Patrick Zehnder lebt mit seiner Familie in Birmenstorf. Er unterrichtet Geschichte an der Kantonsschule Baden und verfolgt als freiberuflicher Historiker lokalund regionalgeschichtliche Projekte. Seine Freizeit verbringt er beim Orientierungslauf, auf dem Velo oder auf Langlaufskis.
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Patrick Zehnder lebt mit seiner Familie in Birmenstorf. Er unterrichtet Geschichte an der Kantonsschule Baden und verfolgt als freiberuflicher Historiker lokalund regionalgeschichtliche Projekte. Seine Freizeit verbringt er beim Orientierungslauf, auf dem Velo oder auf Langlaufskis.
Zu meiner Verwandtschaft gehören fast ungezählte Tanten und Onkel – echte, fast echte und dazu noch solche, die nur so hiessen. Ganz besonders wichtig waren die Tanten. Denn sie machten die Salate für die Familienfeste, buken Birewegge und Chrömli zu Weihnachten. Backten, würden mich meine Schüler übrigens korrigieren. Die Onkel dagegen hielten sich bei diesen Familienfeiern eher im Hintergrund, garten in grauen Hosen den unvermeidlichen Braten oder sinnierten in der Küche, weshalb beim Bier der Schaum in sich zusammenfällt, wenn man nach dem Speckessen einen Schluck nimmt. Ob dieses Rätsel schon gelöst ist, muss ich bald einmal nachfragen.
Zu den Tanten durften wir auch in die Ferien. Ganz besonders zu zwei Schwestern meiner Mutter. Die Schwestern meines Vaters wohnten mit einer Ausnahme in Birmenstorf. Zwar ist Birmenstorf schön, aber dort waren wir schon das ganze Jahr über. Und bei der einzigen auswärtigen Tante Anni in Fislisbach hätte ich wohl bald Heimweh gehabt.
So durfte ich als lieber Bube mehrmals zu meiner Tantegotte Antoinette an den Höhenweg 6 im obersten Teil von Niederrohrdorf, auch zu meinem fast gleichaltrigen Lieblingscousin Marcel. Natürlich nannte ich meine Gotte Gotte. Meine Brüder sagten Tante Toni. Meine Mutter verwendete in Abwesenheit der Angesprochenen «Tönel», was meine Gotte überhörte. Im Grunde genommen ist ihr Taufname Antonia. Meine Grosseltern dachten dabei an die Schutzpatronin der Mütter und Witwen. Seit einer Zugfahrt durch die Romandie begeistert von der dortigen «Culture» und vom «Savoir-vivre», lässt sie sich Antoinette rufen. Ein passender Name, wie ich finde. Marcel – ebenfalls ein welscher Vorname – schwärmte Zeit seiner Jugend für Science Fiction, Ausserirdisches und Computer. Davon lebt er seit Jahrzehnten in den USA. Wie ihn seine Nachbarn wohl nennen? Vielleicht fast wie «parcel»?
Fast noch stärker zog es mich allerdings nach Killwangen ins Limmattal. Dorthin hatte Mutters älteste Schwester auf einen Bauernhof geheiratet. Tante Marlen – kurz für Maria Magdalena – hatte nicht nur fünf Kinder, sondern auch Onkel Silvan und viele Tiere und Maschinen. Im Sommer hiess das Heuen, im Herbst Mosten und «Hördöpfle». Und natürlich liefen alle Zweige des Mischbetriebs weiter: Füttern, Misten, Melken, Striegeln, Milch in die Hütte bringen, Kalbern. Dieser Schatz bleibt mir mein ganzes Leben lang.