Niko Läderach studiert Philo- sophie und Germanistik an der Uni- versität Zürich, arbeitet als Assistenz im Kinder- garten und an Wochenenden im Sportcenter. Seine Freizeit verbringt er gerne draussen mit dem Hund, an der Reuss, aber auch mal ge- ...
Niko Läderach studiert Philo- sophie und Germanistik an der Uni- versität Zürich, arbeitet als Assistenz im Kinder- garten und an Wochenenden im Sportcenter. Seine Freizeit verbringt er gerne draussen mit dem Hund, an der Reuss, aber auch mal ge- mütlich zu Hause bei einer Lektüre.
«Das Komitee hält die Zuwanderung heute für massiv zu hoch. Sie führe zu Wohnungsnot, höheren Mieten, Zubetonierung der Landschaft, Stau und überfüllten Zügen, steigender Kriminalität, einem Gesundheitswesen am Anschlag und sinkender Bildungsqualität» (admin.ch, Nachhaltigkeitsinitiative) heisst es in der Empfehlung des Initiativkomitees zur Nachhaltigkeitsinitiative. Passend dazu muss ich vor Kurzem lesen, dass in der Region Baden wieder einmal einem ganzen Wohnblock gekündigt wurde, die Wohnungen jetzt renoviert seien und sich die Miete nun in einem Bereich über 4000 Franken/ Monat befindet. Das wäre an sich ja schon bedauernswert genug. Liest man aber die Kommentare zu den Artikeln setzten darin die üblichen Verdächtigen zur grandiosen Analyse an: Der Marktpreis ergäbe sich halt aus Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfrage so rapide steigt, das Angebot aber gleich bleibt entstehen solche Preise. Es folgt die inferiore Schlussfolgerung: Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative. Totschlagargument.
Wenn man die Empfehlung des Initiativkomitees liest, wird einem klar wieso. Die Nachhaltigkeitsinitiative scheint die Lösung für alles zu sein. Stau, teure Wohnungen, Wohnungsnot, Kriminalität, Gesundheitswesen und natürlich die Bildung der Kinder. All diese Probleme können natürlich mit dieser Initiative gelöst werden. Ich freue mich.
Jetzt haben wir leider nur noch das Problem, wir sehens am Beispiel «Wohnblock in Baden», die Probleme sind schon da. Aber klar, wir deckeln die Einwohnerzahl und die Wohnung kostet dann keine 4000 Franken mehr. Die ganze Argumentation hat m.E. (nicht nur) einen grossen Haken. Die Nachhaltigkeitsinitiative als Totschlagargument für alle Probleme lenkt von der Komplexität der Probleme ab. Meinetwegen geschenkt, dass die Auseinandersetzung mit so vielen Problemen auch intellektuell mühselig ist. Deshalb führt man in klassisch populistischer Manier die einfache Lösung vor: Schuld sind die Einwanderer. So muss man sich dann wenigstens nicht mehr mit den Problemen auseinandersetzen, die schon da sind.
In einem Punkt gehe ich ja mit dem Initiativkomitee mit; die Bildungsqualität scheint tatsächlich gesunken zu sein. Man hätte das aber jetzt nicht gleich performativ an der eigenen Initiative vorführen müssen.