So soll der Verkehr in Zukunft flüssiger werden
23.10.2026 Region ReusstalRegion: Fünf Fachleute vom Kanton informierten zum Thema Mobilität im Raum Mutschellen-Reusstal-Kelleramt
Rund 100 Personen informierten sich kürzlich in Bremgarten über die Mobilitätspläne des Kantons. Im Fokus standen der öffentliche Verkehr, ...
Region: Fünf Fachleute vom Kanton informierten zum Thema Mobilität im Raum Mutschellen-Reusstal-Kelleramt
Rund 100 Personen informierten sich kürzlich in Bremgarten über die Mobilitätspläne des Kantons. Im Fokus standen der öffentliche Verkehr, das Verkehrsmanagement und konkrete Strassenprojekte in der Region.
Der öffentliche Verkehr in der Region soll weiter ausgebaut werden. Ab 2027 ist etwa vorgesehen, den 15-Minuten-Takt der Bremgarten-Dietikon-Bahn auch am Sonntagmorgen anzubieten. Denn während sich die Pendlerzeiten seit der Corona-Pandemie eher stagnierend entwickeln oder teilweise zurückgehen, nimmt der Freizeitverkehr zu. In den vergangenen sieben Jahren ist die Nachfrage in diesem Bereich um 19 Prozent gestiegen. «Wir reagieren auf dieses veränderte Verhalten», sagte Jonas Lucas von der Abteilung Verkehr. Weiter sind zusätzliche Busverbindungen zwischen Berikon-Widen und Zürich geplant. Grundsätzlich soll der Bus in der Region häufiger verkehren: Angestrebt wird ein 30-Minuten-Takt, auf nachfragestarken Linien sogar ein Viertelstundentakt.
Mobilität als Gesamtsystem
Solche Ausbaupläne standen kürzlich im Casino Bremgarten im Mittelpunkt. Viele Interessierte aus der Region waren der Einladung des Regionalplanungsverbands Mutschellen-Reusstal-Kelleramt (Repla MRK) gefolgt, der erstmals eine öffentliche Informationsveranstaltung durchführte.
Unter dem Titel «Wie entwickelt sich die Mobilität in der Region Mutschellen-Reusstal-Kelleramt?» informierten fünf Fachleute des Kantons über die künftige Verkehrsplanung. Dabei wurde schnell deutlich, dass es nicht nur um neue Busverbindungen oder einzelne Strassenprojekte geht. Die Mobilität in der Region soll als Gesamtsystem betrachtet werden.
Der öffentliche Verkehr ist dabei nur ein Teil des Gesamtbildes. Grundlage für die weiteren Planungen bildet die überarbeitete Strategie «mobilitätAargau». Sie soll nicht nur die Wohnqualität, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigen. Gerade für die Region Mutschellen-Reusstal-Kelleramt sei eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur wichtig, da der Dienstleistungssektor hier eine bedeutende Rolle spiele.
150 Millionen Franken für Projekte
Für die Region bedeutet dies vor allem, das bestehende Verkehrsnetz gezielt weiterzuentwickeln. Nicht überall sollen neue Strassen entstehen. Vielmehr geht es darum, Engpässe zu beseitigen, bestehende Infrastruktur besser zu nutzen und Ausbauten dort vorzunehmen, wo sie tatsächlich notwendig sind. «Es ist wichtig, miteinander zu arbeiten, um den Mobilitätsbedarf abzudecken», sagte Dominik Kramer, Leiter der Sektion Verkehrsplanung.
Wie gross das laufende Volumen ist, zeigte Martin Bühler auf, er ist Leiter Realisierung bei der Abteilung Tiefbau. Seit 2016 konnten in der Region rund 40 Projekte abgeschlossen werden. 36 weitere sind derzeit in Arbeit, kleinere Massnahmen nicht eingerechnet. Bei 18 Projekten soll in den kommenden zwei Jahren mit dem Bau begonnen werden. Das aktuelle Investitionsvolumen beträgt rund 150 Millionen Franken – im Vergleich mit anderen Regionen ein überdurchschnittlich hoher Wert.
Zu den bereits abgeschlossenen Vorhaben gehören unter anderem die aufgewerteten Ortsdurchfahrten in Berikon, Eggenwil und Unterlunkhofen. Weitere Projekte laufen in Widen, Bremgarten, Niederwil, Rottenschwil und Arni. Doch besonders am Mutschellen und rund um Bremgarten bleiben die Herausforderungen gross.
Besonders komplex ist die Situation am Knoten Mutschellen. Seit 2009 wurden verschiedene Varianten untersucht. Eine vollständige Entflechtung von Bahn und Strasse wäre allerdings teuer und würde die Verkehrsprobleme teilweise lediglich an andere Knoten verschieben. «Damit lösen wir die Probleme nicht, sondern verlagern sie nur», lautete die Einschätzung.
Deshalb setzt der Kanton zunächst auf ein dreistufiges Vorgehen. Bereits umgesetzt wurden Sofortmassnahmen, etwa die Rechtsabbiegespur von Rudolfstetten-Friedlisberg nach Widen. Als Nächstes soll das Verkehrsmanagement konkretisiert werden. Ab 2028 sind unter anderem Dosierungen, Steuerungen und Busbevorzugungen vorgesehen. Erst danach soll beurteilt werden, ob ein Ausbau des Mutschellenknotens tatsächlich nötig ist.
Bibenlos soll den Anfang machen
Während am Mutschellen zunächst das Verkehrsmanagement im Vordergrund steht, ist beim Knoten Bibenlos in Bremgarten die Planung bereits weiter. «Diesen Knopf müssen wir zuerst lösen», betont Bühler. Er bildet einen besonders wichtigen Engpass. Der Knoten soll ausgebaut und leistungsfähiger werden. Vorgesehen sind zusätzliche Spuren und eine Lärmschutzwand. Die Fussgängerpasserelle bleibt bestehen, gleichzeitig soll das Rechtsabbiegen im Bereich der Fussgänger verbessert werden. Die beiden Bushaltestellen werden saniert und hindernisfrei gestaltet. Der Schwanenabzweiger soll aufgehoben werden. Die Projektierungsgenehmigung liegt inzwischen vor und wurde vom Regierungsrat abgesegnet. Nun steht der Landerwerb an. Der Baubeginn ist für Frühling 2028 vorgesehen, die Bauzeit wird auf rund zweieinhalb Jahre geschätzt.
Anschliessend rückt die Umfahrung Bremgarten in den Fokus. Auch dort stehen Sanierungsarbeiten an. Die öffentliche Auflage soll demnächst starten, ein Baubeginn wäre 2029 möglich. Für die Bauzeit wird mit rund einem Jahr gerechnet. Beide Projekte sollen aufeinander abgestimmt werden. «Erst wenn wir wissen, wie es kommt, und alle Baueingaben durchkamen, beginnen wir zu bauen», erklärte Bühler.
Verkehr gezielt steuern
Bibenlos und die Umfahrung sind Teil eines grösseren Verkehrsmanagements. Dieses soll dafür sorgen, dass der vorhandene Strassenraum möglichst effizient genutzt wird. Busspuren, Busbevorzugungen und Zuflussdosierungen sollen dabei zusammenspielen. «Das Optimum aus dem Bestehenden herausholen ist das Ziel», lautete die Botschaft. Das Verkehrsmanagement könne den Verkehr allerdings nicht reduzieren. «Es kann ihn lenken und die bestehende sowie die im Aufbau befindliche Infrastruktur effizienter nutzen», erklärt Daniel Fagone, Projektleiter Verkehrsmanagement des Kantons. Für die Region Mutschellen-Reusstal-Kelleramt wurde bereits 2024 gemeinsam mit den Gemeinden ein Konzept erarbeitet. Nun läuft die Umsetzungsplanung. Unter anderem sind Vorprojekte für Pegasus/Fohlenweid in Bremgarten und den Knoten Mattenhof in Berikon in Arbeit. Auch auf der Strecke Bellikon–Widen sind Dosierung und eine Busspur vorgesehen. Rückstaus sollen möglichst ausserhalb der Siedlungsgebiete gehalten werden, um den Verkehrsfluss auf dem Hauptverkehrsstrassennetz zu stärken. Die Sädelstrasse und die Umfahrung Bremgarten sollen dabei eine wichtige Rolle übernehmen.
Nicht immer einer Meinung
Gerade solche Massnahmen zeigen, wie eng die einzelnen Projekte miteinander verbunden sind. Die Sädelachse ist aufgrund des Verkehrswachstums der vergangenen Jahre an ihre Belastungsgrenze gekommen. Der Kreisel Mattenhof gilt als Engpass. Auf der Umfahrung Bremgarten sind es der Knoten Bibenlos und der Pegasus-Kreisel. Das Publikum machte denn auch deutlich, dass jede Veränderung Auswirkungen auf andere Orte haben kann. Bremgartens Stadtammann Stefan Troxler sprach sich dafür aus, den Pegasus-Kreisel beizubehalten. Er funktioniere. Eine Lichtsignalanlage, wie sie im Moment vorgesehen ist, bringe das Gegenteil, ist Troxler überzeugt. Und Alain Maître, Ammann von Oberlunkhofen, warnte vor zusätzlichem Verkehr in seiner Gemeinde, falls eine Dosierung am Sädel den Verkehr auf andere Routen verlagert. Bereits heute sei die Situation dort am Limit. Die Kantonsvertreter versicherten, die Auswirkungen beim Monitoring grosszügig zu berücksichtigen.
Viele Einzelteile, ein Verkehrssystem
Genau diese gegenseitigen Abhängigkeiten wollte die Repla mit ihrem ersten öffentlichen Anlass sichtbar machen. «Die Verkehrsplanung bleibt eine Herausforderung», weiss Dominik Studer, Kantonsingenieur Abteilung Tiefbau. Und eines ist sicher – die Mobilität der Region wird die Gemeinden und den Kanton deshalb noch lange beschäftigen. bba
Autonomes Fahren beschäftigt
Die Mobilität hat viele Facetten. Nicht nur der öffentliche und der Individualverkehr werden strategisch bearbeitet. Auch der Langsamverkehr soll bei den Planungen nicht zu kurz kommen. Die Strategie sieht eine Förderung des Veloverkehrs vor. Die kantonale Velonetzrevision ist dabei ein wichtiges Element mit einem Planungshorizont bis 2040 beziehungsweise 2050. Beim Fussverkehr habe der Kanton nicht die gleichen Möglichkeiten wie die Gemeinde. Deshalb obliegt dies hauptsächlich den Kommunen. Aber auch hier sei eine gute Abstimmung miteinander wichtig.
Beim Kanton sei auch das autonome Fahren topaktuell. «Es wird kommen», weiss Jonas Lucas, «und zwar bald.» Erst recht beim öffentlichen Verkehr. Es sei auch immer schwieriger geeignete Busfahrer zu finden. Die Strategie dafür sei ein wichtiger Auftrag, weiss auch der Leiter der Sektion Verkehrsplanung Dominik Kramer. bba


