Trickbetrüger im Übergwändli unterwegs
27.01.2026 WohlenschwilDie Kantonspolizei warnt vor falschen Handwerkern. Im Zweifelsfall die Notrufnummer (117) wählen
Ein falscher Handwerker war letzte Woche in Wohlen unterwegs. Eine 95-jährige Seniorin fiel auf den Trickbetrüger herein. Obwohl sie misstrauisch wurde, kamen mehrere tausend ...
Die Kantonspolizei warnt vor falschen Handwerkern. Im Zweifelsfall die Notrufnummer (117) wählen
Ein falscher Handwerker war letzte Woche in Wohlen unterwegs. Eine 95-jährige Seniorin fiel auf den Trickbetrüger herein. Obwohl sie misstrauisch wurde, kamen mehrere tausend Franken aus ihrer Wohnung weg. Eine Wohlenschwilerin erlebte einen ähnlichen Vorfall.
Kurz vor Weihnachten klingelte es bei Ruth Vidal, Korrektorin beim «Reussbote», an der Haustüre in Wohlenschwil. «Zwei Handwerker in hellgrauen ‹Übergwändli› standen vor meiner Türe. Sie sagten Grüezi und dass sie von der Gemeinde den Auftrag hätten, bei mir im Badezimmer etwas zu kontrollieren», erzählt Ruth Vidal. Obwohl jeder von Trickbetrügern wisse, sei sie völlig überrumpelt gewesen. Zum Glück hätte sie sich instinktiv richtig verhalten und den Zutritt verweigert. Sie sagte: «Das kann nicht sein, ich habe keine offizielle Meldung erhalten. Welche Person hat Ihnen den Auftrag erteilt?» Der ältere Mann habe geantwortet, dass er den Namen vergessen hätte. Vidal sagte darauf, dass sie jetzt bei der Gemeinde und bei der Polizei anrufe. Darauf habe sie rasch und mit Herzklopfen die Türe geschlossen. «Ich hörte, dass der etwas weiter hinten stehende Mann sagte ‹Chumm gömmer›».
Vorfall war schon fast vergessen
Obwohl ihr Hund Merlin im oberen Stock bellte, habe sie während der ganzen Zeit ein ungutes Gefühl gehabt. Da der Vorfall kurz nach dem Mittag stattfand, wollte Ruth Vidal später, wenn die Gemeindekanzlei wieder öffnete, anrufen. Das habe sie dann aber wieder vergessen. «Als ich nun vom Vorfall in Wohlen erfuhr, hatte ich ein Déjà-vu-Erlebnis. Ich bin mir heute sicher, dass auch bei mir falsche Handwerker vor Ort waren», denn danach habe sie nie von der Gemeinde gehört, dass sie Handwerker für eine Überprüfung vorbeischicken werden. Sie könne verstehen, dass die Seniorin in Wohlen auf den Trickbetrüger reinfiel, da diese sehr überzeugend auftreten. Bei der Gemeinde Wohlenschwil sind auf Anfrage beim Gemeindeammann Roger Aerne keine Meldungen eingegangen und keine Vorfälle bekannt.
Seniorin reagierte zu spät
Vor einer Woche klingelte gemäss Medienmitteilung der Kantonspolizei in Wohlen kurz vor Mittag ein unbekannter Mann an der Tür einer 95-jährigen Seniorin. Unter dem Vorwand die Heizung kontrollieren zu müssen, verschaffte sich der vermeintliche Handwerker Zutritt zur Wohnung. Der Mann bat dann die Seniorin in ein Nebenzimmer und verwickelte sie in ein Gespräch. Das kam der Seniorin verdächtig vor. Sie forderte den Mann auf, seinen Vorgesetzten zu kontaktieren. Als dieser nicht erreichbar war, wies sie den Unbekannten an, die Wohnung zu verlassen. Auf der Suche nach ihren Schlüsseln musste die ältere Dame feststellen, dass ihr Tresor offenstand und daraus eine Bankkarte sowie mehrere Tausend Franken Bargeld entwendet wurden. Unverzüglich alarmierte die Seniorin die Polizei und erstattete Anzeige. Den Täter konnte sie sehr genau beschreiben. Laut Mitteilung ist er 175 cm gross, von nordafrikanischer Herkunft, mit kurzem, gekraustem Haar, Dreitagebart und hat ein gepflegtes Erscheinungsbild. Ob der Mann allein handelte oder mit Komplizen unterwegs war, ist unklar. Die Kapo hat die Ermittlungen aufgenommen.
Jede Sekunde zählt
Die Kantonspolizei warnt aktuell vor falschen Handwerkern. Sie mahnt zur Vorsicht und rät Betroffenen, sich nicht auf Gespräche mit Verdächtigen einzulassen. «Die falschen Handwerker verwickeln meist Personen in ein Gespräch und bauen Druck auf», sagt Kathrin Wettstein, Mediensprecherin der Kapo, auf Anfrage. «Viele fühlen sich dadurch überrumpelt und gewähren den Zugang. Es ist wichtig, kritisch zu bleiben.»
Inzwischen meldeten sich nach der Veröffentlichung des Vorfalls in Wohlen mehrere Personen bei der Polizei, welche von ähnlichen Vorfällen berichteten. «Die Kapo rät, keine grösseren Beträge an Bargeld zu Hause aufzubewahren. Wenn nichts von einer anstehenden Reparatur bekannt ist, immer sofort die Türe schliessen und die Notrufnummer 117 wählen», rät Wettstein. Es zähle dabei jede Sekunde, damit die Fahndung erfolgreich verlaufen könne. Manche Betroffene würden aber erst am Abend nach der Arbeit eine Mail schreiben oder telefonieren. Dann sei es meist zu spät, die Betrüger bereits über alle Berge. Wichtig sei es, die Personen zu beschreiben und sich zu merken, in welche Richtung sie zu Fuss oder mit einem Auto unterwegs waren. «Lieber bei einem Verdacht einmal zu viel als einmal zu wenig die Notrufnummer wählen. Für viele Personen sei nicht in erster Linie der finanzielle Schaden schwer zu verkraften. «Das Sicherheitsgefühl ist bei den Betroffenen nach so einem Vorfall meistens stark beeinträchtig», sagt sie.
Debora Gattlen

