Stetten: Die Ortsbürger machen vieles möglich in der Gemeinde, sprechen aber selten darüber. Wir tun es hier
Sie unterstützen das Vereinsleben mit Beiträgen, spendieren den grossen Weihnachtsbaum und betreiben eine eigene Heizung. Die Ortsbürger sind ...
Stetten: Die Ortsbürger machen vieles möglich in der Gemeinde, sprechen aber selten darüber. Wir tun es hier
Sie unterstützen das Vereinsleben mit Beiträgen, spendieren den grossen Weihnachtsbaum und betreiben eine eigene Heizung. Die Ortsbürger sind eine stille, wertvolle Kraft im Hintergrund.
Manche Gemeinden haben die Ortsbürgergemeinde abgeschafft. Stetten hält daran fest. Die Gemeinde hat aktuell rund 2500 Einwohnerinnen und Einwohner. 136 von ihnen sind stimmberechtigte Ortsbürgerinnen und Ortsbürger. Sie stammen aus den alteingesessenen Familien im Dorf. Die Fischers, Humbels, Hunns, Hüssers, Kochs, Meiers, Scheuermann oder Kollers waren früher oft Landwirte, teilweise sind sie es bis heute. Herbert Fischer hatte einen anderen Beruf. Er ist der aktuelle Präsident der Ortsbürger-Finanzkommission. «Praktisch alle Landwirte sind Ortsbürger», weiss er, «wir haben aber auch Mitglieder aus anderen Berufen.» Bedingung für die Ortsbürgerschaft ist, dass die Person effektiv in Stetten wohnt (und nicht nur von dort stammt). Praktisch der ganze Stetter Wald gehört den Ortsbürgern. «Wir betreiben – zusammen mit Künten, Tägerig, Niederwil und Niederrohrdorf – den Forstbetrieb Reusstal. Er ist eine Organisation der Ortsbürger», erklärt Herbert Fischer. Darüber hinaus ist laut dem Aargauer Gemeindegesetz die Unterstützung und Förderung der Kultur in der Gemeinde eine ehrenvolle Aufgabe und eine schöne Tradition der Ortsbürgerschaft. Alle Vereine in Stetten erhalten deshalb jährlich einen schönen Obolus in ihre Vereinskasse. So unterschiedliche Aktivitäten wie das Turnen, der Schulsport, der Naturschutz, der Kirchenchor und andere bekommen einen Zustupf. «Wir zahlen auch einen Batzen an den Altersausflug», erklärt Fischer. Die Ortsbürger spendieren auch jedes Jahr den grossen Weihnachtsbaum, der auf dem Dorfplatz steht und das Dorf mit seinen Lichtern verzaubert. Er kommt jeweils aus dem Stetter Forst.
Holzschnitzelheizung hat 57 Kunden
Seit neun Jahren betreiben die Ortsbürger ausserdem eine moderne Holzschnitzelheizung in einem unterirdischen Raum, der an die Schulanlage angrenzt. «Am 14. April 2017 fand der Spatenstich für die Heizzentrale statt», erinnert sich der Stetter Gemeindeammann Stephan Schibli. Im Herbst 2017 ging sie in Betrieb. Schibli ist zwar selbst nicht Ortsbürger, leitet jedoch von Amtes wegen die Versammlungen. Er findet die Wärmezentrale eine gute Sache: «Sie hat 1,3 bis 1,4 Megawatt Leistung. Wir sparen damit bis zu 400 000 Liter Heizöl im Jahr.» Die Idee war, umweltfreundliche Heizenergie mit dem Rohstoff aus dem Stetter Wald für Abnehmer zur Verfügung zu stellen. Weil die Holzpreise damals am Boden waren, eine sinnvolle und klimaneutrale Verwendung für das einheimische Holz. Zwei Holzschnitzelöfen produzieren die Wärme für kommunale und private Liegenschaften. Inzwischen sind 57 Kunden angeschlossen, dazu gehört die Schule, die Gemeinde, Restaurants, Mehrfamilienhäuser und Private. Auch die Zentrums-Überbauung, die Überbauung Öpfelbaum und weitere Überbauungen werden so beheizt. Das Leitungsnetz ist zwei Kilometer lang.
Die Ortsbürgerversammlung findet übrigens immer am Freitagabend in derjenigen Woche statt, in der die Einwohner-Gemeindeversammlung angesetzt ist. Diese findet mittwochs statt. Die politische Gemeinde erstellt die Jahresrechnung und das Budget für die Ortsbürgerversammlung. «Diese Tradition will der aktuelle Gemeinderat weiterführen und ausbauen», sagt Stephan Schibli. Als Dank für ihr Engagement fürs Dorf bekommen die Ortsbürgerinnen und -bürger immer ein feines Nachtessen spendiert.
Marc Benedetti