Bevor die Bagger in der Hauptgasse auffahren, war die Kantonsarchäologie am Werk
Seit gestern werden in der Hauptgasse die Bauarbeiten fortgesetzt. Letzte Woche hatte die Kantonsarchäologie alles vorbereitet, falls dabei Spuren von früheren Bränden zum Vorschein ...
Bevor die Bagger in der Hauptgasse auffahren, war die Kantonsarchäologie am Werk
Seit gestern werden in der Hauptgasse die Bauarbeiten fortgesetzt. Letzte Woche hatte die Kantonsarchäologie alles vorbereitet, falls dabei Spuren von früheren Bränden zum Vorschein kommen.
Mit einem Pickel hackt Jana Lingg in die schmale Lücke zwischen Deckel und Einfassung eines Vermessungspunktes in der Hauptgasse. Alles ist vereist. Erst der ausdauernde Einsatz von Muskelkraft legt den Deckel frei, die Frau im neongelben Arbeitskleid lacht. Nun kann sie ihre Arbeit fortsetzen und die Koordinaten sichern.
Lingg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kantonsarchäologie Aargau. Ohne Rücksicht auf herrschende Minustemperaturen erledigte sie diese Arbeit letzten Mittwoch. Rechtzeitig bevor sich die Hauptgasse gestern Montag in eine Baustelle verwandelte. Denn nach dem Spatenstich Anfang Dezember und ersten Sondierungsarbeiten werden die Bauarbeiten für die Aufwertung der Hauptgasse diese Woche fortgesetzt.
Wenn aber in der Hauptgasse der Boden aufgerissen wird, werden auch die Vermessungspunkte ausgebaut: Diese braucht die Kantonsarchäologie jedoch zur exakten Lokalisierung von Fundstellen. Die Daten werden über Koordinatensysteme erfasst und für Projekte wie Rettungsgrabungen genutzt, um kulturhistorische Schätze zu sichern. Dabei kann es sich um römische Lager handeln, um Pfahlbauten oder um keltische Siedlungen.
Brandspuren aus dem Mittelalter
Pfahlbauten oder keltische Schmuckstücke dürften in der Mellinger Altstadt indes kaum gefunden werden. Gut möglich ist hingegen, dass sich beim Aufreissen des Strassenbelags und beim Graben in die Tiefe mittelalterliche Spuren finden. Diese könnten Erkenntnisse zu den Bränden liefern, die vor über 500 Jahren in der Altstadt wüteten.
Mellingen verzeichnete drei grosse Feuer. Die Altstadt brannte im Jahr 1380, 1421 und auch im Jahr 1505. Bereits bei der Renovation des ehemaligen Rathauses im Jahr 2012 neben dem Brückentor wurden verschiedene Brandschichten entdeckt. 1944 fand man in der Liegenschaft Hauptgasse 3 ebenfalls Brandschichten, als das Haus unterkellert wurde. «Bisweilen finden sich in solchen Schichten Abfallmaterialien wie Tonscherben oder auch verbrannte Holzteile», erklärt Jana Lingg. Solche Funde sind für die Kantonsarchäologie insofern wertvoll als sie die Erkenntnisse erweitern können. Wie weit dehnte sich der Brand aus? War die ganze Altstadt betroffen oder lediglich eine Häuserzeile? Wurden nach einem Brand andere Baumaterialien verwendet: Stein statt Holz? Wie viele und welche Fundstellen zum Vorschein kommen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Heidi Hess