Sicherheit stärkt das politische System
16.01.2026An der Jahresmedienkonferenz der Kantonspolizei Aargau ging es um Zahlen und Trends der Polizeiarbeit
Die Kantonspolizei und der Sicherheitsdirektor blicken zurück auf das vergangene Jahr. Dieter Egli äusserte sich zudem zu einer problematischen Aussage des ehemaligen ...
An der Jahresmedienkonferenz der Kantonspolizei Aargau ging es um Zahlen und Trends der Polizeiarbeit
Die Kantonspolizei und der Sicherheitsdirektor blicken zurück auf das vergangene Jahr. Dieter Egli äusserte sich zudem zu einer problematischen Aussage des ehemaligen Kommandanten der Regionalpolizei Rohrdorferberg.
Zusammen mit Sicherheitsdirektor Dieter Egli lud die Kantonspolizei zu ihrer Jahresmedienkonferenz und informierte über Erkenntnisse und Tendenzen aus den verschiedenen polizeilichen Handlungsfeldern. Auch 2025 richteten Strukturkriminalität sowie Cybercrime grossen Schaden an. Hingegen sank die Zahl der Verkehrstoten sowie der Schwerverletzten. Weiterhin sehr aktiv, wenn auch in etwas geringerer Zahl, waren nächtliche Diebe. So das grobe Fazit der Kantonspolizei.
Aargau: Kleinstes Polizeikorps
Regierungsrat Dieter Egli erläuterte, wie sich Bevölkerungswachstum, Krisen, Konflikte und Kriege sowie auch neue Deliktsformen negativ auf die Sicherheit auswirken. Sicherheit, betonte er, sei untrennbar mit der Stärke der Demokratie verbunden. «Sicherheit sorgt für Vertrauen und ist wichtig für die Stabilität unseres politischen Systems.» Ein grösserer Personalbestand sei deshalb zwingend notwendig, ein schlagkräftiges Polizeikorps, das neue Formen wie Strukturkriminalität erfolgreich bekämpfen und in der Öffentlichkeit und an Hotspots präsent sein kann. Der Kanton Aargau habe, gemessen an der Einwohnerzahl, das kleinste Polizeikorps in der Schweiz, so Egli. Auf 700 Aargauerinnen und Aargauer entfällt ein Polizist – in anderen Kantonen ist es ein Polizist auf 600 Einwohnerinnen und Einwohner. Der Grosse Rat habe das erkannt und 30 neue Stellen im Jahr 2025 bewilligt.
Autonomie der Regionalpolizeien
Dieter Egli äusserte sich auch zum dualen Polizeisystem mit Kantonspolizei und Regionalpolizeien. Dieses soll weiter entwickelt und optimiert werden. Weil es im vergangenen Jahr zu einer problematischen Äusserung des mittlerweile frühpensionierten Polizeikommandanten der Regionalpolizei Rohrdorferberg kam, nahm der Sicherheitsdirektor am Rande der Medienkonferenz Stellung und beantwortete Fragen des «Reussbote». Der frühere Kommandant hatte einen Delinquenten in einem Mail mit dem N-Wort beschimpft. Weil dieses Mail versehentlich auch den betroffenen dunkelhäutigen Mann erreichte, erstattete dieser Strafanzeige. Der Kommandant akzeptierte den Strafbefehl deswegen und bedauerte den Vorfall. Regierungsrat Dieter Egli erwähnte zunächst den Vorteil des dualen Systems, weil Regionalpolizeien lokal gut verankert sind. Dazu gehört aber auch, dass die Gemeinde Anstellungsbehörde und insofern autonom ist. «Der Kanton kann keinen Einfluss auf die Rekrutierung von Personen nehmen», erklärte der Regierungsrat. Jedoch müssten sich alle Personen, bevor sie angestellt werden, einer polizeilichen Sicherheitsüberprüfung unterziehen, die für alle Polizistinnen und Polizisten gleich funktioniere.
Der Polizeidirektor gab zu bedenken, dass die Rekrutierungssituation für eine kleine Regionalpolizei mit 20 Mitarbeitenden schwieriger sei als für die Kantonspolizei mit mehreren hundert Polizistinnen und Polizisten. Qualitätsansprüche würden aber auch für die Regionalpolizei gelten. Gemeinsam mit der Kantonspolizei werden Ausbildungen absolviert, etwa in technischen Bereichen, auch im Bereich Waffen oder Einsatzdoktrin. Gestärkt werden auch Qualitätsstandards und Verbindlichkeiten.
Bei Geschehnissen wie im April 2025 am Rohrdorferberg suche das Kommando der Kantonspolizei den Austausch. Behörden und Gemeinden müsse bewusst sein, so Egli, dass Glaubwürdigkeit und Integrität bei der Polizeiarbeit in erhöhtem Masse gefordert sind. Die Kantonspolizei sei im Austausch mit den Regionalpolizeien und biete auch Unterstützung an. Als Sicherheitsdirektor erwarte er, dass in solchen Situationen schnell und konsequent reagiert werde – Vorgaben könne er aber keine machen. Die Verantwortung liege letztlich bei der Gemeinde.
Einbrüche, Cybercrime und Verkehr
Mit Blick auf den Brandanschlag in Berlin unterstrich Polizeikommandant Michael Leupold die Bedeutung des Schutzes kritischer Infrastrukturen. Im Aargau sind das neben fünf Nukleareinrichtungen auch Swissgrid und das grosse Mineralöl-Pflichtlager in Mellingen.
Im Bereich Cybercrime entstand 2025 beim Online-Anlagebetrug eine Schadenssumme von über 19 Millionen Franken. Zahlenmässig überschaubar bleiben Cyberangriffe auf KMU-Betriebe – allerdings jeweils mit finanziell einschneidenden Folgen.
Elf Menschen, unter ihnen ein zweijähriges Kind in Stetten, verloren letztes Jahr auf Aargauer Strassen ihr Leben. Dennoch nahm die Zahl der Verkehrstoten und auch der Schwerverletzten ab. Bei Unfällen auf Trendfahrzeugen wie E-Trottinetts und E-Scooter wurden mehr Personen schwer verletzt. Zudem steigt die Anzahl an Unfällen mit Motorrädern (125 ccm), die von 16- und 17-Jährigen gelenkt wurden. «Diese ungünstige Entwicklung» will die Kantonspolizei im Auge behalten.
Heidi Hess

