«Sie belegen die Sandwiches aber mit viel Liebe»
04.09.2026 MellingenMellingen: Die Redaktion arbeitet in anderen Berufen. Heute: Chefredaktor Marc Benedetti als Mitarbeiter im Migros-Restaurant
Im Rahmen der zu Ende gehenden Sommerserie schlüpfte ich in die Rolle eines Hilfskochs und Buffet-Mitarbeiters. Es hat Spass gemacht und war ein ...
Mellingen: Die Redaktion arbeitet in anderen Berufen. Heute: Chefredaktor Marc Benedetti als Mitarbeiter im Migros-Restaurant
Im Rahmen der zu Ende gehenden Sommerserie schlüpfte ich in die Rolle eines Hilfskochs und Buffet-Mitarbeiters. Es hat Spass gemacht und war ein Erlebnis. Aber das handwerkliche Arbeiten ist weniger meins.
Aufregend, mal in einem anderen Beruf zu arbeiten. Als «Migros-Kind» und gelegentlicher Gast im Migros-Restaurant, wollte ich einmal auf die andere Seite des Buffets wechseln. Es dauerte ein wenig, bis ich grünes Licht erhielt. Am Freitag, 21. August, ist es soweit, von 8 bis 13 Uhr soll das «Schnuppern» dauern. Soll ich etwas Spezielles anziehen, fragte ich vorsichtshalber am Vortag. Eine dunkle Hose und bequeme Schuhe. OK. «Hast du gut geschlafen?», begrüsst mich Betriebsleiter Mario Suter freundlich im noch fast leeren Migros-Resti. «Ja, doch.» Ein wenig nervös hatte mich das Ganze schon gemacht. Alsbald werde ich eingekleidet und verwandle mich in einen Hilfs-Koch: Mit einer Kochweste (vom Betriebsleiter), einem weinroten Foulard (von Stellvertreterin Gioja Schwander). Dann bekomme ich einen dunklen Schurz umgebunden, und zur Krönung noch eine Kochmütze aus Papier. Es kann losgehen! Als erstes erhalte ich einige Informationen über den Betrieb, entdecke, dass es hinter der Wand des Buffets noch mehr gibt. Eine Abwaschküche, einen grossen Kühlraum mit Tiefkühler, ein Trockenlager mit Reis, Teigwaren, Toppings etc. «Da wir ein Systemgastronomie-Betrieb sind, müssen wir dieselbe Qualität in allen Betrieben bieten», erklärt Mario Suter. Manche Speisen werden deshalb angeliefert, der Rest vor Ort gekocht. Die Saucen haben fixe Rezepturen. Sie kommen aus einer Grossküche. Vor Ort, in der Küche hinter dem Buffet, wird z.Bsp. Fleisch angebraten, gekocht, frittiert.
Mini-Sandwiches belegen
Genug geredet… Jetzt wird angepackt: Ganz viele Minisandwich-Brötchen halbieren, dann mit Schinken, Käse, Salami, Rohschinken belegen. Der Betriebsleiter erklärt alles geduldig. Ich gebe mir Mühe, die Vorgaben zu befolgen. Ein Brötchen nach dem anderen entsteht, bitte Reihen auf dem Tablett machen. Nun noch die belegten Brötchen mit einer Gurkenscheibe belegen. Mit den Handschuhen in den Essig reinzulangen, fühlt sich glitschig an. Langsam bekomme ich, um all die Esswaren herum, ziemlich Hunger. «Das ist normal und geht vorbei», sagt die Köchin. Ich trage blaue Gummihandschuhe. Auch der Betriebsleiter zieht immer wieder Handschuhe an und aus, wenn er mir etwas zeigt und dann wieder zur Kasse eilt. Hygiene ist sehr wichtig. Ich arbeite weiter an meinen Mini-Sandwiches für die externe Bestellung. Die ersten Gäste kommen zum Kafi, später zum Znüni. «Aha, ein neuer Mann...», meint ein älterer Stammgast, als er mich hinter dem Buffet erblickt. Eine Dame meint: «Sie belegen die Brötchen aber mit viel Liebe.» Meine erste Arbeit ist vollendet, als die Mini-Sandwiches in den Kartonschachteln verschwinden. Die übrig gebliebenen Zutaten verpacke ich mit Folie aus einer grossen Maschine. Mensch, ist das schwer, die runterzudrücken. Generell ist alles gross in einer Profi-Küche im Vergleich mit zu Hause: der Wasserhahn, die Kochwannen, die Öfen etc. Die Pause ist früh angesagt. Um 11 Uhr. Ungewohnt. Es ist heiss in den Kleidern und ich bin froh, sie ausziehen zu können.
«Ghackets mit Hörnli» schöpfen
In der Mittagszeit darf ich aber nochmals «an die Front». Um 12 Uhr kommen die Mittagsgäste. Viele erwartungsvolle Gesichter, immer mehr und mehr. Die Hektik steigt. Mein Job: Beliebtes «Ghackets mit Hörnli» schöpfen. Vier Kellen Hörnli, eine Kelle Ghackets, welche die Köchin frisch zubereitet hat; dazu Käse, wenn gewünscht. Ich freue mich, dass soviele Leute das essen wollen! Für die vielen Cordonbleu- und «Schni-Po»-Bestellungen verweise ich an die Profiköchin neben mir. Nach circa 45 Minuten ist der Ansturm vorbei. Das Ende meiner glänzenden Karriere nähert sich bereits. Ich erhalte auf Wunsch Feedback. «Du hast deine Sache ordentlich gemacht», findet Betriebsleiter Mario Suter, «nur bei der Geschwindigkeit gibt es noch Potenzial.» Darauf lege man viel Wert. «Den Umgang mit Menschen bist du aber gewohnt, das merkt man.» Im Mittagsservice sei mein Umgang mit den Gästen freundlich und zuvorkommend gewesen. «Eine schnelle Person, die den Gästen unfreundlich das Essen auf den Teller knallt, wäre auch nicht ideal», sagt Suter. Ich erfülle also wenigstens teilweise Kriterien. Der Umgang mit den Buchstaben fällt mir jedoch leichter und da bin ich schneller; aber das wusste ich ja schon vorher. Und koche tue ich weiter gerne, aber zu Hause. Die Erfahrung war interessant, ein Rollenwechsel belebt und regt zum Nachdenken an. Ich kann nur den Hut ziehen vor der Leistung der hart arbeitenden Gastronomie-Angestellten und das Migros-Team hat mich sehr freundlich unterstützt an diesem Tag.
Marc Benedetti



