Sie setzen Drohnen für friedliche Zwecke ein
18.09.2026 Region ReusstalRegion: Die Drohnengruppe der Zivilschutzorganisation Aargau Ost erhält immer mehr Aufträge, Fotos von Schadenplätzen zu machen
Der Mellinger Ramazan Halili ist im Zivilschutz Drohnenpilot, die freiwillige Zivilschützerin Jutta Kaminsky aus Fislisbach ...
Region: Die Drohnengruppe der Zivilschutzorganisation Aargau Ost erhält immer mehr Aufträge, Fotos von Schadenplätzen zu machen
Der Mellinger Ramazan Halili ist im Zivilschutz Drohnenpilot, die freiwillige Zivilschützerin Jutta Kaminsky aus Fislisbach möchte es werden. Sie gehören zu einem topmotivierten Team von rund 30 Personen.
Am Freitag, 28. August, wütete der Sturm besonders heftig auf dem Birrfeld und hinterliess eine Spur der Verwüstung. Ramazan Halili (36) war einer der Drohnenpiloten, die den Auftrag von der Zivilschutzorganisation Aargau Ost erhielten, zum Flugplatz zu fahren, mit der Drohne mit Weitwinkelkamera/Zoomfunktion die Situation zu erfassen und Aufnahmen vom Schadenplatz zu machen. «Wir unterstützen damit die Flugplatzfeuerwehr. Die Lage war unklar», sagt Halili rückblickend. «Es war heftig», erinnert er sich: Hangare waren beschädigt, Privatflugzeuge zerstört und das Gelände des Argovia-Fests verwüstet (drei Tage später war es wieder aufgebaut). Mit der Drohne wurden die Schäden dokumentiert. Später fertigte das Team ein 3-D-Bild an. Auch beim grossen Scheunenbrand Anfang August in Hilfikon, bei dem ein Heustock Feuer fing und aufs Gebäude übergriff, war der Zivilschutz im Einsatz. Er filmte die Glutnester, sodass die Feuerwehren wussten, wo genau sie löschen mussten.
Private Drohne in Niederwil getestet
Ramazan Halili , der mit seiner Familie in Mellingen wohnt, ist seit 2017 im Zivilschutz. Im Berufsleben ist er als Elektroinstallateur tätig. Daneben ist er ein begeistertes Mitglied des immer populärer werdenden Drohnen-Teams bei der Zivilschutzorganisation Aargau Ost. Diese hat ihren Sitz in Wohlen Nord, im selben Gelände wie Polizei und Feuerwehr. Halili interessiert sich schon lange für die Drohnentechnologie. «Ich hatte schon während der Corona-Zeit eine kleine Drohne, die zu Hause auf einem Gestell stand», erzählt er, «auf einem Weg zwischen Niederwil und Nesselnbach habe ich damals mit einem Kollegen gepröbelt, bis ein Bauer kam und uns fragte, was wir da machen.»
«DJI Enterprise gehört ins Museum»
Der Zivilschutzleistende freute sich, als er feststellte, dass der Zivilschutz auch eine Drohne besass. Damals war es eine kleine DJI Mavic 2. «Das Modell gehört heute ins Museum», sagt Halili schmunzelnd. Mittlerweile hat der Zivilschutz viel moderne Drohnen angeschafft (Typ M30 T). Es habe früher kein Einsatzkonzept bestanden, was man mit der Drohne genau anstellen sollte. Das sollte sich mit dem neuen Kommandanten ändern. Doch dazu später. Heute freut sich Halili richtig, wenn er wieder in Wohlen einrücken kann. «Wir sind ein Super-Team und es macht mir Spass», sagt er. Seine Primäreinteilung ist «Pilot», das ist die Person, welche die Foto-Drohne draussen bedient.
Dafür musste er einen Drohnen-Pilotenschein machen. Die private Ausbildung dauert rund eine Woche. «Wir lernten viel über das Wetter, die Wolkentypen, die Druckgebiete und die gesetzlichen Regelungen zum Drohneneinsatz in der Schweiz.» Er hat die Prüfung A1 gemacht, die grosse Prüfung (A2) muss beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) absolviert werden.
Sie leistet freiwillig Dienst
Ein weiteres Mitglied des Drohnenteams ist die 29-jährige Jutta Kaminsky, welche in Fislisbach aufgewachsen ist, wegzog und wieder zurückkam. Sie ist freiwillig im Zivilschutz und deshalb ultramotiviert. «Ich bin 1,5 Jahre dabei», sagt sie, «bei mir war von Anfang an klar, dass ich wegen der Drohnen komme, weil mich das interessiert.» Durch eine Internet-Recherche ist sie auf die Gruppe beim Zivilschutz Aargau Ost gestossen. Kaminsky hat Kommunikation studiert. «Aus Neugier und Begeisterung habe ich in einer Firma angefangen, mit Drohnen Aufnahmen für Firmenvideos zu machen.» Sie habe sich das Filmen mit den Drohnen selbst beigebracht. «Vor einigen Jahren waren Drohnen ein Spielzeug, jetzt werden sie immer mehr zum wirtschaftlichen Faktor», sagt die Zivilschutz-Leistende. Sie ist jeweils der Operator, welcher die Kamera aus dem Einsatzwagen heraus bedient. Später möchte sie ebenfalls den Pilotenschein absolvieren.
Neuer Kommandant gab 2023 Gas
Hinter all dem steht Sandro Magistretti (42), Kommandant der Zivilschutzorganisation Aargau Ost und Chef Regionales Führungsorgan. Der Aargauer aus Seengen mit Wurzeln im Tessin trat 2023 seine neue Stelle an. Vorher war er Chef Zivilschutz des Kantons Nidwalden. In Wohlen begann er alsbald mit Ambitionen ein Drohnenteam aufzubauen. «Ich bin nicht der Verwaltertyp und möchte etwas bewegen», sagt er. Die Skepsis sei am Anfang gross gewesen und man habe ihn gefragt, ob das zum Auftrag gehöre. Doch Magistretti ist ein Machertyp und überzeugte die politischen Behörden, dass seine Vision sinnvoll sei. Die ZS Organisation Aargau Ost wird von einem Gemeinde-Verband getragen, dem 26 Gemeinden aus verschiedenen Bezirken (darunter Baden und Bremgarten) angehören. «Ich legte ein Einsatzkonzept vor und konnte die politischen Behörden überzeugen und die nötige Legitimation schaffen», erklärt der Kommandant. Er pflege bei all seinen Stellen einen Grundsatz: «Nicht diskutieren, einfach machen. Denn schlecht reden kann man alles.»
Mit sieben «Drohnen-Freaks» begann er, innerhalb des Zivilschutzes ein neues Team aufzubauen. «Nach einem halben Jahr waren wir 15 und heute 30», sagt er. Dazu gehörte natürlich auch die Anschaffung von modernem Equipment. Die drei Drohnen kosteten ingesamt 23 000 Franken; sie sind wasserdicht, flugfähig bei Sturm und haben ein zweifaches Akkusystem. Zu den Drohnen gehört auch das Einsatzfahrzeug, das speziell ausgerüstet ist. Es funktioniere wie ein kleiner Tower in einem Flughafen. Auf Bildschirmen können die Zivilschützer im Inneren die Bilder live sehen. Bei den Drohnenfoto-Einsätzen braucht es jeweils einen «Chief of Mission», einen «Operator», der die Kamera bedient und einen ausgebildeten Drohnenpiloten draussen. Mit ein paar «Hardware-Trickli» habe es die Drohnengruppe auch geschafft, die Bilder via Microsoft Teams (Videotelefonie) zu übertragen. Man gaukle eine Webcam vor. Das Ganze kostet wenig, gibt der Kommandant zu bedenken. «Ein Helikopter-Flug, um Fotos zu machen, kostet 1500 Franken pro Stunde.» Die Dienste der Drohnengruppe werden deshalb zunehmend gerne in Anspruch genommen. Alle Partnerorganisationen wie Feuerwehren, Polizeien oder auch Gemeinden könnten ihre Dienste beanspruchen, erklärt Sandro Magistretti. Statt eine eigene Drohne zu kaufen. Denn der Zivilschutz verfügt jetzt zentral über das nötige Equipment. Laut dem Kommandanten stehe die Türe in Wohlen offen für Interessierte. «Feuerwehrleute, Förster oder andere Berufsgruppen können sich informieren.» Auch Personen für den Miliz-Führungsstab seien willkommen.
Marc Benedetti
Siehe auch www.zso-ago.ch





