgebung, die ihnen eigenständige Erfahrungen ermöglicht. Denn manchmal beginnt Selbstständigkeit mit einem ganz einfachen Schritt, dem eigenen Schulweg.