Sie folgten vielen Flüssen, der letzte war die Saar
29.09.2026 MellingenMellingen: Gisela und Helmut Schneider fuhren mit dem Fahrrad der Saar entlang. Es war nicht ihre erste lange Velotour, vielleicht aber die letzte
Das pensionierte Ehepaar Schneider hat viel erlebt auf seinen Velo-Reisen. Vor kurzem kamen sie zurück von ihrer Tour entlang des ...
Mellingen: Gisela und Helmut Schneider fuhren mit dem Fahrrad der Saar entlang. Es war nicht ihre erste lange Velotour, vielleicht aber die letzte
Das pensionierte Ehepaar Schneider hat viel erlebt auf seinen Velo-Reisen. Vor kurzem kamen sie zurück von ihrer Tour entlang des Flusses Saar. Sie erzählen von ihrer Reise.
Sie sagt, diese Velotour sei wohl ihre letzte lange Tour gewesen.
Er meint: «Eine weitere könnten wir schon noch anhängen.» Gisela und Helmut Schneider, 85 und 88 Jahre alt, sitzen auf ihrem Balkon in Mellingen, sie lachen. Die beiden sind Tourenfahrer. Seit ihrer Pensionierung sind sie in den Ferien mit dem Velo unterwegs. Und das mit Konzept: In zehn Ländern folgten sie 21 Flüssen, von der Quelle bis zur Mündung. Auf diese Weise legten sie rund 11 000 Kilometer auf dem Fahrrad zurück. Zu Beginn pedalten sie aus eigener Muskelkraft, seit zehn Jahren mit E-Bikes. Ihre Touren organisieren sie selbst. Sie sind zu zweit unterwegs, die Satteltaschen am Gepäckträger, und buchen ihre Unterkünfte von Ort zu Ort – mithilfe von Radtourenführern. Diese Freiheit hat indes ihre Tücken. Gisela Schneider erlebt die lange Anreise im Auto mit den eigenen Fahrrädern heute als beschwerlich.
Reisebericht «Die Saar zum Schluss»
Unter dem Titel «Die Saar, zum Schluss» nehmen Gisela und Helmut Schneider die Leserinnen und Leser des «Reussbote» auf ihre letzte grosse Velotour mit: «Die Faszination , möglichst immer von der Quelle zur Mündung nimmt dieses Jahr ein Ende», schreiben sie. «Es sind 21 Flüsse geworden, durch 10 Länder mit total 11 000 Kilometern, ohne Missgeschick und nur mit einem Plattfuss. Um nochmals ein europäisches Flair zu erleben, wählten wir als Abschluss die Saar. Wir starteten am Bahnhof SBB in Basel. Der Rheinpromenade entlang erreichten wir die Grenze zu Frankreich. Nach ein paar Kilometer dem Canal Huningue entlang, staunten wir vor einer ersten Schleuse, die von Le Corbusier erbaut wurde. Weiter radelten wir durch , einem Naturschutzgebiet.
Dem Rhein-Rhone-Kanal folgend, erreichten wir Strassburg. Beim Europa-Parlament muss man anhalten, um die Grösse der verschiedenen Gebäude zu erfassen. Hier treffen wir auf den Rhein-Marne-Kanal, der die Gebiete Champagne-Ardenne-Lothringen mit dem Elsass verbindet. Er windet sich wie ein riesiger Regenwurm durch die Gegend. Die rechts und links bewaldeten Hänge schützten uns etwas vor dem Gegenwind. Hier grüsste oder winkte man den Freizeit-Booten, half sogar beim Festmachen vor den Schleusen. Beeindruckend ist in Saint Louis/Arzviller ein Schiffshebewerk in Querbauweise, das die Durchfahrt auf dem Kanal erleichtert und somit 17 Schleusen auf einer Länge von vier Kilometern erübrigt.
Saar-Brücken und Saarschleifen
Richtung Sarrebourg radelten wir einen Tag lang durch ein Seengebiet, von dem wir noch nie etwas gehört hatten. Rechts Wasser, links Wasser. Doppelstöckige Metalltreppen mussten mit Velo, Sack und Pack auf steilen Schiebeschienen bewältigt werden, bis wir wieder den Kanal Richtung Sarre-Union und Sarre-Albe befahren konnten. Vor Sarreguemines kamen wir auf den Radweg entlang der Saar und radelten Richtung Saarbrücken. Ein fast unsichtbarer Strich auf dem Radweg zeigte die Grenze zu Deutschland an. Trutzige Brücken aus rotem Sandstein geben Saarbrücken den berechtigten Namen.
Ab jetzt wurde es industriell. Die grossen Stahlwerke von Völklingen waren nicht zu übersehen und auch die schwer beladenen Lastkähne nicht. Das Saar-Tal wird lieblich, es sind erste Weinhänge zu sehen. Die Stadt Merzig wird als die Apfelkiste des Saarlandes bezeichnet. In Mettlach zeigen grosse Tafeln, dass hier das Unternehmen Villeroy und Boch seinen Ursprung hat. Ab hier beginnen die bekannten Saarschleifen, die in nichts denjenigen der Mosel nachstehen, und in Saarburg, einer sehr schönen Kleinstadt enden. Wir erreichen Konz, wo die Saar ganz unscheinbar in die Mosel mündet.
Hier lösten wir am Automaten unsere Rückfahrtickets bis Mannheim. Mit der kleinen Bahn und unzähligen Stopps entlang der Saar konnten wir unsere Strecke nochmals rückverfolgen. Ab Mannheim war die Fahrradmitnahme wiederum nur im Nahverkehr möglich. Basel erreichten wir nach Mitternacht, nach 1 Uhr kamen wir in Baden an. Die letzten 10 Kilometer in der Dunkelheit nach Mellingen waren unsere anspruchsvollsten und gefährlichsten Rad-Kilometer. – Ob wir in Zukunft auf dem Sofa sitzen werden und alle unsere Sätze mit anfangen?»
Hier endet der Reisebericht. Und doch bleibt ein Wunsch offen: Der Nord-Ostsee-Kanal. Er durchquert auf einer Länge von 98 Kilometern das Land Schleswig-Holstein zwischen Brunsbüttel und Kiel. «Eine spannende Strecke», schaut Helmut Schneider seine Frau verschmitzt lächelnd an.
Heidi Hess



