«Swiss made»-Geräte aus dem Aargau
20.03.2026 Stetten«Spraypower seit 150 Jahren» lautet der Slogan der Birchmeier Sprühtechnik AG – die Firma feiert 2026
Die Birchmeier Sprühtechnik AG aus Stetten feiert 2026 ein stolzes Jubiläum. 150 Jahre alt wird die Firma, «welche die Welt besprüht». Was ...
«Spraypower seit 150 Jahren» lautet der Slogan der Birchmeier Sprühtechnik AG – die Firma feiert 2026
Die Birchmeier Sprühtechnik AG aus Stetten feiert 2026 ein stolzes Jubiläum. 150 Jahre alt wird die Firma, «welche die Welt besprüht». Was 1876 in Künten als kleine Metallwarenfabrik Egloff & Trost begann (später in Trost & Cie umbenannt), ist heute ein Schweizer Vorzeigeunternehmen mit exportierter «Sprüh-Power» in über 80 Länder. «Neben der Schweiz sind unsere Hauptabsatzmärkte Europa und die USA», erklärt Geschäftsführer Jörg Lembachner. Der grosse Coup gelang schon 1890: Johann Babtist Birchmeier erfand die weltweit erste Rückenspritze. Damals ein Mittel gegen die Rebenkrankheit Mehltau in Europas Weinbergen, heute ein Symbol für Schweizer Erfindergeist. Birchmeier Sprühtechnik liefert bis heute robuste Qualitätsgeräte mit Kultstatus – vom Handsprüher bis zum Hightech-Sprühgebläse AS 1200. Entwickelt und produziert wird das alles an der Adresse Stetterfeld 1. 60 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. Dazu kommen Temporärkräfte in der jetzt beginnenden Hauptsaison. Jörg Lembachner erlaubt im Interview einen Blick hinter die Kulissen des stark exportorientierten Unternehmens. (mbe)
Qualitätsprodukte werden in 80 Länder exportiert
Das Traditionsunternehmen Birchmeier Sprühtechnik feiert seinen 150. Geburtstag – das «Reussbote»-Interview mit dem Geschäftsführer
«Swiss made» aus dem Aargau: Die Birchmeier Sprühtechnik AG exportiert ihre in Stetten entwickelten und produzierten Geräte in die ganze Welt. Eine Erfolgsgeschichte, die vor 150 Jahren in Künten mit Haushaltwaren aus Blech begann.
Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1876 zurück, als es unter dem Namen Egloff & Trost Cie in Künten als Metallwarenfabrik gegründet wurde. Ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte war die Entwicklung der weltweit ersten Rückenspritze im Jahr 1890 – eine Erfindung von Johann Babtist Birchmeier, die ursprünglich zur Bekämpfung des echten und falschen Mehltaus in den europäischen Weinbergen diente. Heute sind die robusten, funktionalen und wartungsfreundlichen Birchmeier-Sprühgeräte aus Gartenbau, Landwirtschaft, Bau und Reinigung nicht mehr wegzudenken und in über 80 Ländern weltweit im Einsatz. Darüber hinaus war «Birchmeier», wie das Unternehmen in der Region kurz genannt wird, von jeher ein wichtiger Arbeitgeber im Reusstal und am Rohrdorferberg. Im Exklusiv-Interview erlaubt Geschäftsführer Jörg Lembachner einen Blick hinter die Kulissen und blickt in die Zukunft, wo Künstliche Intelligenz Menschen und Unternehmen helfen könnte. Als Herausforderung für eine stark exportorientierte Firma bezeichnet Lembachner den starken Schweizer Franken.
◆ Herr Lembachner, was haben Sie heute morgen als erstes gemacht?
Lembachner: Ich habe mit einem unserer Vertreter in Asien gesprochen.
◆ Erfüllt Sie als Geschäftsführer der Birchmeier Sprühtechnik AG das 150-Jahre-Jubiläum mit einem gewissen Stolz?
Natürlich. Wir sind ja auch international unterwegs. In den USA gibt es wenige 150 Jahre alte Firmen, dasselbe gilt für Asien. Aber auch in der Schweiz ist es ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, dass hervorsticht. Wir sind stolz, das wir über 150 Jahre als KMU-Unternehmen produzieren können. Das erfüllt mich durchaus mit Stolz. Ich bin seit 25 Jahren dabei und habe einen Grossteil meiner Karriere damit verbracht, zusammen mit Jürg Zwahlen und unserem Kader einen Beitrag zu leisten, dass die Firma erfolgreich unterwegs ist und es hoffentlich auch in Zukunft bleiben wird.
◆ Was können Sie uns über die Anfänge des Unternehmens erzählen?
Die Firma Birchmeier entstand 1876 in Künten. Über die Zeit haben sich im Reusstal verschiedene Firmen angesiedelt, die Blech verarbeiteten; wir sprechen immer vom «Blech-Valley». Birchmeier war am Anfang eine Lampen- und Blechwaren-Fabrik und stellte Back-Förmchen und Kochutensilien aus Blech her.
◆ Birchmeier war lange in Künten zu Hause und hat den Sitz später nach Stetten verlegt. Wie kam das?
Das ist korrekt. 1997 zog die Firma, welche damals die Besitzer wechselte, nach Stetten um, weil ein passendes Gebäude leer stand. Aber es gibt noch Spuren in Künten, die an unsere Geschichte erinnern. Die früheren Birchmeier-Gebäude im Industriepark von Künten zum Beispiel. Sie gehören uns aber nicht mehr. Die Birchmeier-Krankenkasse heisst zwar so, ist aber eigenständig.
◆ Gibt es noch einen Bezug zur Gründerfamilie, die den Namen gegeben hat?
Nein. Die Firma ist seit 1995 in Privatbesitz, ist eine Aktiengesellschaft und hat seither zwei Mal den Besitzer gewechselt.
◆ Ist Birchmeier Sprühtechnik börsenkotiert?
Nein. Darum sind wir mit Zahlen zum Umsatz oder Geschäftsgang relativ zurückhaltend.
◆ Wie feiert Birchmeier Sprühtechnik sein 150-Jahre-Jubiläum?
Das eine ist sicher, dass wir mit unseren Mitarbeitern verschiedene Feste über die zwölf Monate feiern werden. Wir haben nicht einen «Big-Bang», sondern feiern vom 1. Januar bis 31. Dezember. Anfang Jahr haben wir eine Jubiläumszeitung herausgegeben, in der auch die Mitarbeiter und Kunden einen Beitrag platzieren konnten. Unser traditionelles Grillfest im Sommer wird diesmal ein wenig ausgebaut, ebenso das Weihnachtsessen. Dazu haben wir, für die Mitarbeiter, verschiedene Aktionen über das Jahr verteilt geplant.
◆ Interessant. Was gibts denn im Monat März für die Belegschaft?
Unsere Hausbank hat extra ein Gratulationsvideo (Reel) für uns gedreht und jedem Mitarbeiter ein süsses Geschenk mit Glückwunschbanderole gemacht. Anlässlich der Video-Präsentation haben wir diese Glückwünsche an die Mitarbeiter weitergegeben.
◆ Gibt es 2026 weitere Jubiläumsaktivitäten?
Nach aussen haben wir unsere Ausstellungen, die wir punkto Jubiläum ausbauen. Alle unsere Produkte sind speziell markiert mit unserem Jubiläums-Logo. So werden die Kunden und die Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass wir ein Jubiläum feiern. Dazu können sie an unserem Jubiläumswettbewerb teilnehmen. Es wird auch verschiedene Aktionen und Events geben, vor allem mit unseren Vertriebspartnern.
◆ Worauf führen Sie zurück, dass die Firma schon so lange besteht?
Qualität und Innovationen sind die zwei Haupttreiber in den letzten 150 Jahren. Schlussendlich hat das Birchmeier immer ausgezeichnet. Als Schweizer Unternehmen, das schon immer international ausgerichtet war, müssen wir uns punkto Qualität auszeichnen. Die gute Reputation der Schweiz nützt uns dabei. Auf der anderen Seite haben wir auch die Schweizer Rahmenbedingungen, die nicht ganz einfach sind. Dafür haben wir auch den Vorteil, dass wir mit dem Qualitäts-Image der Schweiz arbeiten können. Birchmeier Sprühtechnik hat immer die innovativsten Produkte und betreibt einen grossen Entwicklungsaufwand. Wir bringen immer wieder Neuheiten heraus, die uns unterscheiden und uns Aufmerksamkeit geben. Nicht zuletzt beschäftigen wir langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit viel Erfahrung und Flexiblität. Das macht unseren Erfolg aus.
◆ In der Jubiläumszeitung gratuliert neben den Gemeindeammännern von Stetten und Künten und einem Aargauer Regierungsrat sogar der diesjährige Bundespräsident Guy Parmelin. Wie kommen Sie zu dieser Ehre? Kannte er Birchmeier vielleicht als früherer Weinbauer?
(lacht) Wir haben einfach angefragt. Als wir das taten, war er noch nicht Bundespräsident. Wir haben gefragt, ob wir seine neue Funktion nennen dürfen und man hat uns dies erlaubt. Ich nehme an, 150 Jahre ist auch für einen Bundesrat und den Schweizer Wirtschaftsminister nicht alltäglich. Vielleicht kennt er als ursprünglicher Rebbauer auch unsere Produkte. Ich habe ihn eingeladen, ob er einmal vorbeikommen will. Er hat aber momentan sicher viel anderes am Hut.
◆ Was ist gemeint mit dem Slogan in der Jubiläumszeitung, «Geschichten, die verbinden»?
Wir haben viele Kunden- und Mitarbeitergeschichten in der Zeitung. Wenn so viele Menschen beteiligt sind am Erfolg eines Unternehmens, haben sie viel zu erzählen. Wir haben viel erlebt in dieser langen Zeit und möchten diese Erlebnisse teilen. Das ist der Gedanke. Unser generelle Claim lautete «Smart und Swiss seit 1876». Fürs Jubiläum haben wir einen zusätzlichen Claim kreiert: «Spray-Power seit 150 Jahren».
◆ Ihr Unternehmen exportiert von Stetten in die ganze Welt. Was sind Ihre Hauptabsatzmärkte?
Neben der Schweiz sind es Europa und USA. Dann der asiatische Raum.
◆ Ist Birchmeier betroffen vom «Zollkrieg» der USA?
Ja. 2025 war die ganze Zollgeschichte mit den USA. Indirekt ist es auch der starke Schweizer Franken, der uns beeinflusst. Egal, wo was passiert, stehen wir direkt oder indirekt auch drin. Jede Krise auf der Welt führt dazu, dass der Franken steigt und da wir stark exportorientiert sind und sowieso schon im teureren Preissegment sind, macht der Franken uns das Leben am schwersten. Als ich hier anfing, war der Euro-Wechselkurs 1.60 Franken und jetzt ist er rund 90 Rappen. Der US-Dollar war auf 1.80 Franken und ist jetzt auf 79 Rappen. Bezüglich den Währungen hätten sich unsere Preise im Ausland ohne Teuerung also in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. Das lässt sich im Markt aber nicht umsetzen, das heisst, wir sind permanent gefordert, unsere Effizienz zu steigern und unsere Kosten im Griff zu haben. Und als Schweizer Hersteller ist das sehr herausfordernd.
◆ Wirkt sich auch der neuste Krieg im Iran auf Ihr Geschäft aus?
Unmittelbar hat er keinen Einfluss. Die Islamische Revolution bedeutete das Ende unserer Geschäftsbeziehungen mit dem Iran. Vor der Revolution 1979 war der Iran aber ein wichtiger Exportmarkt für Birchmeier! Dort gibt es sehr viele Bauern mit kleinflächigen Feldern und die haben unsere Sprühgeräte gebraucht. Die letzten über 40 Jahre haben wir aber keine Geschäfte mehr gemacht wegen des Embargos und der Sanktionen. Iran ist an und für sich ein reiches Land und sie lechzen nach Qualitätsprodukten. Heute leben sie primär mit Billigprodukten aus China…
◆ Die Firma ist ein wichtiger Arbeitgeber für Stetten und die ganze Region. Wieviele Mitarbeiter beschäftigen Sie und wieviele davon wohnen vor Ort?
Wir beschäftigen rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die meisten wohnen in der Region. In der Gartenhochsaison im Frühling sind wir jeweils mehr und beschäftigen zusätzlich temporäre Angestellte.
◆ Stimmen die Rahmenbedingungen für Sie in der Region?
Es sind nicht die regionalen Rahmenbedingungen, sondern die schweizerischen, die einen grossen Einfluss haben, die Löhne sind entsprechend herausfordernd. Verglichen mit unseren Mitbewerbern in Deutschland, Italien und Frankreich, welche teilweise einen Drittel unserer Lohnkosten haben, müssen wir uns anstrengen, damit wir dies kompensieren können. Aber wir trumpfen mit innovativen Produkten, Qualität und Stabilität und mit dem guten Image der Schweiz auf und haben viele gute und langjährige Mitarbeiter. Ich beklage mich (fast) nicht.
◆ Im Bereich Garten liegt der Fokus ja momentan auf dem naturnahen Gärtnern mit weniger Pestiziden. Merken Sie das beim Absatz von Geräten?
Das hat mehr einen Einfluss im privaten Garten-Bereich. Es gibt mittlerweile mehr biologische Mittel und diese kann man auch mit unseren Geräten versprühen. Von dem her gibt es einen gewissen Wechsel. Die Privaten sprühen etwas weniger und die Sache verlagert sich etwas mehr zum Profi. Aber der Profi ist noch mehr angewiesen auf gute Sprühgeräte. Auf der einen Seite verlieren wir etwas und auf der anderen gewinnen wir.
◆ Ist Nachhaltigkeit ein Thema bei Birchmeier?
Viele Leute fragen uns, was wir für die Nachhaltigkeit tun. Dann sage ich immer: Wir sind schon seit 150 Jahren nachhaltig! Unsere Produkte sind langlebig, jedes hat Ersatzteile und kann repariert werden. Wir gewährleisten, dass das Produkt sehr lange hält. Im Gegensatz zu Einweg- und «Ready to Use»-Sprühern sind unsere Produkte sehr langlebig und erlauben ein effektiveres Sprühen. Dazu produzieren wir im Herzen von Europa und bieten kurze Transportwege. Das sind die grössten Beiträge, die wir zur Nachhaltigkeit leisten.
◆ Zum Schluss gefragt: Was sind die Zukunftspläne der Firma?
Unsere Grundfeste, Qualität und Innovation, bleiben auch in Zukunft. Wir hoffen natürlich, dass sich durch die Digitalisierung neue Möglichkeiten ergeben, vermehrt und direkter mit unseren Endkunden zu kommunizieren. Ich hoffe, dass uns das in die Karten spielt und wir unsere Vorteile und Innovationen besser dem Endkunden rüberbringen können.
◆ Welche Technologien schweben Ihnen vor?
Künstliche Intelligenz. Statt einem Menschen spricht zum Beispiel ein elektronisches Pendent von mir. Dieser Avatar spricht Finnisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch etc. Das ergibt ganz andere Möglichkeiten, um mit unserem weltweiten Kunden zu kommunizieren. Meine Hoffnung wäre eigentlich, dass ich nicht einen Kunden nach dem anderen kontaktieren muss, sondern mit 1000 Kunden parallel gleichzeitig kommunizieren und ihnen erklären könnte, warum unsere Produkte für ihre Anwendung die besten sind. Heute haben wir nachgelagerte Vertriebsstufen, die in der jeweiligen Landessprache kommunizieren. Mit KI könnten wir das parallel vermehrt direkt machen und so unser Vertriebsnetz aktiv unterstützen. Ich sage immer: Wenn alle, welche unsere Produkte brauchen könnten, wüssten, dass es uns gibt, wären wir «putzt und gstrählet».
Marc Benedetti
Zum Interviewpartner
Jörg Lembachner arbeitet seit dem Jahr 2000 bei Birchmeier Sprühtechnik AG. Angefangen hat er als Verkaufsleiter. Seit 2002 ist er Geschäftsführer des KMU mit Sitz in Stetten und ist damit zusammen mit dem leider viel zu früh verstorbenen Hauptaktionär Jürg Zwahlen (gestorben 2023) das Gesicht der Firma. 2016 ist Lembachner als Minderheitsaktionär eingestiegen. Der Zürcher hat Jahrgang 1962 und wohnt in Uster. (mbe)










