Spatenstich zu Wasser und zu Lande
16.05.2026 Fischbach-GöslikonFischbach-Göslikon: Im Gebiet Grien erhält die Reuss mehr Platz. Es entstehen ein Seitenarm und eine Insel
Nach über 200 Jahren erhält die Reuss im Grien ihren ursprünglichen Seitenarm zurück. Der Spatenstich dazu erfolgte am Mittwoch mit Vertretern ...
Fischbach-Göslikon: Im Gebiet Grien erhält die Reuss mehr Platz. Es entstehen ein Seitenarm und eine Insel
Nach über 200 Jahren erhält die Reuss im Grien ihren ursprünglichen Seitenarm zurück. Der Spatenstich dazu erfolgte am Mittwoch mit Vertretern der Politik, des Kantons, Fachstellen und Pro Natura Aargau.
Es ist ein Generationenprojekt» sagte Matthias Betsche, Geschäftsführer Pro Natura Aargau in seiner Ansprache zum Spatenstich. «Es ist schön mitzuerleben, dass hier etwas geschaffen wird, wo schon einmal die Reuss floss.» Beim 2,15-Millionen-Franken-Projekt wird ein neuer 250 Meter langer und bis zu 20 Meter breiter Seitenarm gegraben und eine vorgelagerte Insel angelegt. Die alten Uferverbauungen aus Stein und Beton werden entfernt, das Reussufer neu gestaltet. «Es wird ein wertvoller Lebensraum für seltene Tierarten entstehen. Dieses Projekt kann nur realisiert werden, weil verschiedene Akteure, wie Gemeinden, Kanton und Pro Natura zusammenarbeiteten und Hand boten. Das Auenprojekt und der geplante Fussgängersteg zwischen Künten und Fischbach-Göslikon mussten sich grossen Herausforderungen stellen, sind aber wertvoll für nachfolgende Generationen», so Betsche.
Spatenstich mit Bootsfahrt
War Anfang Woche das Wetter noch garstig, zeigte sich dieses zum Spatenstich am Mittwochmorgen von der besten Seite. Nach der Ansprache durch Matthias Betsche erwartete die anwesenden Gäste eine Überraschung. Der Spatenstich wurde zuerst auf der Reuss mit einer Gummibootsfahrt begonnen und danach mit Pickel und Spaten an Land vollzogen. Doch bevor es losging mussten die Besuchenden unter der Anweisung von Christoph Flory, stv.
Geschäftsführer Pro Natura Aargau, Projektleiter der Auenrenaturierung, River Rafting Guide und ehemaliger Niederwiler das Boot zu Wasser lassen. Auf der Fahrt war aber nicht nur paddeln angesagt, sondern Flory unterhielt mit Hintergrundinfos. «Bereits 1811 wurde die Reuss erstmals begradigt und die Flussschleife hier abgetrennt», führte er aus. Der frisch gegründete Kanton habe dafür ein Drittel des Staatsbudgets investiert. Gebuddelt sei damals von Hand worden. Nach den Ausführungen wurde punktgenau bei der Sandbank wieder angelegt. Vor einer Infotafel erläuterte Ulysses Witzig, Projektleiter Auenrenaturierung Grien und ehemaliger Niederwiler, das Projekt. Er hob hervor, dass wertvolle Lebensräume entstehen. So werden Steinmauern im vorderen Bereich Laichplätze für Fische bieten. Der Aushub für den neuen Flussarm wird teilweise für die vorgelagerte Insel verwendet, der Rest für Rekultivierungen. Durch die verschiedenen Strömungsverhältnisse im Seitenarm entstehen zudem neue Kies- und Sandbänke. Diese Strukturen fördern bedrohte einheimische Pflanzen und Tiere. Doch auch Besuchende kommen nicht zu kurz. So wird die in der Region beliebte Sandbank bestehen bleiben und ein Grillplatz angelegt. Der bisherige Reussweg wird verlegt und ab der Sandbank entlang des neuen Seitenarms bis zum geplanten Reusssteg führen. Während der Bauzeit können die Bauarbeiten von einem Holz-Aussichtsturm verfolgt werden.
Meilenstein im Auenschutz
2010 konnte Pro Natura das Land von der Armee abkaufen, die Planung für die Auenrenaturierung begann bereits 2015. Verschiedene Einsprachen von den Gemeinden Künten und Fischbach-Göslikon blockierten das Vorhaben. 2025 gelang durch Landabtausch mit der Gemeinde Niederwil der entscheidende Schritt, Einwendungen wurden zurückgezogen und die Baubewilligung erteilt. Mit dem Spatenstich erfolgte nun der Startschuss für das Projekt. Wegen der starken Regenfälle anfangs Woche ist der Boden aufgeweicht, die Bagger werden gemäss Patrick Huber, Bauführer der Eberhard Bau AG, daher erst übernächste Woche auffahren. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich bis im November beendet sein. Dann erfolgt der Durchbruch zur bestehenden Reuss – der neue Seitenarm wird geflutet. Bauleiter Jakub Niemiec sagte vor Ort: «Ich bin gespannt, wie der Durchbruch vonstatten geht.» Christian Rechsteiner, Auenschutzbeauftragter der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons fügte an: «Das Projekt ist ein Meilenstein und Bestandteil des Kantonalen Auenschutzprogramms.»
Debora Gattlen

