Tägerig: Seit einer Woche ist die Vogelschreckanlage in Betrieb. Sie sorgt mit Knallern dafür, dass die Saat aufgeht
Ein Taubenschwarm und Krähen machten sich über die Sonnenblumen-Saat her. Auf der sechs Hektare grossen Parzelle frassen sie alles weg. Seit ...
Tägerig: Seit einer Woche ist die Vogelschreckanlage in Betrieb. Sie sorgt mit Knallern dafür, dass die Saat aufgeht
Ein Taubenschwarm und Krähen machten sich über die Sonnenblumen-Saat her. Auf der sechs Hektare grossen Parzelle frassen sie alles weg. Seit eineinhalb Wochen sorgt nun eine Vogelschreckanlage dafür, dass die Vögel die Zweitsaat in Ruhe lassen.
Dumpfe Schüsse sind in verschiedenen Zeitabständen zu hören.
Die simulierten Schüsse erzeugt eine knallgelbe Vogelschreckanlage. Sie steht mitten auf einer grossen Landwirtschaftsparzelle gleich neben der Gheidstrasse Richtung Mellingen. Bereits gingen diverse Beschwerden bei der Gemeindekanzlei und auch bei der Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal (Repol) ein. Auch auf den Sozialen Medien wird vor der Anlage gewarnt: «Es knallt auf dem Spazierweg Richtung Mellingen. Bitte nehmt die Hunde an die Leine.» Inzwischen hat auch die Gemeinde auf ihrer Homepage ein Beitrag aufgeschaltet. Dort steht: Zur sofortigen Abwehr der Vögel wird eine rechtlich zulässige akustische Vogelschreckanlage eingesetzt. Diese Massnahme wird möglichst sparsam und abhängig vom tatsächlichen Vogelaufkommen angewendet. Zusätzlich werden weitere Alternativen geprüft.
Anlage findet nicht nur Anklang
Die vom Vogelfrass betroffene Parzelle gehört einer Tägeriger Landwirtsfamilie. Diese mietete die rechtlich zulässige akustische Anlage und installiert sie vor eineinhalb Wochen. «Wir mussten etwas unternehmen, da wir wegen eines grossen Taubenschwarms einen Komplettausfall bei der Sonnenblumeneinsaat erlitten», sagt die betroffene Landwirtin. Rund 60 Tauben hätten sich über die bereits gekeimten Sonnenblumenschösslinge hergemacht und sie vernichtet. «Für uns entstand ein grosser finanzieller Schaden. Wir müssen die Zweitsaat selber bezahlen. Dafür gibt es keine Versicherung.» Um nicht nochmals vor die gleiche Situation gestellt zu werden, ist nun die Vogelschreckanlage im Einsatz. «Wir halten uns an die Ruhezeiten. Die Anlage ist nur bis 18.30 Uhr statt bis 20 Uhr programmiert», sagt sie. Am Wochenende sei die Anlage zudem abgestellt worden. Doch nicht alle haben für die Abschreckanlage Verständnis. «Als ich die Anlage installierte, bin ich verbal von einer Pferdehalterin attackiert worden.» Eine sachliche Verständigung sei nicht möglich gewesen. Auch vom Gheid in Mellingen gingen von Pferdehaltern Reklamationen ein. Andere sehen das entspannter. «Ich wurde von der Landwirtsfamilie informiert, dass sie eine Vogelschreckanlage installierten. Ich empfinde die dumpfen Schüsse nicht als störend. Meist läuft die Anlage nur am Morgen», sagt Anwohner Fritz Ammann. Zudem sei nachzuvollziehen, dass die Familie wegen des Schadens etwas machen musste. Auch Anwohner Markus Baumann findet die Anlage nicht störend. Es sei absehbar, bis diese wieder entfernt werde. Er sagt: «Ich habe selber zwei Hunde und gehe dort spazieren. Meine Hunde reagieren nicht auf die Schüsse.»
Anlage ist vom Kanton abgesegnet
Bevor die Anlage aufgebaut wurde, informierte die Landwirtsfamilie das Amt für Umwelt und Tierdelikte des Kantons. Dazu auch den zuständigen Jagdaufseher, die Kantonspolizei und die Repol. Bestätigt wird von offizieller Seite, dass die Situation geprüft wurde und der Landwirt über die nötigen Bewilligungen verfüge. «Wir mussten schnell handeln und die Neusaat schützen», sagt die Landwirtin. «Wir pflanzen seit Jahren Sonnenblumen auf unseren Feldern an. So etwas haben wir noch nie erlebt», sagt die Landwirtin. Sie habe gehört, dass dies auf das neu ökologisch unbebeizte Saatgut zurückzuführen sei – Landwirte werden dadurch wohl in der Zukunft vermehrt Schäden zu beklagen haben. Die Vogelschreckanlage werde nur so lange eingesetzt, bis die Keimlinge nicht mehr für die Vögel interessant sind.
Debora Gattlen