Starkstromleitung ging mit einem Feuerball zu Boden
01.09.2026 Region ReusstalGewittersturm: Die Sturmböen zogen über Birrhard und hinterliessen viele Schäden. Starkstrommasten aus Beton knickten um wie Zündhölzer
Entlang der A1 knickten acht Betonmasten infolge der heftigen Sturmböen ein. Einer der Masten beschädigte die ...
Gewittersturm: Die Sturmböen zogen über Birrhard und hinterliessen viele Schäden. Starkstrommasten aus Beton knickten um wie Zündhölzer
Entlang der A1 knickten acht Betonmasten infolge der heftigen Sturmböen ein. Einer der Masten beschädigte die Tennishalle und ein weiterer ein Gewerbegebäude. Es kam auch zu Schäden an Bäumen, Feldern und Häusern.
Gemäss Augenzeugen in Birrhard dauerte der heftige Sturm nur etwa zehn Minuten. Auch Heinz Wüst, Landwirt aus Birrhard, war mitten drin. Er wollte in Wohlenschwil Gras abbringen. Als ihn auf der App die Warnmeldung erreicht, schaute er auf dem Wetterradar nach. Obwohl es darauf aussah, als wenn die Gewitterfront nicht direkt über Birrhard ziehen würde, kehrte er ohne eine Fuhre Gras umgehend zurück. Doch bereits waren auf dem direkten Weg Bäume auf die Nebenstrassen gestürzt. «Ich musste kreuz und quer fahren, um nach Hause zu kommen», sagt er. Nebst den starken Windböen sei der Hagel schlimm gewesen. Dieser hätten seine zwei Maisfelder, die ansonsten schon wegen der Trockenheit im Sommer litten, noch den Rest gegeben. Der Mais liegte platt am Boden, sagt er. Überall sei Hagel um sein Bauernhaus gelegen und die Werkstatt sei geflutet worden. Zudem rissen Windböen zwei Bäume um. Drei Rinder, die während des Gewitters auf der Weide standen, hätten dies zum Glück überstanden. «Für zehn Minuten Sturm, müssen wir nun sicherlich zwei Tage aufräumen», sagt er.
Feuerball von Stromleitungen
Rolf Haller, Inhaber der Haller Lohnunternehmen, unterstützte nach dem Gewitter die Feuerwehr mit seinen Angestellten bei der Verkehrsregelung im Dorf. Er sagte, er habe so etwas noch nie erlebt, dass Betonstrommasten abbrechen. Er selbst habe im Dorf keine Schäden davongetragen. Dafür sei auf seinem Land auf dem Birrfeld das Argovia-Fest stark betroffen. «Es steht auf dem Haller-Boden fast nichts mehr, was bereits für das Argovia-Fest aufgestellt wurde.» Das Ausmass der Verwüstung wurde auch bei der Autobahnunterführung der Birrhardstrasse ersichtlich. Einer der acht umgeknickten Strommasten lag auf dem Dach eines Gewerbegebäudes. Bruno Sigel regelte dort den Verkehr. Nicht weit von ihm berührten die vom Wind heruntergerissenen Starkstromleitungen die Fahrbahn. Sigel ist Mitglied der Feuerwehr Regio Mellingen. Er war privat unterwegs zur Entsorgungsfirma in Wildegg. In Birrhard geriet er kurz vor der Unterführung mit seinem Auto in das Gewitter. Zuerst sei er langsam gefahren. «Ich musste stoppen, da ich nichts mehr sah. Plötzlich sah ich einen Feuerball», sagt Sigel. «Er habe zuerst gedacht, dass vor ihm ein Blitz eingeschlagen sei. Donner habe er aber nicht gehört. «Als der Regen nachliess, sah ich, dass der Feuerball von den heruntergerissenen Starkstromleitungen stammte. Sigel reagierte sofort, alarmierte die Feuerwehr und die Polizei, legte die Warnweste an und sorgte dafür, dass niemand in die Leitungen fuhr.
Halbe Scheune wurde abgedeckt
An der Hinterreistrasse köpfte der Sturm im Garten von Daniel Fuchs zwei von fünf mächtigen Rottannen. Eine Spitze fiel unweit seines Hauses auf den Rasen. «Wir hatten Glück im Unglück. Am Haus ist nichts passiert.» Nicht so glimpflich kam Familie Widmer davon, die nicht weit entfernt wohnt. «Es war wie der Weltuntergang», sagen sie. «Bei uns steht nur noch die halbe Scheune, fast das ganze Dach wurde abgedeckt ...»
Im Einsatz standen wegen der heruntergerissenen Starkstromleitung die Feuerwehr Eigenamt und die Feuerwehr Regio Mellingen bis gegen Abend. «Wir konnten die Umleitung am Birrfeldkreisel in Mellingen um 17.30 Uhr aufheben», so Patrick Schibli, Kommandant der Feuerwehr Regio Mellingen.
Der Forstbetrieb Birretholz plante am Freitag einen Betriebsausflug. Dieser fiel wegen des Sturms ins Wasser. Stattdessen war das Team wegen umgestürzten Bäumen im Einsatz. «Unser Forst-Team rückte sofort aus, als der Sturm nachliess», so Markus Lüthy, Betriebsleiter des Forstbetriebs Birretholz. Als erstes seien sie die Birrfeldstrasse abgefahren. «Es lagen diverse Bäume quer über der Strasse», so Lüthy. «Wir erhielten auch viele Anrufe von privaten Personen wegen umgestürzten Bäumen», sagt er. «Es ist besser ein Profi die Arbeit verrichten zu lassen, als selbst Hand anzulegen.»
Autolenker unter Baum begraben
Auf der Sulzerstrasse in Stetten verunfallte ein Autolenker. Die Repol Rohrdorferberg rückte aus. Mehrere Bäume waren auf die Strasse gestürzt – ein Baum traf das Auto. Im Fahrzeug wurden dadurch sämtliche Airbags ausgelöst. Der Fahrer konnte selbstständig aussteigen, erlitt jedoch Schnittverletzungen. Er wurde zur Abklärung mit der Ambulanz ins Kantonsspital Baden gebracht. «Glück im Unglück war, dass sich keine Beifahrerin oder kein Beifahrer im Auto befand. Da der Baum auf diese Seite fiel, wären die Folgen fatal gewesen», sagt Daniel Bodenmann, stellvertretender Polizeikommandant. Das zufällig anwesende Forstamt half bei der Beseitigung des Baumes. Anschliessend konnte das Fahrzeug durch den Abschleppdienst Gratwohl aus Nesselnbach abtransportiert werden.
Die Feuerwehr Niederwil/Fischbach-Göslikon musste gleich mehrmals ausrücken. Auf der Tägerigerstrasse waren unweit vom Gnadenthal gleich mehrere Bäume umgestürzt und mussten mit Unterstützung vom Forstbetrieb Reusstal von der Fahrbahn entfernt werden. Auch bei den Weihern zwischen Nesselnbach und Tägerig gab es umgestürzte Bäume. Zusätzlich musste die Mannschaft kurz vor dem Unwetter wegen eines Brandes beim Recycling Center Freiamt in Nesslenbach ausrücken. Mitarbeitende konnten aber bereits den grössten Teil selbst löschen.
Bäume von Sturm abgedreht
Starke Sturmschäden am Wald gab es auf Birmenstorfer Boden. «Wir werden uns am Montag ein genaues Bild vom Ausmass der Schäden machen und mit den Aufräumarbeiten beginnen», sagt Raffael Amsler, Resvierleiter des Forstbetriebs Brugg. «Das Schadensgebiet liegt im Wald unterhalb der Fislisbacherstrasse.» Der Sturm hinterliess dort eine riesige Schneise – die Bäume sind alle auf circa drei Meter Höhe abgedreht. «Wir bitten die Bevölkerung, die Waldgebiete in Birmenstorf in den kommenden Wochen zu meiden. Es besteht eine erhebliche Gefahr durch die vom Sturm beschädigten und instabilen Bäume», so Raffael Amsler. Auch Bäume die noch stehen, könnten jederzeit abbrechen und umfallen. Aufgrund des grossen Schadenausmasses werden die Aufräumarbeiten mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
In 17 Gemeinden des Kantons fiel zudem während des Gewitters, um 9.30 Uhr, der Strom aus. Betroffen waren gemäss der AEW Energie AG im Einzugsgebiet des «Reussbote» Künten, Niederrohrdorf, Oberrohrdorf, Remetschwil und Stetten.
Debora Gattlen






