Edith Nielsen wuchs auf am Zürichsee, arbeitete im Buchhandel in Neuchâtel, London, Zürich und Davos, ferner als Sekretärin von Zirkus Knie, bei BBC und Sterk-Kinos, und war tätig für Terre des Hommes und Helvetas. Sie wohnt beim Hexenturm in Mellingen.
Wann ...
Edith Nielsen wuchs auf am Zürichsee, arbeitete im Buchhandel in Neuchâtel, London, Zürich und Davos, ferner als Sekretärin von Zirkus Knie, bei BBC und Sterk-Kinos, und war tätig für Terre des Hommes und Helvetas. Sie wohnt beim Hexenturm in Mellingen.
Wann genau die ersten bei uns eintreffen, hängt jeweils vom Wetter ab. Bis zu 11 000 km lang ist ihre Route, wofür sie fünf volle Wochen lang fliegen, dies mit einer erstaunlichen mittleren Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h. Dabei orientieren sie sich nur an der Sonne und am Magnetfeld der Erde! Welch’ grossartige Leistung von diesen kleinen, bezaubernden Wesen, die sogar im Schlaf fliegen können, wobei sie zum Navigieren ein Auge offen behalten.
Im September hatten sie sich versammelt, um gemeinsam die weite Reise nach Afrika zu starten: über die Alpen, übers Mittelmeer und schliesslich über die Sahara. Wie unbedeutend erscheint mein eigenes Tun, wie armselig mein Ausdauervermögen gegenüber dem, was diese tapferen Flieger auf der langen Reise vollbringen! Und wie faszinierend sind für uns ihre waghalsigen Flugmanöver: Vollendete Akrobatik und pfeilschnelles Sausen haarscharf über dem Wasser! Fabelhaft!
So sehr man emotional wird, wenn die Schwalben wegziehen im Herbst, so beglückend ist es jetzt, wo uns ihr fröhliches Zwitschern und Plaudern wieder einen Sommer lang begleiten wird, und wir beobachten können, wie sie mit ihrem kleinen Schnabel an die 1000 (!) Erdklümpchen sammeln, um ein erstaunlich stabiles Nest an unsere Mauern und Dächer zu kleben.
Was sie manchmal auf ihrer Reise bei plötzlichem Wetterumsturz, bei Schnee und Nahrungsmangel durchstehen müssen, erzählen sie uns nicht. Bedauernswert ist, wenn sie manchmal völlig erschöpft bei uns eintreffen, hier aber in einen Kälteschub geraten! Es gibt dann fast keine Nahrung; eine Schwalbe braucht täglich viele hundert Insekten. Mit lahmem Flügelschlag kreisen sie dann verzweifelt über dem Wasser, wo keine Mücken sind ... Jeder Spatz findet ein Futterhäuschen, jede Meise weiss, wo Samenkugeln hängen, sogar für Greifvögel wird im Winter Fleisch auf Pfosten offeriert, – nur für einen hilfreichen Empfang der Schwalben können wir nichts tun.
Sorgen wir wenigstens dafür, dass es überhaupt noch Insekten geben wird in der Zukunft. Vielleicht schaffen wir es noch, das Ökosystem vor dem Kollaps zu retten? Wir wissen, dass weltweit 75 Prozent aller Fluginsekten verschwunden sind. Das ist krass! – Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die gezielt für Insekten wichtige Blumen und Pflanzen ziehen in jeder nur möglichen Ecke von Garten und Balkon, sogar am Fensterbrett. Lasst uns dazugehören! Es ist dringend.