Schulsanierung: «Keine Denkverbote»
13.02.2026 TägerigEine neue gebildete Kommission befasst sich mit der Sanierung des über 100-jährigen Schulhauses
Gemeinderat Thomas Mayer und die Kommission Schulanlagen wollen das alte Schulhaus fit machen für die Zukunft. Gefragt sind Barrierefreiheit, moderne Technik und ...
Eine neue gebildete Kommission befasst sich mit der Sanierung des über 100-jährigen Schulhauses
Gemeinderat Thomas Mayer und die Kommission Schulanlagen wollen das alte Schulhaus fit machen für die Zukunft. Gefragt sind Barrierefreiheit, moderne Technik und Gruppenräume. In dieser frühen Planungsphase haben auch Visionen Platz.
Keine Denkverbote», sagt der Tägliger Gemeinderat Thomas Mayer (SVP) bei einem Treffen mit dem «Reussbote» im Gemeindehaus. Das ist ihm für die Planung der Schulsanierung besonders wichtig. In diesem frühen Planungsstadium soll in Tägerig alles gedacht werden dürfen, von Anbau über Umbau bis zu einem zusätzlichen Neubau neben der heutigen Schulanlage. Sogar den Begriff «Abbruch» lässt der Gemeinderat fallen, um sofort nachzudoppeln: «Das bedeutet nicht, dass auch alles umgesetzt werden kann.» Mayer ist als Gemeinderat für den Hochbau zuständig und seit April 2025 auch für die gemeindeeigenen Liegenschaften. Beim Projekt Sanierung Schulanlagen hat er deshalb die Federführung.
Fest steht: Die Sanierung der Schule ist nötig. Das Schulhaus ist über hundert Jahre alt. Es entspricht heutigen Anforderungen punkto Technik (Ölheizung), Elektrizität, auch bei der Wärmeisolierung oder beim Brandschutz nicht mehr. Wegen des Lehrplans 21 ist zudem der Raumbedarf der einzelnen Klassen gestiegen: Jede Klasse sollte heute über einen Gruppenraum verfügen. Auch die Barrierefreiheit ist im Schulhaus nicht gewährleistet. «Wir sind eine inklusive Schule, in welcher Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam lernen sollen», sagt der Gemeinderat. «Das alte Schulhaus hat viele Treppen. Ein Lift fehlt», spricht er das Problem im über hundertjährigen Gebäude an.
Sanierung «lange auf Sparflamme»
Letztmals wurde das Schulhaus mit Baujahr 1913 im Jahr 2010 saniert. Damals wurde das Dach repariert, an der Fassade und im Inneren wurden Malerarbeiten ausgeführt. Zu einer «sanften Gesamtrenovation» kam es laut Dokumentation der Kantonalen Denkmalpflege Aargau bereits in den Jahren 1975 und 1976.
Sanierungsgedanken verfolge man in Tägerig mittlerweile seit rund zehn Jahren, erklärt Gemeinderat Mayer: «Allerdings lange auf Sparflamme.» Jetzt aber macht die Gemeinde Nägel mit Köpfen. Im letzten Herbst bildete der Gemeinderat eine Kommission Schulanlagen und stellte deren Mitglieder an der letzten Winter-Gmeind vor. Ihr gehören Stefan Bätscher, Christian Bertschinger, Rolf Hunziker, Nathalie Meier und Andreas Zehnder an, präsidiert wird sie von Gemeinderat Thomas Mayer. Seither trafen sich die Kommissionsmitglieder an vier Sitzungen, wovon eine ein Workshop war.
Was ist mit der Mehrzweckhalle?
Gedanken müsse sich die Gemeinde auch zur Nutzung der Mehrzweckhalle machen, die 1981 eingeweiht worden war, zieht Thomas Mayer in Erwägung. Die Halle nutzen die Schule und viele Vereine im Dorf. «Volleyball, KidsFit, Turnverein, auch der FC», erklärt der Gemeinderat. Er lacht: «Man könnte schon fast von einem 24-Stunden-Betrieb sprechen, so sehr ist die Halle ausgelastet.» Mehr Halle für all diese Zwecke, meint Mayer, wäre dem Vereinsleben in Tägerig zuträglich.
Zwar dürfen die Kommissionsmitglieder ihre Gedanken schweifen lassen. Berücksichtigen müssen sie bei der Sanierungsplanung dennoch Fragen der Wirtschaftlichkeit und auch der Finanzierbarkeit. Das reicht aber noch nicht. Denn das Schulhaus, gebaut im sogenannten Heimatstilbau, untersteht dem kommunalen Schutzstatus. Bauten, die in einer Gemeinde besonderen Schutz geniessen, erfasst die Kantonale Denkmalpflege. Es handelt sich dabei um Objekte, die baugeschichtlich, typologisch, künstlerisch oder aufgrund ihrer Stellung im Ortsbild für die Gemeinde von besonderer Bedeutung sind. Dazu zählt auch das Tägeriger Schulhaus. Mit seinem Glockentürmchen, den auffälligen Halbwalmdächern und dem original erhaltenen Treppenhaus muss es in seiner historischen Bausubstanz und seinem Erscheinungsbild erhalten bleiben. Für das Schulhaus gilt deshalb ein Abbruchverbot.
Mayer: «Noch ist alles offen»
Immerhin sind gemäss Aargauer Denkmalpflege aber qualitativ gute An- und Umbauten sowie Umnutzungen beim Schulhaus möglich. Vorausgesetzt, sie tragen zum Erhalt des Schutzobjektes bei und berücksichtigen den Charakter und die Substanz des Hauses. Für das Baubewilligungsverfahren ist bei kommunalen Schutzobjekten wiederum die Gemeinde zuständig. Und diese stützt sich bei ihrer Beurteilung auf die Dokumentation im Bauinventar der Denkmalpflege, die ihr als Informationsgrundlage dient.
«Noch ist alles offen», betont in dieser frühen Phase denn auch Gemeinderat Mayer. Die Sanierungsplanung steht am Anfang. Die Kommission arbeitet mit einem Planungsexperten der externen Tägeriger Bauverwaltung BC AG zusammen und wird Vorschläge ausarbeiten. Sobald ein Projekt spruchreif ist, kommt der Souverän zum Zug – letztlich ist es an den Stimmberechtigten, den Projektierungskredit für die Sanierung des Schulhauses mit Mehrzweckhalle zu genehmigen.
Heidi Hess



