Unermüdlicher Einsatz und hohe Ansprüche
27.02.2026Nach einem Vierteljahrhundert beginnt für Susanna und Fritz Gerber eine neue Ära. Elch-tours.ch stellt den Betrieb am 4. Oktober ein
Während 25 Jahren waren Susanna und Fritz Gerber unermüdlich für ihr Car-Unternehmen «Elch-tours.ch» im Einsatz. Ihr ...
Nach einem Vierteljahrhundert beginnt für Susanna und Fritz Gerber eine neue Ära. Elch-tours.ch stellt den Betrieb am 4. Oktober ein
Während 25 Jahren waren Susanna und Fritz Gerber unermüdlich für ihr Car-Unternehmen «Elch-tours.ch» im Einsatz. Ihr auffälliger Reisecar mit Elch-Logo war in ganz Europa anzutreffen. Ende Jahr geht nun die Ära zu Ende.
Der Entscheid, die Firma auf Ende Jahr aufzulösen, fiel Susanna und Fritz Gerber, Inhaber Elch-tours.ch, nicht leicht. Das Busunternehmen ist ihr Lebenswerk. Jahre mit reichlich Arbeit, vielen Höhen und wenig Tiefen, schönen Reisen und Begegnungen. Während 25 Jahren betrieben die Gerbers das Reiseunternehmen mit viel Herzblut. Der Höhepunkt in der Firmengeschichte war 2010 der Kauf des neuen Reisecars «Neoplan Starliner». Ihre meist langjährige Kundschaft schätzte die gut organisierten Reisen. Die Niederlande, Böhmen, Slowenien, Kroatien und Elba wurden angefahren. Vor allem beliebt und auch die Spezialität des Unternehmens sind Reisen in den Norden. Das Norwegische Süd-, West- und Nordkap, Schweden, Finnland mit Karelien, Dänemark mit Bornholm, die Färöer-Inseln und Island waren hier Programm. Für die Reiseleitung und Carfahrten war Susanna Gerber zuständig, Fritz Gerber für die Administration und Carfahrten.
Der Car mit dem Elch fiel auf
Seit 2010 sind Gerbers mit ihrem «Neoplan Starliner» unterwegs. «Der Car wurde mit vielen Extras für uns ausgestattet», sagt Fritz Gerber. So war die Sicherheit der Fahrgäste ein grosses Anliegen – Dreipunkt Sicherheitsgurte auf allen Sitzen wurden eingebaut. Der Bus sei bei den Fahrgästen vor allem wegen des guten Standards sehr beliebt. Obwohl der «Elch» bereits 16 Jahre alt ist, ist er bestens in Schuss. Wohin es den Gerber Starliner verschlägt, ist noch ungewiss. Es laufen bereits Verhandlungen für seine weitere Zukunft. «Der Car war unser Lebenstraum und damals mussten wir hart kämpfen, dass wir ihn erfüllen konnten.» Die auffällige Farbe und das Logo mit dem Elch erhielt er in der Schweiz. «Der Reisebus erregte mit seiner auffälligen Farbe und dem Elch-Logo stets viel Aufmerksamkeit. Bis heute sind wir mit grossem Stolz mit ihm unterwegs», sagt Fritz Gerber.
Die Gerbers hielten ihn in den 16 Jahren in Schuss. Dazu gehören jährliche Wartung und Kontrollen. Zwei Mal im Jahr wurde beispielsweise das Leder der Sitze von ihnen genährt und die Teppiche komplett herausgenommen und schamponiert. «Die meisten Cars sind acht bis zehn Jahre im Einsatz. Daher ist der Typ unseres Busses nicht mehr oft in Europa anzutreffen, auch wenn er bis 2015 produziert wurde», so Gerber. Der Starliner ist für die Gerbers weit mehr als nur ein Fahrzeug. Sie hoffen daher, dass er weiter im Einsatz sein wird. «Es ist noch offen, ob er in den Export geht oder doch noch in der Schweiz einen Käufer findet», so der Inhaber. Was beim Verkauf entfernt wird, ist die Folie mit dem Elch und dem Logo.
Betrieb von Vorgänger übernommen
Susanna und Fritz Gerber übernahmen 2001 Heiri Reisen von ihrem Vorgänger, welcher eine Nachfolge suchte. Insgesamt besteht das Unternehmen seit 40 Jahren. Seit 2001 liegt den beiden das Wohlergehen der Firma am Herzen. Ihre Reisen hoben sich durch umfassenden Kundenservice von anderen Anbietern ab. So werden Fahrgäste in der Nähe oder im Dorf abgeholt. «Wir haben vor allem auch ältere Kundschaft», führt Susanna Gerber aus. «Es ist für sie eine letzte Möglichkeit, bequem auf Reisen zu gehen. Einige sind mehrmals im Jahr und seit 25 Jahren auf unseren Reisen dabei.» Geschätzt wird auch, dass auf den Reisen ein höherer Standard geboten wird. So wird abseits der Autobahn in einem Landgasthof ein Halt eingelegt oder bei der Überfahrt mit einer Fähre Aussenkabinen und bei Hotels im Vier-Sternebereich gebucht. «Wir sind auf längeren Strecken immer zu zweit unterwegs. Das hat den Vorteil, dass wir uns zwischendurch ausruhen können, während der andere fährt», so Fritz Gerber. Bei Firmen- oder Seniorenausflügen mietet die Firma bei Bedarf jeweils einen Car dazu, gefahren wird aber selbst.
Bis im Oktober Standards halten
Der Knackpunkt für das Unternehmen war 2020 die Pandemie. «Unsere Firma konnte sich nie mehr restlos davon erholen», so Fritz Gerber. In dieser Zeit begann er bei Steffen Bus AG in Remetschwil in einem Teil-Pensum als Postautochauffeur zu arbeiten. Susanna Gerber war immer im Gesundheitsbereich berufstätig. Die Krankenpflegerin arbeitete im Reusspark, später und bis heute bei der Spitex Mutschellen-Reusstal. Zu kämpfen hat die Carreisebranche zunehmend mit steigenden Anforderungen im Inund Ausland. So unter anderem durch schärfere Zufahrtsregelungen zu Städten, komplizierte Zahlungspflicht von Mehrwertsteuer, Einfahrtsgebühren und anderen länderspezifischen Vorschriften. Vor allem für ein Kleinunternehmen wie Elch-tours.ch ist das mit grossem, fast nicht zu bewältigendem Aufwand verbunden. Zudem haben die beiden Söhne der Gerbers, Lars Henrik und Sven Harald, bereits früh eine Nachfolge bei Elch-tours.ch ausgeschlossen. Sie haben ein eigenes erfolgreiches Berufsleben im Recyclingbereich und der Landwirtschaft aufgebaut.
Aktuell kann bei Elch-tours.ch noch gebucht werden. Susanna und Fritz Gerber werden in der verbleibenden Saison mit ungebrochener Passion die Reisen mit gewohnter Sicherheit, Zuverlässigkeit und Professionalität ausführen. Die letzte ausgeschriebene Fahrt führt am 4. Oktober ins Emmental, von wo die Gerbers ursprünglich stammen. Danach verlieren Reisegutscheine ihre Gültigkeit.
Debora Gattlen






